1. Startseite
  2. Welt

Im Schatten über 40 Grad: So schlimm erwischt die Hitzewelle unsere liebsten Urlaubsländer

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Martina Lippl

Kommentare

Hitzewelle droht Europa: Die Weltwetterbehörde WMO hat eine Grafik von ECMWF veröffentlicht.
Hitzewelle droht Europa: Die Weltwetterbehörde WMO hat eine Grafik von ECMWF veröffentlicht. © Screenshot twitter/ wmo

Eine extreme Hitzewelle baut sich im Süden Europas auf. In Spanien und Portugal spitzt sich die Lage zu. Es drohen Waldbrände – dazu ist das Wasser in einigen Regionen knapp.

München – Es wird wieder heiß, sehr heiß und das tagelang. Der spanische Wetterdienst Aemet warnt in einer Sondermitteilung vor eine Hitzewelle mit Temperaturen weit über 40 Grad im Schatten im ganzen Land. Afrikanische Luftmassen fluten die iberische Halbinsel. In Portugal ist das Waldbrandrisiko aufgrund der Hitze und der anhaltenden Trockenheit extrem. Im Laufe der Woche breitet sich die Hitze über Frankreich und Italien, bis zum Balkan, Griechenland und der Türkei aus. Auch in Deutschland rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch und Donnerstag mit Maximalwerten von bis zu 35 Grad.

Spanien: Hitze bis 44 Grad im Schatten

„Die Hitzewelle wird höchstwahrscheinlich bis Ende der Woche anhalten“, heißt es bei der nationalen Wetterbehörde Aemet. Die extreme Hitzesituation in Spanien soll erst am Sonntag (17. Juli 2022) enden. In der neuen Hitzeperiode werden zwischen Dienstag und Donnerstag Maximalwerte von bis zu 44 Grad erreicht. Schon am Dienstag herrscht in weiten Teilen des Landes „Alarmstufe 3“. Etwas kühler ist es noch in höheren Lagen und an der Atlantikküste. Abgesehen von der Hitze, die weite Teile des Landes betrifft, warnt der spanische Wetterdienst vor einer sehr hohen UV-Strahlung, die allerdings auf den Kanarischen Inseln extrem hoch sei. Eine langanhaltende Hitzewelle zu dieser Jahreszeit ist selbst für Spanien außergewöhnlich. Es könnte der heißeste Frühsommer seit vier Jahrzehnten werden. Und eine der drei längsten Hitzewellen, die Spanien seit 1975 erlebt hat.

Portugal: Extreme Wetterprognose mit Temperaturen bis zu 45 Grad

Schon am Wochenende ächzte Portugal unter Temperaturen über 40 Grad. Einsatzkräfte der Feuerwehr kämpften gegen hunderte Waldbrände im Norden des Landes. Entspannung ist keine in Sicht. Der portugiesische Wetterdienst IPMA warnt in den nächsten Tagen vor extremen Temperaturen – bis zu 45 Grad. Insbesondere im Alentejo rechnet der Wetterdienst mit Werten von 46 Grad, im Tejo-Tal mit 45 Grad und im Nordosten des Landes mit Werten zwischen 40 und 44 Grad. In den Nächten kühle es kaum ab – es bleibt mit 20 Grad tropisch warm. Das Waldbrandrisiko ist in den nächsten Tagen extrem hoch. Der kleinste Funke könnte eine Waldbrand auslösen. Die Regierung Portugals hat die höchste Alarmbereitschaft der Rettungskräfte ausgerufen.

Portugal und Spanien sind ein echter Hitze-Hotspot. Dazu herrscht extreme Trockenheit. Das Klima auf der iberischen Halbinsel sei das Trockenste seit mehr als 1200 Jahren, wie aktuelle Untersuchungen, veröffentlicht im Fachmagazin Natur Geoscience, zeigen. Der meiste Regen falle auf der iberischen Halbinsel im Winter, wenn feuchte Tiefdruckgebiete vom Atlantik hereinströmen, schreibt das US-Forscherteam. Doch ein sogenanntes Azorenhoch kann diese Wetterlage blockieren. Und große Azorenhochs treten nach Auswertungen von Wetterdaten und Computermodellen den Wissenschaftlern zufolge in den letzten 100 Jahren häufiger auf. Die Ausdehnung des Azorenhochs im Industriezeitalter sei verursacht durch die Kohlenstoffemissionen der Menschheit.

„Was wir hier mit der Ausdehnung des Azorenhochs sehen, sind schlechte Nachrichten für die Winterniederschläge auf der Iberischen Halbinsel. Das hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Landwirtschaft und andere Sektoren, die von Wasserressourcen abhängig sind“, sagt Co-Autorin Dr. Caroline Ummenhofer vom Woods Hole Oceanographic Institution.

Ausnahmezustand in Italien – Intensive Hitze auch in den Bergen

Seit Wochen leidet der Norden Italiens unter einer historischen Dürre. Das Trinkwasser in einigen Regionen ist bereits rationiert. Der Po – die Lebensader der Region – führt kaum mehr Wasser. Einige Abschnitte sind völlig ausgetrocknet. Bauern fürchten um ihre Ernte. Steigende Temperaturen und der Klimawandel sind schuld an der Wasserkrise. Doch Italien lässt 42 Prozent seines „Oro blu“ einfach versickern. Um den Gardasee – Lago di Garda – ist ein Streit ums Wasser entbrannt. Der Plan Wasser aus dem Gardasee abzupumpen, um den Po zu retten, stößt auf Widerstand der Gardasee-Gemeinden. Urlauber am Gardasee dürften davon jedoch nur wenig mitbekommen.

Im Süden Italiens kämpfen die Feuerwehren vermehrt gegen Waldbrände. Das Land dürstet nach Regen. Doch heiße Wüstenluft wird auch Italien nicht verschonen. Die Spitzenwerte liegen am Wochenende zwischen 38 und 40 Grad. Besonders brisant: In den Bergen über 1000 Meter könnten bis zu 30 Grad möglich sein. Die Nullgradgrenze liegt in den Alpen voraussichtlich über 3500 bis 4000 Meter. „Ein weiterer Schlag auf die Gletscher, die bereits von den heißesten Episoden aller Zeiten auf die Probe gestellt wurden“, schreibt Edoardo Ferrara vom Wetterportal 3bmeteo.com.

Frankreich bereitet sich auf Hitzewelle vor

Mit der Hitzewelle sollen in Frankreich die Temperaturen in dieser Woche auf knapp 40 Grad steigen. Die Werte werden im Laufe der Woche vor allem an der Atlantikküste und im Südwesten weiter steigen, teilt der französische Wetterdienst Météo-France mit. Angesichts der Trockenheit werden weitere Waldbrände befürchtet. Schon im Juni 2022 hat in Frankreich eine außergewöhnliche und frühe Hitzewelle viele Rekorde gebrochen. Etliche Waldgebiete wurden für Besucherinnen und Besucher gesperrt, die Stadt Nîmes sagte aus Vorsicht das Feuerwerk am Nationalfeiertag, dem 14. Juli, ab. In einzelnen, zumeist kleinen Kommunen gab es Probleme mit der Trinkwasserversorgung.

Hitzewarnung in Großbritannien

Über 30 Grad meldet der britische Wetterdienst Met Office in einigen Teilen in Großbritannien schon am Dienstag. Doch der Höhepunkt der Hitzewelle – Alarmstufe Orange – steht nach den aktuellen Prognosen der Wetterexperten erst am Wochenende bevor: „Extrem heat“-Warnung am Sonntag (17. Juli) und am Montag (18. Juli). „Die Temperaturen sinken in den nächsten Tagen etwas (obwohl sie für die meisten von uns immer noch warm genug sind), bevor sie am Wochenende deutlich ansteigen“, twittert Met Office. Die britischen Wetterexperten warnen vor Temperaturen, die im Südosten über 35 Grad erreichen könnten und über der 30-Grad-Marke liegen. (ml)

Auch interessant

Kommentare