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Die Silhouette von einem Mädchen, das vor dem Vollmond mit einem Smartphone fotografiert.

Fakten für Mondgläubige

Heute Supermond: Welche Macht hat der Mond wirklich über uns?

München - Am heutigen Montag ist wieder Supermond. Abgesehen vom Himmelsphänomen: Welche Macht hat der Mond wirklich über uns? Der Faktencheck für Mondgläubige.

Heute ist Mondtag. Nein, das ist kein Tippfehler. Der Mond hat am heutigen Montag, 14. November 2016, eine überragende Bedeutung: Es gibt ein Himmelsspektakel! So nah war uns der Mond seit 68 Jahren nicht mehr. So narrisch groß, so hell, so wunderschön! Der Erdtrabant durchläuft den erdnächsten Punkt seiner Umlaufbahn. Ist dabei auch noch Vollmond – wie heute –, heißt das dann Supermond. Weil er um 14 Prozent größer erscheint als ein erdferner Vollmond. Das entspricht im Verhältnis etwa dem Unterschied zwischen einem Ein- und einem Zwei-Euro-Stück. Dadurch strahlt der Mond heute auch um 30 Prozent heller!

Die Vollmondphase beginnt heute übrigens exakt um 14.52 Uhr. Nur drei Stunden zuvorkommt der Supermond mit nur 356.509 Kilometern Distanz in extreme Erdnähe. Noch näher war er am 4. Januar 1912, als er bis auf 356.375 Kilometer an die Erde herankam

Hat das Folgen für die Menschen? Immerhin glauben 92 Prozent der Deutschen an den Einfluss des Mondes auf ihr Leben, ergab eine Forsa- Umfrage. Und: Die meisten Mondgläubigen leben laut Soziologe Edgar Wunder in Süddeutschland. Im Norden ist der Mond-Glaube weniger verbreitet, und im Osten wimmelt es nur so von Mond-Atheisten.

Schlafen wir bei Vollmond schlechter als sonst?

Man wälzt sich im Bett und bekommt kein Auge zu. Wer ist schuld? Der Vollmond natürlich. Das glauben 39 Prozent der Deutschen. Falsch, sagt Schlafforscher Jürgen Zulley aus Regensburg. „Es ist wissenschaftlich gut belegt, dass die Mondphasen keinen Einfluss auf die Schlafqualität haben.“ Eine Erklärung für Schlafstörungen bei Vollmond könnte die Helligkeit sein, ein Störfaktor für den Schlaf. Allerdings braucht es 2500 Lux, um einen Menschen beim Schlafen zu stören. Bei Vollmond wurde eine Helligkeit von nur 0,2 Lux gemessen.

Zulley spricht von selbsterfüllender Prophezeiung: „Ich gehe davon aus, dass ich bei Vollmond schlechter schlafe – also bin ich angespannt und schlafe tatsächlich schlecht.“ Außerdem spiele die selektive Wahrnehmung eine Rolle: „Die schlaflosen Nächte, in denen der Mond geschienen hat, merkt man sich eher.“

Sind Schlafwandler mondsüchtig?

Nein. Der Mythos ist wissenschaftlich widerlegt. Er stammt aus Zeiten, als der Mond nachts die hellste Lichtquelle war. Man glaubte, Schlafwandler würden sich an ihm orientieren und dafür auf Dächer oder Schornsteine klettern. Daher die Bezeichnung „Mondsüchtigkeit“ (Lunatismus).

Hat der Mond Einfluss auf die Gezeiten?

Und wie. Das Heben und Senken der Wasseroberfläche auf der sich drehenden Erde wird vor allem durch die Anziehungskraft des Mondes bestimmt. GerhardHofmannvom Deutschen Wetterdienst (DWD) in München: „Wenn er über den Weltmeeren steht, kommt es zu Wellen im Ozean, die die Gezeiten auslösen.“

Heulen Wölfe den Mond an?

Nein. Dieser Mythos ist dadurch entstanden, dass Wölfe in mondhellen Nächten einfach besser zu sehen sind. Sehr mondhell sind die Nächte aber im späten Winter – und dann heulen Wölfe besonders oft, um soziale Kontakte zu knüpfen: Im Februar und März beginnt die Paarungszeit. Hinzu kommt: Kalte Luft trägt den Gesang der Tiere weiter, erklärt Manfred Wölfl vom Bayerischen Wildtiermanagement im Landesamt für Umwelt.

Beeinflusst der Mond die Landwirtschaft?

Das ist umstritten. Nach dem Mond richten sich viele Gärtner und Landwirte, die zum Öko-Verband Demeter gehören. Grundlage: Der Saatkalender von Maria Thun. Sie gilt als Pionierin des Pflanzenanbaus im Einklang mit kosmischen Kräften. Die Theorie: Mit aufsteigendem Mond wandert der Saft in die oberen Pflanzenteile. Jetzt sollen oberirdische Pflanzen geerntet und Unkraut bekämpft werden.

Gepflanzt wird bei absteigendem Mond. Er unterstützt die Wurzeln, weil sich der Saft dorthin zurückzieht. Die beste Zeit, um Pflanzen zu düngen und für Schneide- und Fällarbeiten. Die Vollmond-Zeit eignet sich auch gut zum Düngen, die Phase zunehmenden Mondes nicht. Beispiel: Karotten sollen nach der Aussaat vor Vollmond besonders gute Erträge bringen und optimal lagerfähig sein. Kartoffeln indes wachsen nicht optimal, wenn man sie vor Vollmond aussät. Den Neumond soll der Landwirt nutzen, um kranke Pflanzen zu pflegen. Wichtig bei all dem: Aufs Wetter kommt es an.

Beeinflusst der Mond das Wetter?

„Nein“, sagt Hofmann vom DWD. „Er verursacht in der Atmosphäre zwar Druckschwankungen – ähnlich wie bei Ebbe und Flut. Jedoch sind sie geringer als ein Hectopascal. Zum Vergleich: Die täglichen Luftdruckschwankungen erreichen 20 bis 30 Hectopascal.“ Bei uns liegt der Luftdruck bei rund 1015 Hectopascal. Der Mond kann das Wetter also gar nicht beeinflussen. „Viele Menschen denken nur, bei Vollmond ist es schöner, weil man ihn bei wolkigem Wetter nicht sieht.“

Ist Mondholz besser?

Trocken, rissfrei, wetterbeständig soll es sein. Auch Fäulnis und Insekten können ihm nichts anhaben, heißt es. Als „Mondholz“ wird im Volksmund Holz bezeichnet, das in bestimmten Mondphasen geschlagen, dann langsam und natürlich getrocknet wird. Matthias Thiel, Sägewerks-Besitzer in Rheinland-Pfalz, erklärt: „Wenn der Mond abnimmt, sinkt der Grundwasserspiegel, Wasser wird aus dem Baum gezogen.“ Stimmt nicht, widerspricht Claus-Thomas Bues, Professor für Forstnutzung an der TU Dresden. „Wir haben in Studien nichts nachweisen können, was die höhere Qualität des Mondholzes bewiesen hätte.“ Forscher in der Schweiz und Österreich pflichten ihm bei. Trotzdem schwören einige Hersteller und Kunden auf das – deutlich teurere – Mondholz.

Ist der Mond gut oder böse?

Dazu ist viel Unfug im Umlauf. Die Universalgelehrte Hildegard von Bingen schreibt dem Mond gute und böse Kräfte zu. Der Mond habe zum Beispiel heilende Wirkung. Doch würden Buben, die kurz nach Vollmond gezeugt wurden, schwachsinnig. Alles Quatsch.

Das Gleiche gilt für die Mär, dass sich manche Menschen bei Mond in Werwölfe verwandeln. Eine besondere Theorie dazu hat der schwedische Geistliche Olaus Magnus (1490 bis 1557) in seiner „Geschichte der nördlichen Völker“. Im Norden gebe es Menschen, die sich bei Vollmond in Wölfe verwandeln. Sie würden in Häuser einbrechen und Vorräte stehlen. Einmal im Jahr messen sie ihre Kräfte, indem sie über eine hohe Mauer springen. Wer dafür zu dick sei, werde verhöhnt.

„Wer bei Mondschein näht, näht sein Sterbekleid.“ Stimmt das?

Natürlich nicht. Dieser Mythos stammt aus dem Oldenburgischen. So steht es im „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“, das 1927 bis 1945 in zehn Bänden erschienen ist. Das Buch kennt noch mehr solcher Mythen: „Im Mondschein darf man nicht spinnen, denn solches Garn hält nicht, und die Spinnerin spinnt für ihr Kind einen Strick (Oberpfalz) oder der spinnt die Leinwand zu ihrem Leichentuch (Bayern).“ Die Erklärung: Der beleidigte Mond wünscht jedem den Tod, der in seinem Licht arbeitet, statt eine Lampe anzuzünden.

Wer ist der Mann im Mond – und warum ist er keine Frau?

Der Mann im Mond ist kein Mensch. Er ist ein Tier – und zwar ein Hase. Peter Stättmayer Chef der Bayerischen Volkssternwarte in München, erklärt das mit Figuren im Mond: Legt der Betrachter bei Vollmond den Kopf weit nach rechts,kann er im Mond einen Hasen mit langen Löffeln erkennen – mit ein wenig Fantasie.

Ob der Mond männlich oder weiblich ist, wurde früher je nach Volk unterschiedlich gesehen. Die Griechen und Römer verehrten die Mondgöttinnen Selene und Luna. Helios und Sol dagegen – Sonnengötter. Bis heute ist in den romanischen Sprachen der Mond weiblich, die Sonne männlich. Anders bei den Deutschen. In der nordischen Mythologie ist Sol eine Frau. Und ihr Bruder steuert das Mondgefährt. Sein Name: Mani.

Seit wann gibt es Mondkalender?

Schon ewig. Die Alten Ägypter, bei denen sie erstmals um 3000 v. Chr. erwähnt werden, hatten sogar zwei. Der eine zeigte die Himmelsfeste an: Neumond, Vollmond, Auferstehung des Himmelsgottes Horus. Der andere ist ein bürgerlicher Mondkalender, der die Nilschwemme berücksichtigt.

Beeinflusst der Mond das Haareschneiden?

Wenn es nach Armin Burkart geht: Ja. Auf seinem Online-Magazin „Friseur.com“ betreibt er einen Mondkalender – für die Planung, wann der beste Tag für den Friseurbesuch ist. Alles Aberglaube? Burkart behauptet: Wer sich schnell wachsendes Haar wünscht, sollte bei zunehmendem Mond zum Schnippeln gehen, besser noch: wenn der Termin direkt nach Neumond oder kurz vor dem Vollmond liegt. Wer keine rasant wachsende Haarpracht will, soll bei abnehmendem Mond kommen.

Vorsicht an Tagen im Sternzeichen Fisch: Die Haare könnten – schuppen! Am Sonntag steht im Mondkalender zum Glück der Vollmond im Steinbock. Eine gute Kombi für Haarmasken. Klar ist: Forschung darüber, ob der Mond den Haarwuchs beeinflusst, gibt es keine.

Werden bei Vollmond mehr Babys geboren?

Diesen Aberglauben wollte Oliver Kuß von der Universität Halle 2008 ein für alle Mal aus der Welt schaffen: Mehr als vier Millionen Geburten zwischen 1966 und 2003 in Baden-Württemberg hat er analysiert. Ergebnis: Der Mond hat keinen Einfluss auf die Zahl der Geburten. Und woher kommt der Aberglaube? Das Zusammentreffen von zwei Ereignissen wie „Vollmond“ und „viele Geburten“ ist schuld: Es bleibt einfach länger im Gedächtnis.

Gehen OPs bei Vollmond öfter schief?

Nein. Thomas Poppe, Autor vieler Mond-Bücher, rät zwar: „Legen Sie den Termin, wenn es irgendwie geht, auf den abnehmenden Mond.“ Die Blutung sei nicht so stark, die Heilung verlaufe schneller. Nur: Der Soziologe Edgar Wunder von der Uni Heidelberg hat eine Studie gemacht. 228 Patienten, denen eine Knie- und Hüftprothese eingesetzt wurde, nahmen teil. Das Ergebnis: Es wurde kein Einfluss der Mondphasen nachgewiesen.

Hilft der Mond bei Diät oder Hausbau?

Eine bekannte These: Alles, was zunehmen soll, tue man bei zunehmendem Mond – den Bau eines Hauses beginnen oder Geld anlegen, kreative Ideen umsetzen, einen Garten anlegen, sich der Schönheitspflege widmen. Alles, was aber abnehmen soll, tue man bei abnehmendem Mond. Wäsche waschen (der Schmutz nimmt ab), Schuhe putzen, Parkettböden schrubben – oder mit einer Diät anfangen.

Daran mag man glauben oder nicht. Manchmal versetzt der Glaube ja Berge. Diät etwa: „Bei zunehmendem Mond sollte man kürzertreten und Dinner- Cancelling betreiben“, rät Autor Poppe. Also aufs Abendessen verzichten. Nahrung verwandele sich dann leichter in Übergewicht als bei abnehmendem Mond. Wer Ernährungsberater fragt, erntet eher Kopfschütteln.

Von Teresa Pancritius und Alessandro Capasso

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