Behörden warnen vor neuen Problemen

Nach dem Hochwasser: Zahl der Toten weiter gestiegen - 3.500 Euro Soforthilfe pro Haushalt in Rheinland-Pfalz

Nach der Hochwasser-Katastrophe hat das Land Rheinland-Pfalz Soforthilfen für betroffene Haushalte beschlossen. Die Zahl der Toten ist weiter gestiegen. Der News-Ticker.

  • Die Hochwasser-Katastrophe hat Deutschland hart getroffen, noch immer gelten Menschen als vermisst.
  • In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden weitere Tote entdeckt (siehe Update vom 20. Juli, 20.17 Uhr).
  • Rheinland-Pfalz gibt betroffenen Haushalten 3.500 Euro als Soforthilfe (siehe Update vom 20. Juli, 20.58 Uhr).
  • Dieser News-Ticker wird fortlaufend aktualisiert.

Update vom 20. Juli, 22.50 Uhr: Einem Bericht zufolge plant die Bundesregierung von Angela Merkel (CDU) mehrere Hunderte Millionen Euro Soforthilfen wegen der Hochwasser-Schäden in der Eifel* sowie in weiteren Teilen von NRW und Rheinland-Pfalz.

Update vom 20. Juli, 20.58 Uhr: Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat für Betroffene der Hochwasser-Katastrophe* in dem Bundesland Soforthilfen bis zu 3.500 Euro pro Haushalt beschlossen. Das Geld soll ohne Bedürftigkeitsprüfung schnellstmöglich über die Kreisverwaltungen ausgezahlt werden, teilte die Staatskanzlei in Mainz am Dienstag mit.

„Wer durch das Hochwasser einen Schaden an Wohnraum, Hausrat oder Kleidung erlitten hat, bekommt unbürokratisch und schnell Hilfe“, teilte Innenminister Roger Lewentz mit. Eine Vermögensprüfung sei nicht notwendig, Spenden würden nicht angerechnet. „Damit hoffen wir dazu beitragen zu können, die akute Not vieler Menschen ein Stück weit zu lindern.“

Sechs weitere Flutopfer entdeckt - 170 Menschen werden noch vermisst

Update vom 20. Juli, 20:17 Uhr: In den Hochwassergebieten sind sechs Menschen tot aufgefunden worden. Im Kreis Ahrweiler überlebten 122 Menschen die Flutkatastrophe nicht. Bislang war von 117 Todesopfern die Rede. Noch immer würden 155 Menschen vermisst, sagte ein Polizeisprecher.

In Nordrhein-Westfalen schlug ein Leichenspürhund in Bad Münstereifel an. Die Identität des Toten ist noch nicht bekannt, teilte das Kölner Polizeipräsidium mit. Damit stieg die Zahl der Todesfälle in NRW um eins auf 48. Nach 16 Menschen werde noch gesucht. 14 Menschen werden im Raum Bonn/Rhein-Sieg-Kreis, zwei im Kreis Euskirchen vermisst. Sein Leben riskierte in NRW ein Bauunternehmer, als er am Staudamm der Steinbachtalsperre* ein Auslaufrohr reinigte.

Nach dem Hochwasser: Lauterbach fordert Unterbringung in Hotels und Einzelunterkünften

Update vom 20. Juli, 15.40 Uhr: SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat gegenüber der Funke Mediengruppe davor gewarnt, Sammelunterkünfte für die Oper der Hochwasser-Katastrophe einzurichten. „Massenunterkünfte sind eine Gefahr für die Menschen, denn dort herrscht ein hohes Corona-Ansteckungsrisiko“, so der 58-Jährige. Die Betroffenen sollten, wo möglich in Hotels und Einzelunterkünften untergebracht werden.

„Es wäre fatal, wenn die ohnehin dramatische Situation in den Hochwasserregionen durch massenhafte Infektionen mit der Delta-Variante zusätzlich erschwert würde“, erklärte Lauterbach weiter. Eine Maßnahme, die der SPD-Politiker zusätzlich empfiehlt, ist der Einsatz von mobilen Impf-Teams in den Katastrophengebieten, um eine Ausbreitung des Coronovirus in diesen Regionen zu verhindern.

Auch die Landesregierungen der besonders vom Hochwasser betroffenen Ländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hatten am Dienstagvormittag bereits vor einer Ausbreitung des Virus in den Katastrophengebieten gewarnt.

Hochwasser-Katastrophe: Polizei beklagt sich erneut über Katastrophen-Touristen

Update vom 20. Juli, 14.00 Uhr: Während die Aufräumarbeiten in der besonders von der Hochwasser-Katastrophe betroffenen Region Ahrweiler andauern, haben die Rettungskräfte weiterhin mit Katastrophen-Touristen zu kämpfen, die aus Neugierde über die Verwüstung in die betroffenen Regionen reisen. Die Polizei Koblenz rief am Dienstagvormittag erneut dazu auf, das betroffene Gebiet zu meiden: „Wir bitten eindringlich, sich nicht ohne triftigen Grund in das Katastrophengebiet zu begeben“, so die Nachricht der Polizei.

Zu diesem Aufruf sah sich die Polizei auch deswegen gezwungen, weil sich aktuell erneut Gaffer in Ahrweiler befinden würden. Diese „behindern die Einsatzkräfte bei deren Hilfsmaßnahmen und bringen sich dabei selbst auch in Gefahr.“ Bereits in den vergangenen Tagen war es immer wieder zu Behinderungen der Einsatzkräfte durch Gaffer gekommen.

Plünderungen im Katastrophengebiet - Polizei verstärkt Präsenz

Update vom 20. Juli, 11 Uhr: Der Schrecken über die Hochwasser-Katastrophe ist noch nicht verdaut, da meldet die Polizei bereits mehrere Diebstähle in den besonders gebeutelten Gebieten. Im Märkischen Kreis in Nordrhein-Westfalen hat die Polizei aus diesem Grund ihre Präsenz vor Ort verstärkt. Besonders im Raum Altena wurde das veranlasst, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Die Stadt war vergangene Woche von Hochwasser überschwemmt worden.

Bürgerinnen und Bürger seien gebeten, verdächtige Menschen oder Fahrzeuge über den Notruf 110 zu melden. Am Montag etwa stoppten Beamte in der Stadt Plettenberg einen Transporter mit zwölf verschlammten Fahrrädern, einem Tretroller und Stühlen. Die Insassen gaben an, die Gegenstände in Altena eingesammelt zu haben. Die Männer wurden wegen Diebstahls angezeigt.

Und auch in Rheinland-Pfalz bleibt die Lage auch Tage nach der Flut unübersichtlich, noch gibt es beispielsweise keinen insgesamten Überblick über die zahlreichen Schäden an den Straßen und Brücken. „Das Ausmaß ist noch nicht abschätzbar“, sagte die Sprecherin des Landesbetriebs Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM) am Dienstag in Koblenz. Seit Montag seien Experten mit der
Schadensaufnahme beschäftigt. „Wir sind dran, haben aber noch keine Auflistung, was alles kaputt ist.“ Besonders betroffen seien die Gebiete an der Ahr, aber auch an der Kyll und andere Teile der Eifel.

Nach der Hochwasser-Katastrophe: Behörden warnen vor nächstem großen Problem

Ursprungsmeldung vom 20. Juli 2021: Düsseldorf - Die Hochwasser-Katastrophe hat Deutschland größtenteils völlig unvorbereitet getroffen, auch Tage nach der großen Flut in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist das enorme Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Das Hochwasser hat für viele Todesopfer, Verletzte und noch immer Vermisste gesorgt, doch nun könnte bereits die nächste Katastrophe drohen.

Bis Montag stieg die Zahl der Todesopfer auf mindestens 164: Aus Rheinland-Pfalz wurden 117 und aus NRW 47 Unwetter-Tote bestätigt. In beiden Bundesländern wurde nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Opfer gefunden werden könnten. Die Einsatzkräfte suchen nach Vermissten. Wie die Polizei in Koblenz twitterte, würden im Kreis Ahrweiler derzeit sämtliche Hotels, Gaststätten und Unterkünfte angeschrieben, um vorhandene Gästelisten mit den Vermisstenmeldungen abzugleichen. Die Polizei bittet Unterkünfte, die noch nicht von der Polizei kontaktiert worden sind, sich mit den Einsatzkräften in Verbindung zu setzen.

Behörden warnen vor Ausbreitung des Coronavirus in Notunterkünften

Nach der Flutkatastrophe sehen die betroffenen Länder nun jedoch noch eine weitere Gefahr erhöhter Corona-Risiken, etwa durch Hilfsaktionen oder die Unterbringung in Notunterkünften. „Derzeit kommen viele Menschen auf engstem Raum zusammen, um die Krise gemeinsam zu bewältigen. Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Bewältigung der Katastrophe nicht zu einem Superspreader-Event wird“, sagte David Freichel vom Corona-Kommunikationsstab der Staatskanzlei in Rheinland-Pfalz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Das Landesgesundheitsministerium bereite in Absprache mit den Behörden der betroffenen Landkreise eine Sonderimpfaktion in den Katastrophengebieten vor. Viele Rettungskräfte hätten bereits den vollen Impfschutz.

Hochwasser-Katastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz - Sonderimpfaktionen geplant

„Eine erhöhte Gefahr der Ausbreitung von SARS-CoV-2 könnte sich vor allem durch die Unterbringung von Personen in Notunterkünften entwickeln“, zitierte der RND das Düsseldorfer Gesundheitsministerium. Die Gesundheitsämter vor Ort seien sich aber der zusätzlichen Gefahr bewusst. Sie könne durch Testungen, Masken und Lüften reduziert werden.

Während die Menschen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vielerorts vor dem Nichts stehen, breitet sich die Corona-Pandemie in Deutschland wieder schneller. Seit 14 Tagen steigen die Infektionszahlen kontinuierlich an, die besonders ansteckende Delta-Variante ist weiter auf dem Vormarsch.

Rubriklistenbild: © Tang Ying / imago images

Auch interessant

Kommentare