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«Hilf mir, es ist dringend.»

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- Bagdad/Paris - Zwei Monate nach ihrer Entführung im Irak hat die französische Journalistin Florence Aubenas per Video einen verzweifelten Hilferuf ausgesandt. Die Geisel rief in dem am Dienstag von mehreren Fernsehsendern ausgestrahlten Band den umstrittenen französischen Abgeordneten Didier Julia dazu auf, sich um ihre Freilassung zu bemühen: «Hilf mir, es ist dringend.»

Derweil nahm die irakische Polizei einen Tag nach dem verheerendsten Anschlag seit dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein in Hilla zwölf Verdächtige fest. Die Zahl der Todesopfer stieg laut Gesundheitsbeamten auf 132. Einige der 124 Verletzten schwebten noch in Lebensgefahr. Die Terrorgruppe von Abu Mussab al-Sarkawi bestritt, hinter der Bluttat zu stecken.

Auf dem Video wirkte die Geisel Aubenas müde, abgemagert und verzweifelt. Sie hatte ein schmutziges Hemd an, die Haare hingen ihr wirr ins Gesicht. Es war das erste Lebenszeichen der Französin, die vor 55 Tagen in Bagdad zusammen mit ihrem Übersetzer Hussein Hanoun verschwunden war. Derweil erklärte Iraks Innenminister Falah al-Nakib nach einem Bericht des italienischem Fernsehens, die vor gut drei Wochen entführte italienische Journalistin Giuliana Sgrena lebe. Details nannte er nicht, um das Leben der Geisel nicht zu gefährden.

Im Fall Aubenas hält es Paris für «nicht wünschenswert», dass der Abgeordnete Julia im Alleingang aktiv wird, er solle sich aber «zur Verfügung der Regierung» halten. Bisher seien «noch keine Forderungen gestellt worden», auch habe es «keinen direkten Kontakt» zu den Entführern gegeben, hieß es im Amt von Premierminister Jean-Pierre Raffarin. Julia sagte, er halte sich «für jede Initiative» bereit.

Julia verlangte von der Regierung in Paris, ihm seine «Handlungsfreiheit» wiederzugeben, die er nach seinen gescheiterten Bemühungen um die Freilassung der Reporter Christian Chesnot und George Malbrunot verloren habe. Die beiden Franzosen waren im August 2004 im Irak entführt worden und am 21. Dezember wieder freigekommen. Die Regierung hatte Julia vorgeworfen, durch eigenmächtige Aktionen die Freilassung der Männer gefährdet zu haben.

Zu dem Anschlag von Hilla tauchte am Dienstag eine Erklärung im Internet auf, in der die Al-Sarkawi-Gruppe ihre Täterschaft zurückwies. Darin hieß es, sie habe südlich von Bagdad einen US- Militärkonvoi angegriffen, aber nicht das Krankenhaus, in dem sich am Montag Freiwillige für den Militär- und Polizeidienst zur Musterung versammelt hatten. Am Montag war im Internet ein Bekennerschreiben im Namen der Terrorgruppe aufgetaucht. Die Echtheit beider Erklärungen konnte nicht überprüft werden.

Die Polizei dementierte Berichte, wonach es sich um mehr als einen Selbstmordattentäter gehandelt habe. «Es war ein einzelnes Auto mit einer großen Menge Sprengstoff», sagte ein Sprecher. Drei Zivilisten starben am Dienstag in Hilla, als sie in ein Gefecht zwischen irakischen Sicherheitskräften und Aufständischen gerieten. Wie die Polizei weiter berichtete, wurden bei einer amerikanisch-irakischen Offensive gegen Aufständische in den ebenfalls südlich von Bagdad gelegenen Ortschaften Musajib und Iskandarija 18 Menschen unter Terrorverdacht festgenommen, darunter drei arabische Ausländer.

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