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Die Stadt Venedig hat erneut mit Hochwasser zu kämpfen. 

Starke Überschwemmungen

Überschwemmungen in Venedig: Das Wasser steigt erneut 

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Nach der dramatischen Überschwemmung in Venedig am 12. November entspannte sich die Lage zuletzt. Jetzt steigt das Wasser wieder. 

  • „Aqua alta“, das jährliche Hochwasser wütet in Venedig so schlimm wie selten
  • Von einem Jahrhundert-Hochwasser ist in Venedig bereits die Rede
  • Das Wasser steht bis zu 1,87 Meter hoch in Venedig
  • Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro macht den Klimawandel verantwortlich
  • Die Schäden durch die Überschwemmung in Venedig sind enorm, viele Touristen sagen ihre Reisen ab
  • Die italienische Regierung verhängt den Notstand


Update vom 24.11.2019, 19.35 Uhr: Die italienische Stadt Venedig hat erneut mit Hochwasser zu kämpfen. Am Sonntagvormittag stieg das Wasser wieder auf 130 Zentimeter über den normalen Wasserspiegel. Am 12. November hatte ein Hochwasser von 187 Zentimetern schwere Schäden in der Lagunenstadt angerichtet. Für den Abend wird ein Hochwasserstand von 120 Zentimetern erwartet.

Update vom 18.11.2019, 10.05 Uhr: Seit Tagen folgt in Venedig einen Flutwelle auf die andere. Dieses Mal bekommen die Venezianer mit aller Wucht die Folgen des Klimawandels und der Eingriffe des Menschen in das fragile System der Lagune zu spüren, in der ihre Stadt auf Pfählen errichtet wurde. Es ist ein Untergang mit Ansage.*

Update vom 18.11.2019, 6:50 Uhr: Nach dem tagelangen Hochwasseralarm in Venedig ist nun etwas Entspannung in Sicht. Für die kommenden Tage werden niedrigere Wasserstände erwartet, teilte die Kommune am Sonntagabend mit. Die Schulen sollten am Montag wieder öffnen.

Die schweren Hochwasserschäden in Venedig sollen nach den Vorstellungen von Bürgermeister Luigi Brugnaro auch mit Geldspenden aus dem Ausland beseitigt werden. Venedig gehöre zum „Erbe der ganzen Welt“ und werde „mit Eurer Hilfe neu erstrahlen“, erklärte Brugnaro am Wochenende. Er ließ den berühmten Markus-Platz am Sonntag aus Sicherheitsgründen erneut absperren, bis sich die Wassermassen nach einer neuen Flut von 1,50 Meter allmählich zurückzogen. Es war die dritte Flutwelle binnen einer Woche, die die Lagunenstadt traf.

Der Kulturbeauftragte des Vatikans, Kardinal Gianfranco Ravasi, zog unterdessen einen Vergleich der Zerstörung mit dem Brand von Notre-Dame in Paris. Es habe nach dem Feuer nicht nur eine „technische Diskussion“ gegeben, sagte er laut Nachrichtenagentur Ansa. „Es gab Leute, die weinten, weil sie ein großes Symbol sterben sahen. Ich würde sagen, diese kulturelle Sensibilität müssten wir wiederholen.“

Venedig kämpft mit den Folgen des verheerenden Hochwassers. Der italienische Zivilschutz warnte vor neuen Unwettern in der Region.

Update vom Freitag, 15.11.2019, 10.00 Uhr: Venedig kommt nicht zur Ruhe. Schlechtes Wetter sorgt für eine angespannte Lage in der Lagunenstadt. Für 11.20 Uhr war ein Wasserstand von 160 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel vorhergesagt, teilte die Kommune mit. „Ein weiterer Tag des Alarms“, schrieb Bürgermeister Luigi Brugnaro auf Twitter und rief die Einwohner zur Vorsicht auf. Vor allem der Wind sei wieder sehr stark. Den überschwemmten Markusplatz ließ er schließen, auch Schulen und der Dogenpalast waren geschlossen.

Überschwemmung: Italienische Regierung verhängt Notstand in Venedig

Update vom Donnerstag, 14.11.2019, 21.30 Uhr: Nach dem schlimmsten Hochwasser in Venedig seit mehr als 50 Jahren hat die italienische Regierung dort den Notstand verhängt. Das Kabinett habe den Notstand gebilligt, teilt Ministerpräsident Giuseppe Conte am Donnerstagabend (14.11.2019) via Twitter mit. 

20 Millionen Euro sollten „für die dringendsten Maßnahmen“ bereitgestellt werden, schreibt Conte. Weite Teile von Venedig standen am Donnerstag noch immer unter Wasser.

Update von 14.45 Uhr: Das verheerende Hochwasser in Venedig bringt Touristen dazu, ihre Reisepläne zu überdenken. Es habe viele Absagen von Urlaubern gegeben, zitiert dpa Laura Ferretto vom Hotelverband Federalberghi Veneto. „Die Schäden sind enorm.“ Viele Hoteliers seien wütend über die Untätigkeit der Politiker, etwas für den Schutz der Stadt zu tun. „Es gab so viele Versprechen und nichts wurde getan“, sagte sie mit Bezug auf das umstrittene Flutschutzprojekt „Mose“, das seit Jahren geplant, aber immer noch nicht fertig ist.

Untergang mit Ansage:  Massentourismus und Klimawandel zerstören Venedig

Der Markusplatz in Venedig ist überflutet.

Auch der Tourismusverband der Region klagt über schwere Schäden. „Hier ist die ganze Küste untergegangen“, so der Regionalpräsident des Verbandes Confturismo und Federalberghi Veneto, Marco Michielli. „Die Schäden sind derzeit nicht zu beziffern, die Touristenunterkünfte stehen vor Tausenden Problemen, während die Strandbäder dem Erdboden gleichgemacht wurden.“

Update von 11.00 Uhr: Die Regierung in Rom kündigt Hilfe für die Hochwasser-geplagte Stadt Venedig an. „Die Katastrophe, die Venedig getroffen hat, ist ein Stich in das Herz unseres Landes“, sagte Regierungschef Giuseppe Conte bei einem Besuch vor Ort. Sein Kabinett sei bereit, Hilfsgelder freizugeben. Am Donnerstagnachmittag soll der Notstand in Venedig ausgerufen werden, um schneller Mittel bereitstellen zu können.

Venedig kämpft mit Folgen des Hochwassers - Zivilschutz warnt vor neuen Unwettern

Update vom Donnerstag, 14.11.2019, 07.00 Uhr: Venedig kämpft weiter mit den Folgen des verheerenden Hochwassers. Nun warnte der italienische Zivilschutz vor neuen Unwettern mit starkem Wind in der Region Venetien. Der Wasserpegel sollte allerdings nicht mehr das Rekord-Niveau wie in der Nacht zu Mittwoch erreichen.

Kulturminister Dario Franceschini sprach von einem „Notfall“. Kulturdenkmäler seien durch salziges und schmutziges Wasser in Mitleidenschaft gezogen worden. Kunstwerke in Sammlungen oder Material in Archiven und Bibliotheken seien aber nach ersten Erkenntnissen nicht beschädigt worden. Am Donnerstag will das Kulturministerium den Markusdom auf Schäden prüfen.

Eine Touristin schießt ein Foto an der Rialto-Brücke.

Schulen und Kindergärten sollen auch am Donnerstag geschlossen bleiben, der Schiffsverkehr war extrem eingeschränkt. Die Oper La Fenice sagte Aufführungen ab. Die Kunst-Biennale erklärte dagegen, wieder zu öffnen, nachdem das Gelände am Mittwoch gesperrt und die Kunstwerke auf Schäden überprüft worden waren.

Die Venezianer zeigten sich geschockt. „So was habe ich noch nicht gesehen. Es ist eine Katastrophe. Es ist wie ein Krieg“, sagte Ezio Toffolutti. Läden und Supermärkte seien alle im Erdgeschoss, die habe es deshalb schlimm erwischt. Gefährlich seien die elektrischen Leitungen. „Eine schreckliche Zeit.“

Immense Schäden nach Überschwemmung in Venedig

Update vom Mittwoch, 13.11.2019, 18:53 Uhr: Nach Dauerregen und durch starken Wind in die Lagune gedrückt, ist das Wasser in Venedig so hoch wie zuletzt vor 53 Jahren gestiegen. Mindestens ein Mensch kam bereits ums Leben.  Entwarnung ist erst einmal nicht in Sicht: Auch in den nächsten Tagen soll es weiter stürmen und regnen, erklärte der Zivilschutz. 

Die Schäden sind bereits jetzt immens: „So etwas habe ich noch nie gesehen, (auf dem Markusplatz) waren Wellen so hoch wie an der Meeresküste“, sagte der Patriarch von Venedig, Francesco Moraglia. Ministerpräsident Giuseppe Conte brach nach Venedig auf und sprach von „dramatischen“ Szenen.  

Wissenschaftler warnen seit langem vor den Folgen der Erderwärmung für die Stadt, die in einer Lagune an der Adria liegt. Schmelzen Eis und Gletscher, so erhöht sich der Meeresspiegel. Je mehr der Meeresspiegel steigt, desto höher ist das Risiko von Überflutungen.

„Apokalyptische Zerstörung“: Venedig versinkt in Wassermassen

Überschwemmungen in Venedig: Auch der Markusdom ist geflutet 

Erstmeldung vom Mittwoch, 13.11.2019, 8.30 Uhr: Venedig - Die Lage in Venedig ist verheerend. Das durch heftige Regenfälle ausgelöste Hochwasser hat in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch dramatische Formen angenommen. Bürgermeister Luigi Brugnaro sprach von einer „Katastrophe“ und mobilisierte am späten Dienstagabend alle Einsatzkräfte. Venedig sehe sich mit einer Überschwemmung konfrontiert, die mehr als außergewöhnlich sei, schrieb Brugnaro auf Twitter. Es seien alle verfügbaren Kräfte mobilisiert worden, um die Kontrolle über die Situation zu behalten. Zudem kündigte er in einem Video auf Facebook später an, am Mittwoch den Notstand auszurufen. 

Jahrhundertflut in Venedig: Stadt unter Wasser

Das als „Acqua Alta“ bekannte Hochwasser stieg in Venedig kurz vor Mitternacht auf einen Pegel von 1,87 Meter. Das war der höchste Wert seit mehr als 50 Jahren. Nur ein einziges Mal seit Beginn der Aufzeichnungen 1923 war das Wasser noch ein wenig höher: 1966 lag der Pegel bei 1,94 Meter. Bei normaler Flut steigt der Wasserspiegel bis zu 90 Zentimeter über den Normalstand, steigt er höher, wird von „Acqua alta“ gesprochen.

Wie Brugnaro am frühen Mittwochmorgen twitterte, sank der Pegel im Lauf der Nacht zwar wieder, doch noch ist unklar, wie sich die Hochwasser-Lage und somit auch die Überschwemmung in Venedig weiter gestalten wird. Wetterbesserung ist am Mittwoch jedenfalls nicht in Sicht, in ganz Italien ist wie schon seit Tagen weiter Regen angesagt. Zwischendurch stieg der Pegel wieder auf etwa 160 Zentimeter an. Eine derartige Flut hinterlasse „unauslöschliche Spuren“, so Brugnaro, nun sei die Regierung gefragt. 

Hochwasser in Venedig: Markusplatz komplett überflutet

Der Markusplatz in der Unesco-Welterbestadt war in der Nacht zum Mittwoch komplett überflutet, im Markusdom stand das Wasser bis zu 110 Zentimeter hoch, die Krypta glich einem Schwimmbad, wie merkur.de* berichtet. Touristen und Einheimische wateten zunächst noch in Gummistiefeln über den Platz, am Abend fuhr nur noch die Polizei in Venedig mit Booten. Es habe durch das Hochwasser und die Überschwemmungen unter anderem Schäden am Mauerwerk angerichtet, berichteten italienische Medien. „Wir versuchen, den Schaden in Grenzen zu halten“, sagte der Ingenieur der Basilika, Pierpaolo Campostrini. 

Durch die Straßen trieben Stühle und Tische, vielerorts wurden Anlegestellen für die berühmten Touristen-Gondeln weggerissen. Gondeln und Boote wurden aus ihren Vertäuungen gerissen und trieben durch die Kanäle. Der starke Wind schleuderte Wasserbusse ans Ufer und versenkte einige, mindestens 60 Schiffe wurden beschädigt. Zudem sanken mindestens drei „Vaporetti“, wie die Motorschiffe im öffentlichen Nahverkehr der Stadt genannt werden. Die Küstenwache schickte spezielle Boote in die überfluteten Straßen, die als schwimmende Krankentransporte fungieren sollten. Hotels wurden überschwemmt, auch das Opernhaus „La Fenice“ teilweise unter Wasser. „Wir haben es mit apokalyptischen Zerstörungen zu tun“, sagte der Präsident der Region Venezien Luca Zaia. 

Wegen der außergewöhnlich hohen Wasserstände durch das Hochwasser wurden in Venedig Kindertagesstätten und Grundschulen geschlossen, teilte die Kommune mit.

Jahrhundertflut in Venedig: Stadt unter Wasser

Überschwemmung in Venedig: Zwei Menschen ums Leben gekommen 

In den nahezu die ganze Stadt bedeckenden Überschwemmungen sind Medienberichten womöglich zwei Menschen ums Leben gekommen. Wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete, ist ein 78-jähriger Mann auf der südlich von Venedig gelegenen Insel Pellestrina von einem elektrischen Schlag getroffen worden, als er versuchte, die Entwässerungspumpe in seinem überfluteten Haus wieder in Gang zu setzen. Ein weiterer Bewohner der Insel ist tot in seinem Haus gefunden worden. Eine natürliche Todesursache wurde in dem Fall aber nicht ausgeschlossen.

Italien: Venedig von einem Rekord-Hochwasser heimgesucht

Hochwasser in Venedig: Bürgermeister macht Klimawandel für Überschwemmung verantwortlich

Venedig wird wegen seiner Lage in der Lagune immer wieder von Hochwasser und somit Überschwemmungen heimgesucht, die Lage verschärft sich aber zunehmend. Für Brugnaro liegt der Grund auf der Hand. Der Bürgermeister der Unseco-Welterbestadt machte den Klimawandel für die immer häufiger werdenden Überschwemmungen verantwortlich. Er fürchtet, dass die Stadt den Wassermassen bald nicht mehr gewachsen sein wird. „Venedig wurde in die Knie gezwungen. Wir rufen die Regierung auf, uns zu helfen, die Kosten werden hoch sein.“ 

Wissenschaftler warnen schon lange vor den Folgen des Klimawandels. „Venedig werden wir verlieren, das ist nicht umstritten“, sagte vor einem Jahr Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die Frage sei nur wann. „Es kann Jahrhunderte dauern.“ Die Entwicklung sei aber „unaufhaltsam“. Es gebe zwar Anpassungsmöglichkeiten. Diese müssten jedoch sehr groß angelegt sein.

„Dieses Hochwasser ist von Menschen gemacht“, sagte die deutsche Journalistin Petra Reski, die seit 30 Jahren in Venedig lebt, der Deutschen Presse-Agentur. „Das größte Problem ist, dass das Wasser sehr schnell reinkommt, aber nicht abfließt.“

Die Stadt will seit langem ein Flutschutzsystem installieren, da der Anstieg des Meeresspiegels immer häufiger zu Überflutungen führt. (mit dpa/afp)

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