1. Startseite
  2. Welt

Herzmuskelentzündung nach Corona-Impfung? Studie schafft Fakten

Erstellt:

Von: Martina Lippl

Kommentare

Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen nach einer Corona-Impfung sind selten, kommen aber vor.
Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen nach einer Corona-Impfung sind selten, kommen aber vor. © Stefan Klein/imago

Wie oft kommt eine Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung als Folge einer Corona-Impfung tatsächlich vor? Forscher gingen dieser Frage nach und werten Daten über 400 Millionen Impfungen aus.

Singapur – Nach einer Covid-19-Impfung können Nebenwirkungen auftreten. Eine Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung als Folge einer Corona-Impfung sind zwar äußerst selten, kommen aber vor. Erste Fälle wurden im Frühjahr 2021 aus Israel bekannt, es folgten Untersuchungen in den USA und anderen Ländern.

Ein Forscherteam hat nun analysiert, wie oft diese Nebenwirkung tatsächlich bei einer Corona-Impfung auftreten und ob sie häufiger als bei anderen Vakzinen auftaucht. Dafür werteten die Wissenschaftler internationale Studien aus, bei der Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen als mögliche Impfnebenwirkung im Fokus standen. Insgesamt 22 Studien mit Daten von rund 405 Millionen Impfungen untersuchte das Team um Kollengode Ramanathan vom National University Hospital in Singapur.  

Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen in Folge einer Covid-Impfung

Die Ergebnisse, veröffentlicht im Fachblatt The Lancet Respiratory Medicine, bestätigen zunächst, was schon vorherige Arbeiten zu Covid-19-Impfstoffen zeigten: Das Gesamtrisiko einer Myokarditis nach einer Covid-19-Impfung ist gering. Jüngere Männer haben jedoch ein erhöhtes Risiko, insbesondere nach einer Impfung mit den beiden mRNA-Impfstoffen von Biontech oder Moderna.

Auf eine Million Covid-Impfungen mit mRNA-Impfstoffen kamen rund 23 Fälle von Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen, bei anderen Corona-Impfstoffen waren es rund acht Fälle. Auf alle Corona-Impfungen übertragen waren es im Durchschnitt 18 Fälle pro eine Millionen Impfungen.

Myokarditis nach Corona-Impfung: Erste und zweite Dosis macht einen Unterschied

Zudem stellte das Forscherteam einen Unterschied zwischen der ersten und zweiten Impfung fest. Bemessen auf eine Million Impfungen, gab es nach ihrer Analyse sieben Fälle nach der Erstimpfung und 31 Fälle nach der zweiten Dosis.

Nebenwirkung einer Corona-Impfung: Risiko einer Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung bei jüngeren Männern

Unterschiede bei der Häufigkeit der Nebenwirkungen gab es auch beim Geschlecht und in den Altersgruppen. So waren besonders Männer unter 30 Jahren betroffen. Bei den Männern unter 30 Jahren kamen rund 60 Fälle auf eine Million Impfdosen. Bei den Frauen unter 30 Jahren waren es rund fünf Fälle.

Häufigkeit einer Myokarditis im Vergleich mit anderen Impfstoffen

Nebenwirkungen sind auch von anderen Impfstoffen bekannt. Bei Impfungen gegen Influenza oder Pocken wurden Komplikationen von Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen beobachtet. Die Forscher verglichen in ihrer Arbeit, wie häufig Myokardien bei anderen Impfstoffen gegen Grippe, Windpocken, Masern, Mumps, Röteln, Hepatitis oder Typhus vorkamen. Das Ergebnis: Im Schnitt stellten die Wissenschaftler 33 Fälle pro eine Million Impfdosen fest.

„Bemerkenswerterweise war die spezifische Inzidenz einer Myokarditis nach einer Pockenimpfung signifikant höher als nach einer Covid-19-Impfung“, heißt es in der Studie. Das Risiko einer Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung nach einer Influenza-Impfung und anderen Impfungen sei ähnlich wie bei einer Corona-Impfung. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass die Studien über Pockenimpfungen hauptsächlich bei US-Militärangehörigen durchgeführt wurde, von denen die meisten junge Männer waren. Das könnte die erhöhte Inzidenz von Mykarditis bei den Pockenimpflingen erklären.

Das Risiko einer Myokarditis nach einer Corona-Impfung im Vergleich zu anderen Impfstoffen ist keinesfalls besonders hoch. Das Ausmaß der weltweiten Massenimpfung und die verstärkte Überwachung könnten für die vermehrten Meldungen von unerwünschten Nebenwirkungen in Verbindung mit einer Corona-Impfung geführt haben, folgern die Forscher.

„Diese Ergebnisse sind wichtige Ergänzungen zur Debatte bei der Abwägung der Risiken und Vorteile der Covid-19-Impfung während dieser Pandemie“, fassen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse zusammen. Nutzen und Risiken einer Covid-Impfung sollten immer angemessen abgewägt werden. Eine Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung in Folge einer Corona-Impfung zu erleiden sei deutlich geringer, als im Vergleich zu einer Covid-Infektion – auch bei jüngeren Menschen. FC-Bayern-Star Alphonso Davies musste wochenlang wegen einer Herzmuskelentzündung pausieren.

Wann ist die Corona-Pandemie vorbei? Geht eine Pandemie überhaupt einmal zu Ende? Die Spanische Grippe oder die Pocken zeigen, was wir aus der Geschichte gelernt haben.(ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare