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Ungeklärte Hepatitisfälle bei Kindern - Forscher wäre „überrascht“, wenn Corona nichts damit zu tun hat

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Von: Yasina Hipp

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Kind im Krankenhaus
Aus 20 verschiedenen Ländern meldete die WHO zuletzt Fälle von Kindern mit Hepatitis. © IMAGO/moodboard/YAY images

In den vergangenen Wochen sind weltweit zahlreiche Fälle rätselhafter Hepatitis bei Kindern aufgetaucht. Ein schwedischer Wissenschaftler stellt nun eine Hypothese auf.

Solna/München - Einige hundert Kinder im Vereinigten Königreich, Europa, den USA, Israel und Japan erlitten in den zurückliegenden Wochen mysteriöser Hepatitis-Erkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtete bereits von 348 betroffenen Kindern in 20 verschiedenen Ländern (Stand: 11. Mai). Dennoch ist die Herkunft der Erkrankung noch ungeklärt. Nicht nur WHO-Experten haben bereits einen Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Coronavirus in den Raum gestellt, sondern auch der schwedische Immunologe Petter Brodin sieht in Corona eine mögliche Ursache.

Hepatitis-Erkrankungen: Möglicherweise Corona-Superantigen beteiligt

Im Gespräch mit Spiegel sagt Brodin: „Ich wäre überrascht, wenn Sars-CoV-2 nichts mit den aktuellen Hepatitisfällen zu tun hätte“. Denn obwohl nur in elf Prozent der Fälle, bei denen Daten vorliegen, eine Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen wurde, ist sich Brodin sicher, dass zurückgebliebene Coronaviren im Darm eine Rolle spielen. In der Fachzeitschrift The Lancet Gastroenterology & Hepatology veröffentlicht der schwedische Forscher nun seine Hypothese. Eine Corona-Infektion könne demnach zur Bildung eines „viralen Reservoirs“ im Magen-Darm-Trakt der Kinder führen. Dieses Reservoir könne wiederum wiederholt virale Proteine freisetzen, die, wenn sie vom Darm ins Blut gelangen, eine Immunreaktion auslösen. Eine solch wiederholte Reaktion könne schließlich der Auslöser für überschießende, krankhafte Reaktionen der sogenannten T-Zellen sein, also für die Entzündungen.

Hepatitis bei Kindern: Oft wurden Adenoviren nachgewiesen

Viel häufiger als eine Infektion mit dem Coronavirus lag bei den erkrankten Kindern eine Infektion mit Adenoviren vor. Adenoviren sind weit verbreitete Viren, die normalerweise nur leichte Erkrankungen auslösen. Davon gibt es mehr als 50 Typen, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Brodin sieht in den Adenoviren möglicherweise eine Art Verstärker, der durch das Corona-Superantigen ausgelösten Immunreaktion. Brodin fordert nun all seine Kollegen dazu auf, seine Hypothese zu untersuchen, sodass so schnell wie möglich die Ursache für die rätselhafte Erkrankung der Kinder gefunden werden kann.

Mit ersten Ergebnissen rechne er in einem Monat, wenn „jetzt wirklich hart“ daran gearbeitet werde. Einen Zusammenhang der Schutzimpfungen gegen das Virus schließt Petter Brodin eindeutig aus.

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