„Jenseits der Leistungsfähigkeit“

Nach Impf-Start: Hausärzte üben heftige Kritik - „Seit 20 Jahren der schlimmste Tag in meiner Praxis“

  • Christina Denk
    vonChristina Denk
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Seit knapp einer Woche dürfen Hausärzte nun ebenfalls gegen Covid-19 impfen. Doch der Start läuft schleppend. Die Ärzte beklagen sich bei der Regierung - ein Appell geht jedoch auch an die Patienten.

München - „Das wird noch kein großer Schritt sein, aber ein wichtiger“, frohlockte Jens Spahn bereits vor Ostern zum Impfstart in den Hausarztpraxen. Seit Dienstag (6. April) sind sie neben den Impfzentren ein zentraler Part in der Corona-Impfkampagne der Bundesregierung. Doch während die Euphorie am Anfang noch groß war, trübt bereits einige Tage nach dem Start die Realität das Bild. Viele Hausärzt:innen haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen.

Impfstart in den Hausarztpraxen: Ärzte bereits zu Beginn am Ende - „schlimmste Tag in meiner Praxis“

„Das war seit 20 Jahren der schlimmste Tag in meiner Praxis“, formulierte es Hausarzt Thomas Aßmann aus Lindlar gegenüber rp-online nach dem Impfstart am Dienstag deutlich. Obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keine einzige Impfdose bei dem Arzt angelangt war, sei der Start bereits holprig verlaufen. Es gäbe zahlreiche Fragen der Patient:innen zum Impfprozedere zu beantworten. Auch die Verunsicherung um das Vakzin von Astrazeneca würde intensivere Beratungen erfordern. Das Telefon stehe kaum mehr still. „Meine Mitarbeiter sind am Ende, die wartenden Patienten knubbeln sich auf der Straße“, sagte Aßmann. „Es ist ärgerlich, dass den Ärzten solche Knüppel zwischen die Beine geschmissen werden“, so auch die Verbandssprecherin Monika Baaken.

Als Knüppel erweisen sich wohl auch die hohen Hürden der Bürokratie, denen die Hausärzt:innen gegenüber stehen. Die Befürchtungen, die sie bereits vor dem Start der Kampagne geäußert hatten, haben sich offenbar bestätigt.

Impfstart in den Hausarztpraxen: Bürokratie behindert Impferfolg - doch Ärzte richten auch Wunsch an Patienten

26 Abrechnungsziffern für nur 24 Impfdosen? Exakt diese Anzahl an fünfstelligen Kennnummern musste der Arzt Guido Pukies aus Neuss für die kleine Menge an Impfstoff eingeben, berichtet er einen Tag nach dem Impfstart im WDR Morgenecho. Und auch die Bestellung der Impfstoffe sei kein Spaß. Für das Ausfüllen der ersten Rezepte, das bei anderen Mitteln meist nur einige Sekunden dauert, habe die Praxis eineinhalb Stunden benötigt. Wir „haben es letztendlich dann mit Tipp-Ex gelöst“, so Pukies. „Das sind alles Dinge, die sehr bedauerlich sind und die die große Freude, die die Ärztinnen und Ärzte zunächst hatten schon ordentlich betrüben.“

Der Impf-Start in den Hausarzt-Praxen verlief vielerorts holprig.

Der Hausarzt wünscht sich in den nächsten Wochen eine bessere Planbarkeit bei den Impf-Lieferungen. Oft wüssten die Ärzt:innen nicht, wie viele Dosen sie in der nächsten Woche erhalten werden. Doch die Impfungen müssten sorgfältig geplant werden. Die meisten Praxen impfen erst nach der regulären Sprechzeit. Abstände und Hygiene müssten eingehalten werden. Zudem braucht es Zeitfenster für die Nachbeobachtung der Geimpften. Doch nicht nur an die Regierung geht ein Appell.

Die Ärzt:innen haben auch einen Wunsch an die Bevölkerung. „Ich möchte dringend davon abraten im Moment telefonisch Anfragen an die Arztpraxen zu stellen“, so einer der Hausärzte. Diese müssen sich ebenfalls an die gängige Impfreihenfolge halten. „Wir sind wirklich jenseits der Leistungsfähigkeit und werden durch diese Anfragen schlicht überfordert.“ Wie Aßmann bereits schilderte: Das Telefon steht sonst nicht mehr still. (chd)

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Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa

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