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Die Elbe könnte bei Magdeburg einen Höchststand von 7,30 Metern erreichen.

Ausschau nach Plünderern

Flut trifft Magdeburg heftiger als erwartet

Berlin - Das Hochwasser stellt Teile Deutschlands weiter vor riesige Probleme. Mittlerweile rollt die Flutwelle gen Norddeutschland. In Sachsen-Anhalt kam ein weiterer Mensch ums Leben.

Mit zerstörerischer Kraft bedroht das Hochwasser jetzt den Norden Deutschlands. Bundesländer wie Niedersachsen und Brandenburg rüsteten sich für die anrollenden Wassermassen, die im Süden und Osten bereits große Verwüstungen angerichtet haben. In Sachsen-Anhalt starb ein Mann nach einem Zusammenstoß mit einem Sandsacktransporter.

Pegelstand der Elbe in Magdeburg übersteigt Höhe von 2002

In Magdeburg steigt das Hochwasser der Elbe deutlich schneller und vermutlich höher als erwartet. Aktuelle Prognosen gingen davon aus, dass ein Höchststand von 7,30 Metern erreicht werden könnte, berichtete Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). Bislang waren für Sonntag 7,20 Meter erwartet worden. Am Freitagvormittag zeigte laut Trümper in Magdeburg ein Pegel 7,11 Meter, 6,90 Meter waren vorhergesagt. Normal sind für die Elbe in Magdeburg knapp zwei Meter.

Der Hochwasserscheitel werde voraussichtlich fünf Tage anhalten. Diese Zeit durchzuhalten, sei die Herausforderung, sagte der Oberbürgermeister. Um ein Überlaufen eines Deiches am Umflutkanal in Höhe des Ortsteils Pechau zu verhindern, werde er derzeit erhöht und verstärkt. Trümper sagte, es seien für Magdeburg 2000 zusätzliche Bundeswehrsoldaten angefordert worden.

Nachdem in Sachsen-Anhalt viele Menschen wegen des Hochwassers ihre Wohnungen verlassen mussten, hält die Polizei dort verstärkt Ausschau nach Plünderern. Noch sei in keine Wohnung eingebrochen worden, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums in Magdeburg und bestätigte damit einen Bericht der „Magdeburger Volksstimme“ am Freitag. In den besonders stark von den Fluten betroffenen Gebieten an der Saale patrouillierten seit Tagen Polizeikräfte.

„Das wird ganz knapp“, sagte ein Sprecher des Brandenburger Innenministeriums in der Nacht zum Freitag. In Mühlberg (Elbe-Elster) wird im Laufe des Tages die Scheitelwelle der Elbeflut erwartet. Am frühen Morgen lag der Pegelstand des Flusses bei 9,86 Meter. Bei der Jahrhundertflut 2002 war der Fluss auf 9,98 Meter gestiegen.

Im Landkreis Lüneburg waren in der Nacht zum Freitag erneut Hunderte Helfer im Schichtdienst im Einsatz. Nun hätten aber fast alle Deiche die erforderliche Höhe. „Jetzt heißt es, den Status Quo zu halten und die weitere Entwicklung abzuwarten“, sagte Sigrid Ruth vom Einsatzstab des Landkreises am Freitag. Bereits eine halbe Million Sandsäcke seien im Kreis Lüneburg gefüllt worden. Voraussichtlich Dienstag wird die Elbeflut in Niedersachsen ihren Höchststand erreichen.

Lage in Sachsen-Anhalt immer noch bedenklich

Auch in Sachsen-Anhalt ist die Lage weiter ernst. Der Pegelstand der Saale in Halle sank weiter, wie der Krisenstab des Innenministeriums mitteilte. Die Lage sei aber nach wie vor bedenklich. Im Kampf gegen die Wassermassen kam am Donnerstagabend in Wittenberg ein 74 Jahre alter Mann ums Leben. Er wurde von einem Baufahrzeug erfasst, das im Sandsäcketransport im Einsatz war.

Teile von Bitterfeld in Sachsen-Anhalt und der nahen Gemeinde Muldestausee werden evakuiert. Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld forderte Tausende Menschen am Freitag aufgefordert, sofort ihre Häuser zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. In dem Gebiet leben 10.000 Bewohner. Wegen Sicherungsmaßnahmen am Lober-Leine-Kanal am Seelhausener See erhöhe sich die Gefahr eines Wassereinbruchs in den Goitzschesee. Wenn Wassermassen unkontrolliert in den See laufen, könnten Teile von Bitterfeld überflutet werden.

In Sachsen hat das Elbe-Hochwasser seinen Höhepunkt erreicht. In Dresden verharrte der Fluss am Donnerstag stundenlang bei 8,76 Metern. Die Behörden hatten einen Höchststand um die neun Meter geschätzt. Am frühen Freitagmorgen war die Situation in der Stadt nach Angaben eines Sprechers stabil.

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In Niedersachsen hoffen die Menschen wieder: Nachdem die Prognosen für die höchsten Pegelstände zwei Tage in Folge nach unten korrigiert wurden, setzen jetzt viele Anwohner darauf, dass es für sie diesmal doch nicht so schlimm kommt wie bisher befürchtet. In der besonders bedrohten Kleinstadt Hitzacker werden nun für Dienstag und Mittwoch Höchststände von 7,65 Metern erwartet - 1,15 Meter weniger als noch vor zwei Tagen.

Die auf einer Insel gelegene Altstadt Hitzackers in Niedersachsen wird bis Sonntag evakuiert. Dies sagte ein Sprecher des Kreises Lüchow-Dannenberg am Freitag. „Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ab einem bestimmten Pegel muss der Landkreis handeln.“ Der Kreis gehe von einem Pegelstand der Elbe von 8,15 Metern statt der bisher von der Hochwasserzentrale in Magdeburg angenommenen 7,65 Meter aus. Bereits am Freitag sei die Insel für den Autoverkehr gesperrt. Ab Samstag gebe es ein „Betretungsverbot für Fremde“. Betroffen sind von der Evakuierung rund 250 Menschen.

Angst um Hochwasser-Helfer - Belastung zu groß

Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Christoph Unger, hat sich unterdessen für eine Ablösung der Hilfskräfte in den Hochwassergebieten ausgesprochen. Die Belastung der Helfer, die seit Tagen im Einsatz sind, mache auch angesichts der steigenden Temperaturen „bange“, sagte Unger am Donnerstag im ZDF im „heute Journal“. Sie müssten durch Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern ersetzt werden. Auch die Bundeswehr sei da ein unerlässlicher Partner, betonte Unger. Die Wege zu Einsätzen in Katastrophenregionen seien aber durch die Reduzierung der Standorte weiter geworden. Unger beklagte außerdem, dass die „Selbsthilfefähigkeit“ der Bevölkerung „nicht ausreichend ausgebildet“ sei. Die Menschen müssten auf Krisensituationen wie Hochwasser besser vorbereitet sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte den Menschen in den Flutgebieten erneut Unterstützung zu. „Ich glaube, dass man sich darauf verlassen kann, dass das Menschenmögliche getan wird“, sagte sie bei einem Besuch in der Chemiestadt Bitterfeld. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte am Donnerstag in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“, die von der Kanzlerin angekündigte Unterstützung in Höhe von 100 Millionen Euro werde „sicher nicht das letzte Wort sein“.

Hochwasser bedroht Hasen und Rehe, Vogelbrut vernichtet

Nach Angaben von Naturschützern haben die Hochwassermassen zahlreiche Wildtiere das Leben gekostet. Die Fluten hätten vielfach frisch geborene Rehkitze mit sich gerissen, sagte die Vorsitzende des Vereins Rehkitzhilfe, Carla Winhausen, der Nachrichtenagentur dpa. Es sei aber auch gelungen, schon mehr als 200 Rehe zu retten. Die meisten seien Jungtiere gewesen. Nach Angaben des Deutschen Jagdschutzverbandes laufen auch massenhaft unterirdische Baue von Feldhasen und Kaninchen voll Wasser. Stark betroffen sind laut dem Verband außerdem Vögel, die auf Wiesen brüten. Eier werden vernichtet, Jungvögel sterben.

dpa

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