Eine Krankenschwester in den USA bereitet eine Impfung gegen das Corona-Virus vor
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USA: Eine Krankenschwester bereitet einen COVID-19-Impfstoff an einer Impfstelle vor.

Deutscher Virologe erklärt

Corona-Zahlen sinken weltweit: Herdenimmunität bereits eingetreten? Experte mit erstaunlicher Einschätzung

  • vonElisabeth Urban
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Obwohl die weltweiten Infektionen mit dem Coronavirus weiterhin hoch sind, sinken sie mittlerweile in der vierten Woche in Folge. Wo liegen die Ursachen des Rückgangs?

  • Die Zahlen der weltweiten Neuinfektionen mit dem Coronavirus sinken weiterhin.
  • Der deutsche Virologe Klaus Stöhr erklärte gegenüber ntv.de mögliche Ursachen für den Rückgang der Infektionen.
  • Stöhr warnt gleichzeitig vor vorschnellen Reaktionen auf die sinkenden Zahlen - Maßnahmen seien weiterhin wichtig.

Köln- Die WHO verzeichnet in ihrem wöchentlichen Lagebericht einen Rückgang der Neuinfektionen im weltweiten Durchschnitt um 17 Prozent, auch die neugemeldeten Todesfälle durch das Coronavirus sind um zehn Prozent gesunken - die Prozentangabe ist dabei auf die Zahlen der Vorwoche bezogen. Seit vier Wochen sinken die gemeldeten Neuinfektionen bei den wöchentlichen Berechnungen, die Zahl der weltweit neuen Todesfälle ist nun in der zweiten Woche in Folge gesunken - in der letzten Woche waren es 88.000 neu gemeldete Covid-Tote.

Corona-Neuinfektionen sinken weltweit - liegt es an den Impfungen?

Was sind die Ursachen für den Rückgang von Neuinfektionen im weltweiten Durchschnitt, während in einigen Ländern die Fallzahlen weiterhin stark ansteigen? Die anlaufenden Impfungen können noch nicht als Grund für die Rückgänge genannt werden, dafür ist der Anteil der geimpften Weltbevölkerung noch deutlich zu gering - gerade einmal 0,24 Prozent aller Menschen weltweit sind geimpft, die verfügbaren Impfdosen sind zudem global sehr ungleich verteilt.

Coronavirus weltweit: Sinkende Corona-Zahlen - Einschätzung von Virologe Klaus Stöhr

Der deutsche Epidemiologe und Virologe Klaus Stöhr zieht im Interview mit ntv.de einen Vergleich zu den Ausbruchswellen während der Influenza Pandemien 1957 und 1968 - auch hier habe es „Ausbruchswellen, die eine Länge von zehn bis zwölf Wochen haben und dann zurückgehen“ gegeben. Die geringe Mobilität durch die Lockdowns in einigen Ländern und eine fortgeschrittene Immunisierung der Bevölkerung kann sich Stöhr, der erst vor kurzem Kritik an der Corona-Strategie der deutschen Regierung äußerte, als Ursache für den Rückgang vorstellen.

Coronavirus: Virologe vermutet Herdenimmunität in den USA

Die fortgeschrittene Immunisierung der Bevölkerung, die auch gerne als Herdenimmunität bezeichnet wird, könnte, so Stöhr gegenüber dem Nachrichtenportal, beispielsweise in den USA der Fall sein. Eigentlich müssten für eine Herdenimmunität 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung durch eine bereits überstandene Infektion oder eine Impfung immun sein - in den USA liegt dieser Anteil gerade einmal offiziell bei etwa elf Prozent aller Bürger.

Coronavirus in den USA: Dunkelziffer als mögliche Erklärung für Herdenimmunität

Laut Stöhr könnte trotzdem eine Herdenimmunität vorliegen: Einige Studien beschäftigen sich mit den Dunkelziffern während der Pandemie, also damit, wie viele Menschen vermutlich infiziert waren, ohne als erkrankt registriert zu sein. Diese Fälle sind dann in den Berechnungen beispielsweise zur Immunisierung nicht mit einbezogen. Stockt man die Zahlen der Immunisierung durch Erkrankung in den USA um die vermuteten Dunkelziffer-Fälle auf, wird eine mögliche Herdenimmunität schon realistischer.

Die aktuellen Infektionszahlen würden dafür sprechen: Die Vereinigten Staaten von Amerika liegen zwar immer noch vor Europa auf Platz eins der weltweiten Neuinfektionen mit dem Virus, die Zahl der gemeldeten Fälle ist aber seit Anfang Januar deutlich zurückgegangen - insgesamt um rund 60 Prozent. 

Coronavirus in Deutschland: Warum die Maßnahmen weiter wichtig sind

Eine Herdenimmunität ist laut Stöhr in Deutschland durch die strikten Maßnahmen gegen eine Verbreitung des Virus allerdings nicht gegeben. Die weltweit sinkenden Zahlen dürften also auf keinen Fall vorschnell freudig interpretiert werden. Stöhr sieht die bisherigen Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und AHA+L-Regeln weiterhin als notwendig an, um das Virus im Zaum zu halten - das mittlerweile außerdem mehrfach Mutationen ausgebildet hat, die sich weltweit ausbreiten. (eu)

Einige Bundesländer hatten sich im Januar Klaus Stöhr als Experten bei Beratungen zu den Corona-Maßnahemen gewünscht - jedoch erfolglos.

Wissenschafts-Youtuberin und Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim erklärt in einem Video mehr zum Thema Herdenimmunität und den Impfungen in Deutschland.

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