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Der Tatort in Hohenschönhausen: Hier wurde der 47-jährige Präsident der Berliner Ortsgruppe der Hells-Angels-Rocker "Nomads", angeschossen.

Aus Rache

Anschlag auf Hells-Angels-Chef war Auftragsmord

Berlin - Der Mordanschlag auf den Präsidenten der Berliner Hells-Angels-Ortsgruppe Nomads im Juni ist offenbar von einem ehemaligen Führungsmitglied der Gruppe angeordnet worden.

Aus Rache soll der 51-jährige Tatverdächtige die Tötung des 47-Jährigen in Auftrag gegeben haben, wie Oberstaatsanwalt Jörg Raupach am Mittwoch sagte. Dazu soll er einen weiteren Tatverdächtigen, einen 63-Jährigen, angestiftet haben.

Beide Männer wurden am frühen Mittwochmorgen von Spezialkräften der Polizei in ihren Wohnungen in Wilmersdorf und im brandenburgischen Altlandsberg bei Berlin festgenommen. Ein dritter Tatverdächtiger ist flüchtig. Bei ihm soll es sich um den mutmaßlichen Schützen handeln. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass er sich in Osteuropa aufhält.

Der 47-jährige Präsident der Ortsgruppe der Nomads war im Juni auf offener Straße vor dem Klubheim „Germanenhof“ in Hohenschönhausen aus nächster Nähe niedergeschossen und lebensgefährlich verletzt worden. Nun sei sicher, dass interne Auseinandersetzungen das Motiv für die Tat lieferten.

Der 51-jährige Festgenommene stehe im Verdacht, den Mord beauftragt zu haben, um seine alte Machtposition bei den Nomads zurückzuerlangen, sagte Raupach, der die Task Force Rocker leitet. Die Ermittlungsgruppe war als Reaktion auf den Anschlag und die anhaltenden Auseinandersetzungen im Berliner Rockermilieu gegründet worden.

Funkzellenabfrage brachte Polizei auf Spur der Täter

Der 51-Jährige soll demzufolge selbst einst Präsident der Nomads gewesen sein. Er sei vor einiger Zeit „unehrenhaft“ entlassen worden, berichtete der Oberstaatsanwalt. Um sich seine alte Position bei den Nomads zurück zu holen, beauftragte er den 63-Jährigen und den noch flüchtigen Tatverdächtigen mit dem Mord. Für die Tat habe der Schütze eine Geldsumme in unbekannter Höhe erhalten, sagte Raupach.

In den frühen Morgenstunden des 10. Juni seien der 63-Jährige und der flüchtige Schütze am Tatort gewesen. „Das hat eine Funkzellenabfrage ergeben“, sagte Michael von Hagen, Leiter der Abteilung für Kapitaldelikte bei der Staatsanwaltschaft. Gemäß der Absprache habe der flüchtige Auftragsmörder fünf Schüsse auf das 47-jährige Opfer abgegeben. Vier Schüsse trafen den Mann. Die Täter flüchteten.

Durch „umfassende und akribische Ermittlungen“ sei die Task Force auf ihre Spur gekommen. Gegen die Männer wurden Haftbefehle wegen Anstiftung zum Mord beziehungsweise versuchten Mordes erwirkt.

Die Festnahmen erfolgten auch, weil sich eine „besondere Gefährdungslage“ ergeben habe, sagte Raupach. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der 51-Jährige ebenfalls Ziel einer Racheaktion hätte werden können, weil für den Auftragsmord nicht die vollständige Summe bezahlt worden sein soll. Zum genauen Aufenthaltsort des Schützen wollte die Staatsanwaltschaft aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen.

Unmittelbar nach der Tat hatten sich die Hells Angels selbst zu dem Vorfall geäußert. Ein Sprecher der Rocker dementierte damals, dass es sich um eine interne Auseinandersetzung handelte.

dapd

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