+
Freiwillige Helfer von Plan International kümmern sich in Luvu im Lalitpur Distrikt um Kinder. Foto: Plan International

Helferin: Menschen in Nepal haben Angst vor Monsun

Vor gut sechs Wochen bebte die Erde in Nepal. Vor allem in den entlegenen Gebirgsregionen im Himalaya brauchen die Menschen noch dringend Hilfe. Besonders schlimm hat es die Kinder getroffen, berichtet ein Hilfswerk.

Hamburg (dpa) - Mehr als sechs Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal fürchten sich die Menschen in der Himalaya-Region vor dem beginnenden Monsunregen.

"Viele Nepalesen haben Angst, dass sie durch massive Erdrutsche wieder von der internationalen Hilfe abgeschnitten werden könnten", sagte Maike Röttger, Geschäftsführerin des Kinderhilfswerks Plan International, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Notversorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Medikamenten sei vor allem in den entlegenen Gebirgsregionen noch längst nicht abgeschlossen und könne bis Ende August dauern, sagte Röttger nach einem einwöchigen Besuch in dem besonders schwer getroffenen Distrikt Sindhupalchowk.

"Die Menschen versuchen, ihr Überleben zu sichern", berichtete die Plan-Chefin. Ihnen stehe die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. In vielen Dörfern seien die Häuser fast zu hundert Prozent zerstört worden, auch die Vorräte und das Saatgut seien durch das Beben verschüttet worden. "Die Menschen leben in Zelten und Wellblechhütten oder sind zu Verwandten gezogen." Erst in drei Monaten, wenn der Monsun vorbei sei, könne mit dem Wiederaufbau begonnen werden.

Besonders von dem Beben betroffen seien die Kinder. "Viele von ihnen sind traumatisiert", sagte Röttger. Damit sie das Schreckliche, was sie erlebt haben, besser verarbeiten können, habe das Kinderhilfswerk elf kinderfreundliche Bereiche in der Region aufgebaut, wo sie mit Experten über ihre Erlebnisse sprechen können.

"Wir befürchten, dass Mädchen verschleppt werden könnten, um in Bars und Bordellen zu arbeiten", sagte die Plan-Chefin. Jedes Jahr würden in Nepal 10 000 bis 15 000 Mädchen ins Ausland verschleppt. In einer Notsituation wie dieser sei die Gefahr jedoch noch viel größer. Es könne auch wieder zur Versklavung von Kindern kommen, meinte Röttger.

Am 25. April hatte ein Beben der Stärke 7,8 die Himalaya-Region erschüttert - es war das stärkste seit mehr als 80 Jahren in Nepal. Seither kam es immer wieder zu Nachbeben. Fast 9000 Menschen starben.

Plan zu Nepal

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Erdbeben auf Ischia: Weiteres verschüttetes Kind gerettet
Die Retter kämpfen gegen die Zeit: Auf der Insel Ischia in Italien versuchen sie nach einem Erdbeben verschüttete Kinder zu bergen. Derweil fragen sich viele, wie ein …
Erdbeben auf Ischia: Weiteres verschüttetes Kind gerettet
Trotz Tempo 251: Gestochen scharfes Blitzerfoto
Statt mit erlaubten 120 Stundenkilometer war ein Autofahrer bei Dessau mit Tempo 251 unterwegs und wurde geblitzt. Das Foto war trotz der hohen …
Trotz Tempo 251: Gestochen scharfes Blitzerfoto
Spezialtaucher suchen vermisste US-Seeleute vor Singapur
Nach dem Schiffsunglück vor Singapur wird über die Ursache weiter gerätselt. Die US-Marine sucht jetzt auch mit Spezialtauchern nach Vermissten - von zehn Soldaten fehlt …
Spezialtaucher suchen vermisste US-Seeleute vor Singapur
Erdbeben auf Urlaubsinsel Ischia: Kind aus Trümmern gerettet
Es ist mitten in der Hochsaison, die italienische Insel Ischia voller Touristen. Da erschüttert sie ein Erdbeben. Panik kommt auf. Es gibt auch Opfer. Die Retter bemühen …
Erdbeben auf Urlaubsinsel Ischia: Kind aus Trümmern gerettet

Kommentare