Im hessischen Dietzenbach

Nächtliche Krawalle: 50 Angreifer aus „Problemviertel“ attackieren Polizisten - War es ein Racheakt?

Die Einsatzkräfte wurden wegen eines Feuers gerufen - und dann mit Steinen attackiert. Die Polizei geht von einem Hinterhalt aus.

  • Etwa 50 Männer haben in Hessen mutmaßlich Feuer gelegt - wohl, um Polizisten in einen Hinterhalt zu locken.
  • Anschließend attackierten die Angreifer die Beamten mit Steinen.
  • Die Polizisten mussten Verstärkung und Schutzausrüstung anfordern.

Update vom 29. Mai, 19.40 Uhr: Die drei festgenommen Tatverdächtigen sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß, wie op-online* berichtet. Weitere mutmaßliche Täter konnten nicht gefasst werden. Es wird davon ausgegangen, dass etwa 50 Personen an der Attacke auf die Einsatzkräfte beteiligt waren. Dabei soll es sich ausschließlich um Männer handeln.

Dietzenbach/Hessen: 50 Angreifer aus „Problemviertel“ attackieren Polizei - Racheakt möglich

Update vom 29. Mai, 17.34 Uhr: Die Hintergründe der Anschläge auf Polizisten sowie Feuerwehr- und Rettungskräfte im hessischen Dietzenbach sind weiterhin unklar, ein Racheakt scheint jedoch möglich (siehe Update um 14.21 Uhr). Der Tatort, eine triste Aneinanderreihung riesiger grauer Gebäudekomplexe, soll in der Vergangenheit immer wieder negativ aufgefallen zu sein. Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung galt das Viertel einst als „problematischer sozialer Brennpunkt.“

Derzeit sollen mehr als 3.200 Menschen aus etwa 80 Nationen in den Wohnblocks leben, darunter viele sozial schwache Familien mit geringem Einkommen.

Wie op-online.de* berichtet, hat der heimtückische Angriff der Sozialarbeit im Viertel letztlich geschadet. Erster Stadtrat und Sozialdezernent Dr. Dieter Lang sei „zutiefst betroffen, weil das was in den letzten Jahren durch Sozialarbeit, Integrationsarbeit und Quartiersmanagement aufgebaut und erfolgreich umgesetzt worden ist, beschädigt wurde“.

Oliver Quilling, Landrat von Offenbach hat die Tat währenddessen aufs Schärfste verurteilt: „Attacken auf Polizistinnen und Polizisten sowie Feuerwehrleute sind völlig inakzeptabel“, wird der CDU-Politiker in einer Pressemitteilung zitiert.

Dietzenbach/Hessen: Attacke auf Polizisten ein Racheakt?

Update vom 29. Mai, 14.21 Uhr: War die 50-Mann-Attacke auf Polizisten in Hessen ein Racheakt für einen früheren Polizei-Großeinsatz? Beamte hatten Anfang der Woche in mehreren Kellern eines Hochhauses in Dietzenbach unter anderem mehr als 200 Fahrräder sichergestellt, mutmaßlich Diebesgut

„Es ist nicht völlig ausgeschlossen, dass es am Ende einen Zusammenhang gibt zu Straftaten, die vorher begangen worden sind und wo es eine entsprechende Polizeiaktion gegeben hat“, sagte Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) am Freitag in Wiesbaden. Einzelheiten müssten aber erst noch ermittelt werden. Auf einen politischen Hintergrund der Übergriffe gebe es keine Hinweise.

Hinterhalt für Retter? 50 Angreifer gehen auf Polizisten und Feuerwehrleute los - „Das war vorbereitet“

Erstmeldung vom 26. Mai: Dietzenbach - Die Rettungskräfte gehen davon aus, in einen Hinterhalt gelockt worden zu sein: Etwa 50 Angreifer haben im hessischen Dietzenbach Polizisten und Feuerwehrleute mit Steinen attackiert. 

Sie waren in der Nacht zum Freitag zuvor zu einem Feuer gerufen worden - offensichtlich waren ein Bagger und Mülltonnen aber absichtlich in Brand gesteckt wurden, teilte die Polizei in Offenbach mit. Anwohner hatten gegen Mitternacht die Brände gemeldet.

Gewalt gegen Polizisten in Hessen: „Feuer wurde nur gelegt, um anzulocken“

„Wir gehen davon aus, dass die Feuer nur gelegt wurden, um die Einsatzkräfte anzulocken“, sagte ein Polizeisprecher der dpa. Offensichtlich handelte es sich um eine vorbereitete Aktion, denn es konnten zurechtgelegte Steinhaufen ausgemacht werden, heißt es in der Polizeimitteilung. Die Polizei forderte daraufhin weitere Unterstützung an - unter anderem einen Hubschrauber.

Überreste der Attacke auf Polizisten: Löschschaum am Tatort in Dietzenbach in Hessen.

Attacke auf Polizei in Hessen: Sachschaden von mindestens 150.000 Euro

Durch „starke Kräfte“ konnten sie die Lage gegen 2 Uhr nachts beruhigen, den Hubschrauber abziehen und die Brände löschen. Mehrere Einsatzfahrzeuge wurden beschädigt. Den Sachschaden bezifferten die Beamten „nach vorsichtigen Schätzungen“ auf mindestens 150.000 Euro. Über verletzte Einsatzkräfte wurde zunächst nichts bekannt.

Drei Tatverdächtige wurden festgenommen. Zwei davon störten den Einsatz und ignorierten einen Platzverweis, der Dritte war mutmaßlich an den Steinwürfen beteiligt.

50 Angreifer attackieren Polizei in Hessen - Landesregierung äußert sich

Der Vorfall sorgte landesweit für Entsetzen. Die Landesregierung Hessen reagierte prompt auf Twitter. Innenminister Peter Beuth (CDU) verurteilte die Angriffe aufs Schärfste. „Wir brauchen eine klare Antwort des Rechtsstaats: Wer Einsatzkräfte angreift, gehört in den Knast und darf nicht mit einer Geldstrafe davonkommen“, erklärte der Politiker.

Gewalt gegen Polizisten: „Das beobachten wir schon länger“

Hinterhalte gegen Einsatzkräfte sind nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei kein Einzelfall. „Das beobachten wir schon länger“, sagte der hessische Gewerkschafts-Landesvorsitzende, Andreas Grün, am Freitag der dpa

Dass gleich eine Gruppe von rund 50 Angreifern Beamte attackieren, sei allerdings nicht alltäglich. Auch Grün zufolge war es beabsichtigt, die Beamten massiv anzugreifen. „Das war vorbereitet.“ Es sei Glück gewesen, dass niemand verletzt wurde.

AFP/dpa/frs

*Merkur.de und op-online.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Frank Rumpenhorst

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