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Hitze-Alarm in Europa: Jetzt trocknen unsere Urlaubsländer aus

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Von: Dominik Göttler

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Rauchschwaden über Rom: Das Feuer war am Montagabend wenige Kilometer vom Vatikan entfernt ausgebrochen
Rauchschwaden über Rom: Das Feuer war am Montagabend wenige Kilometer vom Vatikan entfernt ausgebrochen. © Matteo Nardone/Imago

Waldbrände in Griechenland, leere Stauseen in Spanien, Dürre-Notstand in Italien: Europas Urlaubsregionen kämpfen mit Hitze und Trockenheit. Forscher warnen: künftig wird es noch schlimmer.

Rom/Madrid/Athen – Die Lebensader Norditaliens ist kaum mehr als ein Rinnsal. Seit Monaten ist in der Po-Ebene so gut wie kein Regentropfen gefallen, eine Hitzewelle liegt wie ein dicker Teppich über dem Land. Der Po, Italiens längster Strom, hat einen historischen Tiefstand erreicht. Das bringt die Landwirte in der Region zum Verzweifeln. Denn der Wasserstand ist so niedrig, dass das Salzwasser aus dem Meer ins Landesinnere drückt und die sonst aus dem Po gespeisten Bewässerungskanäle für die Mais- und Reisfelder flutet. Die Kornkammer Italiens trocknet aufgrund des Klimawandels aus.

Urlaubsländer in Europa leiden unter Wasserknappheit

Die Dürre trifft nicht nur Italien. Für weite Teile Südeuropas zeichnet sich ein harter Sommer ab. In Spanien herrscht bereits jetzt Wassermangel, weil die Trockenheit die Pegel vieler Stauseen sinken lässt. In Portugal ist von der schlimmsten Dürre seit 20 Jahren die Rede. Und in Griechenland zählte die Feuerwehr binnen einer Woche 311 Waldbrände.

Dürre in Italien: Städte stellen Brunnen ab – Streit am Gardasee

Seit Montag gilt in Italien bis zum 31. Dezember der Dürre-Notstand in der Lombardei, dem Piemont, der Emilia-Romagna, Venetien sowie Friaul-Julisch Venetien. In Verona wurde der Trinkwasserverbrauch eingeschränkt. Gärten und Sportplätze dürfen dort tagsüber nicht mehr bewässert werden. Auch die Autowäsche und das Befüllen von Schwimmbädern sind tabu – sonst drohen Geldstrafen. In Pisa darf Trinkwasser ab Montag nur noch im Haushalt verwendet werden. In Mailand und Padua wurden die großen Brunnen abgestellt. Sogar am Gardasee ist der Wasserstand einen halben Meter niedriger als im vergangenen Jahr – und in der Region tobt ein Streit darüber, ob Wasser aus dem Gardasee in den Po geleitet werden soll. Viele katholische Gemeinden rufen schon zu Regen-Gebeten auf.

Wassermangel: Spanien rationiert Trinkwasser

In Spanien sieht es nicht viel besser aus: Dort sind die Stauseen inzwischen noch zu durchschnittlich 46 Prozent gefüllt – der niedrigste Stand seit Beginn der Erfassung vor 17 Jahren, berichtet die Zeitung La Vanguardia unter Berufung auf Regierungsangaben. Man rechne damit, dass das Niveau bis September weiter zurückgehe. Erst im Herbst sei eine Erholung zu erwarten. Trinkwasser-Rationierungen würden zwar vorerst nicht erwogen. Der Wassermangel ziehe aber bereits die Land- und Viehwirtschaft, die Flussschifffahrt und den Tourismus in Mitleidenschaft, berichtete der staatliche spanische Fernsehsender RTVE. Einige Kommunen und Ferienhausbesitzer hätten ihre Schwimmbecken nicht gefüllt, um freiwillig Wasser zu sparen.

Portugal wird von Dürre heimgesucht - Griechenland drohen neue Waldbrände

Auch im westlichen Nachbarland ist der Klimawandel zu spüren: In Portugal spricht man von der schlimmsten Dürre der vergangenen 20 Jahre. Nach dem heißesten Mai seit 1931 leiden nach jüngsten Angaben des portugiesischen Instituts für Meer und Atmosphäre derzeit über 97 Prozent des Territoriums unter schwerer Trockenheit. „Wir müssen uns daran gewöhnen, mit weniger Wasser zu leben“, warnte Umweltminister Duarte Cordeiro.

In Griechenland sind die Wasser-Reservoire hingegen voll, wie es bei den staatlichen Wasserwerken heißt. Doch dort geht neben Corona eine andere Sorge um: Die Menschen fürchten, dass es auch diesen Sommer wieder schlimme Waldbrände geben wird, nachdem im vergangenen Jahr zehntausende Hektar Wald den Flammen zum Opfer gefallen sind. Allein in den vergangenen sieben Tagen zählte die griechische Feuerwehr 311 Waldbrände. In der Nacht zum Dienstag kämpften hunderte Feuerwehrleute und Freiwillige an drei großen Feuerfronten, unter anderem auf der Halbinsel Peloponnes und in Mittelgriechenland. Ein Brand bedroht eines der größten Olivenanbaugebiete in der Region Fokida, das Feuer zerstörte bereits 300 Hektar landwirtschaftliche Fläche.

Klimawandel in Europa: Hitzewellen suchen vermehrt Westeuropa heim

Forschern zufolge muss sich Westeuropa auch in Zukunft vermehrt auf Hitzewellen einstellen. Denn der sogenannte Jetstream – das sind große Windbänder in fünf bis zehn Kilometern Höhe – hat sich verändert, wie Wissenschaftler des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung untersucht haben. Sie werteten Beobachtungsdaten der vergangenen 40 Jahre aus. Das Ergebnis: Über Europa, insbesondere über Westeuropa, haben Hitzewellen drei- bis viermal schneller zugenommen als im Rest der nördlichen mittleren Breiten wie etwa in den USA oder Kanada. Besonders hartnäckig halten sich Hitzewellen demnach, wenn sich der Jetstream in zwei Äste aufspaltet und abkühlende Wetterlagen von Westeuropa fernhält.

Sonne
2022 knüpft an das vergangene Jahr der Extreme an. Die Folge: Hitzewellen im Mittelmeerraum, Überschwemmungen und Windflauten in Westeuropa. © Martin Gerten/dpa

Ursache für die intensiveren Hitzewellen ist den Forschern zufolge die vom Menschen verursachte Erderwärmung. Die düstere Prognose von Efi Rousi, Hauptautorin der Studie: „Wir rechnen damit, dass es noch schlimmer wird.“

Das Wetter scheint immer öfter verrückt zu spielen. Dabei besteht durchaus ein Zusammenhang mit dem Klima, wie Meteorologe Özden Terli im ZDF oftmals thematisiert. Der Wetter-Experte im Merkur.de-Interview.(mit dpa/afp)

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