Ein ernst gemeinter Rat

Hebamme warnt: Darum sollten Sie an Ostern besser verhüten

Kerken - „Zeugen Sie Ihr Kind besser erst nach Ostern.“ Dieser ernst gemeinte Facebook-Aufruf einer Hebamme aus Nordrhein-Westfalen amüsiert das Netz. Doch was steckt dahinter?

Am wichtigsten Feiertag der Christen dreht sich bekanntlich alles um das auserkorene Symboltier: den Hasen. Trotzdem rät eine Hebamme aktuell dringend davon ab, es den Nagetieren an Ostern gleich zu tun und sich wie die Karnickel zu vermehren. Eine Warnung, die allerdings weniger auf christliche Werte, sondern vielmehr auf akute Probleme in der deutschen Gesundheitsversorgung zurückzuführen ist.

In Deutschland herrscht akuter Hebammen-Mangel

Via Facebook rief die Hebamme (46) aus Nordrhein-Westfalen alle Paare mit Kinderwunsch dazu auf, während der Feiertage zu verhüten - denn sonst käme das Baby in der Weihnachtszeit zur Welt. Da sei es allerdings noch viel schwieriger als ohnehin schon, eine betreuende Hebamme zu finden.

Mit dem Posting, das zahlreiche Medien wie der „Stern“ und die „Welt“ aufgriffen, will Christine Niersmann auf den Hebammenmangel und damit einhergehende Mängel in der Geburtshilfe in Deutschland aufmerksam machen. Eine in Vollzeit arbeitende Hebamme betreut nach Angaben des Deutschen Hebammenverbands pro Jahr rund 100 Geburten; in Großbritannien und Norwegen sind es nur rund 30.

Zahlreiche Hebammen geben ihren Beruf auf

Christine Niersmann (46) aus Kerken.

Niersmann zufolge laufen in deutschen Kreißsälen oft drei bis vier Geburten gleichzeitig. Eine Kollegin habe jüngst sogar acht Geburten parallel betreuen müssen. „Die Hebammen sind so fertig, sie können keiner Frau richtig genügen“, sagte Niersmann am Donnerstag am Telefon.

An Weihnachten dränge das Problem besonders: Viele Geburtshelferinnen bräuchten dann Zeit für die eigene Familie, die meisten Kreißsäle seien nur notdürftig besetzt. „Es geht nicht um mehr Freizeit für die Hebammen. Es ist ein Hilferuf“, erklärte Niersmann. Zahlreiche Hebammen halten der Belastung nicht mehr stand und geben ihren Beruf auf. 

dpa/sl

Rubriklistenbild: © dpa

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