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Das Kinder- und Jugenheim "Haus Babenberg" der Haasenburg GmbH

Neue Bleibe für entflohene Jungen

Horror-Heim: Misshandlungen mies vertuscht

Potsdam - Drei Jugendliche geben an, vor Übergriffen aus dem Heim geflohen zu sein. Damit erreichen die Vorwürfe gegen die Haasenburg GmbH eine neue Dimension. Bislang ging es um die Vergangenheit.

Nach der Flucht von drei Jugendlichen aus einem der umstrittenen Kinder- und Jugendheime der Haasenburg GmbH in Brandenburg hat ihr Anwalt schwere Vorwürfe gegen den Betreiber erhoben. „Es gab eine Vielzahl von Gewalttaten, Fixierungen am Boden - und vor allem Demütigungen“, sagte der Hamburger Familienrechtler Rudolf von Bracken am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Gegen Erzieher und Heimbetreiber wird bereits wegen Misshandlungsvorwürfen ermittelt. Anzeigen von den drei Jugendlichen im Alter von 15 und 16 Jahren gibt es laut Staatsanwaltschaft Cottbus bislang nicht. Der Polizei lägen aber neue Hinweise vor.

Seit geraumer Zeit gibt es Vorwürfe gegen die Einrichtungen. Bewohner sollen mehrere Tage auf Liegen fixiert worden sein, es soll auch zu Knochenbrüchen gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bislang in acht Fällen. Dazu zählen zwei frühere Todesfälle in den Jahren 2005 und 2008, die nochmals untersucht werden. Die Polizei prüfe zudem drei weitere Fälle, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Vorwürfe der drei weggelaufenen Jungen beziehen sich nach Angaben ihres Anwalts auf aktuelle Übergriffe. „Davor sind sie aus dem Heim geflohen“, sagte von Bracken. Die Misshandlungen hätten auch zu Verletzungen geführt, die ärztlich behandelt werden mussten. Diese Fälle seien jedoch als Unfälle vertuscht worden. Er forderte die Brandenburger Behörden auf, der Haasenburg GmbH die Betriebserlaubnis zu entziehen.

Der Jurist hat nach eigenen Angaben per Eilverfahren bei Gericht beantragt, die Genehmigung zur Unterbringung im Heim aufzuheben. „Die Maßnahme ist ungeeignet und schadet dem Kindeswohl“, erklärte von Bracken. Da die Jungen aus unterschiedlichen Bundesländern kommen, sind Behörden in Hamburg, im Saarland sowie in Berlin und Brandenburg beteiligt.

Durch die Vermittlung einer Hamburger Sozialeinrichtung haben die Jungen eine neue Bleibe gefunden. „Sie sind an uns herangetreten und standen vor unserer Tür“, sagte die Sprecherin des „Rauhen Haus“ Hamburg, Sylvia Nielsen, und bestätigte damit einen Bericht des Radiosenders NDR 90,3. Die Jugendlichen seien weitervermittelt worden. Zu dem Aufenthaltsort wollte sie sich nicht äußern.

In den umstrittenen Einrichtungen sind Kinder und Jugendliche aus 14 Bundesländern untergebracht. Der Betreiber weist die Anschuldigungen zurück. Brandenburg erwägt inzwischen - wie in anderen Bundesländern bereits geschehen - die Abschaffung geschlossener Heime.

Am Donnerstag hatten Ermittler die Einrichtungen durchsucht und Akten sichergestellt. Am Freitag informierten sich Experten in allen drei Heimen der Haasenburg GmbH in Brandeburg. „Wir konnten einen ersten Kontakt zu den Mitarbeitern und den Jugendlichen herstellen und unser Vorgehen erläutern“, sagte Psychologe Martin Hoffmann, Leiter der unabhängigen Untersuchungskommission.

dpa

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