1. Startseite
  2. Welt

Hilfe für die Opfer kommt nur langsam in Gang

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null

- Brüssel - Behindert die Bürokratie eine rasche Hilfe für die Opfer des Seebebens in Südostasien? Diese Frage bringt EU-Kommissar Louis Michel, sonst eher ein gemütlicher Typ, richtig in Rage. «Bevor man Hilfe leistet, muss man die Bedürfnisse kennen», erwidert der Kommissar.

Das Ausmaß der Not sei aber wegen der enormen Dimension der Katastrophe am Indischen Ozean nur schwer zu ermitteln. Noch am Tag der Flutwelle, als sich die Zahl der Toten und der Umfang der Zerstörung kaum ahnen ließen, stellte die Europäische Kommission 3 Millionen Euro zur Verfügung. Dieser Betrag ist schon ausgegeben. Rasch wurden weitere 30 Millionen Euro bereitgestellt. Dass dieses Geld drei Tage nach dem Tsunami erst zum kleinen Teil verwendet wurde, erklärt Michel mit einer ganzen Reihe von Gründen.

«Wenn man in zehn Ländern zugleich helfen muss, erleichtert das nicht gerade die Arbeit», sagt der Belgier. Mangelnde Verbindungen und die schwere Erreichbarkeit mancher Küstenstriche kommen hinzu. Dass manche EU-Staaten nebeneinander her Hilfsflüge organisierten, sieht der Kommissar dabei nicht als Nachteil: «Ich denke, die Mitgliedstaaten haben sehr schnell reagiert.»

Mehr Probleme bereiten manche Empfängerländer. Während Sri Lanka ausländische Helfer dankbar begrüßt, versucht Indien die Hilfe für seine Küstenregionen zunächst aus eigener Kraft zu organisieren, berichten Michels Mitarbeiter. In Indonesien könnten Mitarbeiter der Hilfsorganisationen nicht einmal Schäden und Hilfebedarf begutachten, weil betroffene Regionen von Rebellen kontrolliert würden.

«Dort lautet die Frage, "Mit wem spricht man wann und worüber?"», sagt ein Vertrauter des Kommissars. 10 Millionen Euro hat Brüssel für Indonesien bereitgestellt, doch wegen der innerstaatlichen Probleme hat davon noch kein Cent die Opfer erreicht. «Wir können diese 10 Millionen derzeit nicht ausgeben», bestätigt Michel: «Erst müssen die Hilfsorganisationen definieren, was damit gemacht werden soll.»

Bei aller Notwendigkeit der Soforthilfe muss die EU-Kommission zudem darauf achten, dass die Steuergelder der EU-Bürger sinnvoll und ordnungsgemäß eingesetzt werden. «Die Haushaltsregeln müssen respektiert werden», mahnt der Kommissar. Zugleich dringt Michel auf rasche Schritte zum Wiederaufbau: «Sonst entsteht dort eine medizinische und wirtschaftliche Wüste.»

Den Menschen in den betroffenen Regionen müsse eine neue Perspektive geboten werden. Ein Frühwarnsystem für Seebeben könnte dabei durchaus Teil eines Aufbauplans mit europäischer Förderung sein, meint Michel. Der Kommissar stellt sich eine europäische Geberkonferenz vor, in der konkrete Hilfezusagen formuliert werden - und zwar lieber in wenigen Wochen als in einigen Monaten.

Nachdenken will der Kommissar über die Einrichtung einer europäischen Task Force zur Hilfe bei derartigen Dramen. Derzeit sind bei ECHO zehn Fachleute mit der Koordinierung befasst, aber jeder Mitgliedstaat hat seine eigene Zuständigkeit. Doch auch die beste Koordinierung kann nach Ansicht Michels die Spanne zwischen einer Katastrophe und der Reaktion darauf nicht völlig abbauen.

Auch interessant

Kommentare