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Hochwasser in Kobern-Gondorf, Rheinland-Pfalz.

Hochwasseralarm in Deutschland

Berlin - Das erste Hochwasser des neuen Jahres hat am Wochenende vielerorts Straßen überflutet und Keller unter Wasser gesetzt.

Die Pegel von Rhein und Mosel in Rheinland-Pfalz stiegen, am Sonntagnachmittag sanken die Wasserstände der Mosel aber langsam. Den Schätzungen der Behörden zufolge standen zwischen Trier und Koblenz 30 Gemeinden unter Wasser.

In anderen Bundesländern gingen die Wasserstände der Flüsse durch Tauwetter und Regen ebenfalls weiter nach oben. Betroffen waren unter anderem Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Bayern.

In Baden-Württemberg kam am Samstag ein 50-jähriger Kajakfahrer bei Hochwasser ums Leben. In Kreuzau in Nordrhein-Westfalen wurde ein 57 Jahre alter Mann tot in einem reißendem Bach gefunden. Nach Polizeiangaben ist er möglicherweise im alkoholisierten Zustand dort ausgerutscht und in den Bach gefallen. In Wuppertal brach der Zugverkehr für mehrere Stunden zusammen.

Während am Sonntagnachmittag an der Mosel zwischen Trier und Koblenz bei fallenden Wasserständen die Aufräumarbeiten begannen, warteten die Anwohner in Koblenz auf den mit 7,70 Metern vorhergesagten Scheitel des Rhein-Hochwassers gegen Montagmittag. Nach Angaben der Feuerwehr waren in den betroffenen Stadtteilen Stege aufgebaut, bereits am Sonntag überflutete das Wasser erste Straßen und Keller.

Auch am Deutschen Eck, dem Zusammenfluss von Rhein und Mosel, schwappte das Wasser über die Ufer. Die Lage sei dennoch entspannt, sagte ein Polizeisprecher in Koblenz auf dapd-Anfrage. Wegen Überflutungen sind auch weite Teile der Bundesstraße 42 zwischen Koblenz und Bonn gesperrt.

Keine Jahrhundertflut

An der Mosel konnte am Sonntagnachmittag langsam Entwarnung gegeben werden. Das Wasser falle kontinuierlich entlang des Flusses. In Trier werde in der Nacht vermutlich die Acht-Meter-Marke wieder unterschritten, teilte das Hochwasserlagezentrum mit. Grundsätzlich sei das Mosel-Hochwasser nichts Besonderes, unterstrich ein Sprecher: “Von einer Jahrhundertflut kann keine Rede sein“, sagte er der dapd. In den besonders stark betroffenen Städten Zell und Cochem begannen am Sonntagnachmittag die Aufräumarbeiten.

Die Pegel am Rhein stiegen am Sonntag weiter: Im Koblenzer Stadtteil Neuendorf steht das Wasser den Angaben zufolge etwa 60 Zentimeter hoch. Am späten Nachmittag lag der Pegel bei 7,12 Meter, bei 7,20 Meter wird die Fläche vor dem Deutschen Eck komplett überspült. Die Schifffahrt in Koblenz wurde laut Meldezentrum eingestellt.

In Nordrhein-Westfalen wird der Höhepunkt der Flutwelle zu Wochenbeginn erwartet. Aufgrund der nachlassenden Regenfälle stieg der Wasserstand allerdings nicht mehr so rasch wie an den Vortagen. Der Rhein-Pegel bei Köln erreichte am Sonntagnachmittag die Schwelle von 8,30 Meter, ab der die Schifffahrt aus Sicherheitsgründen eingestellt werden muss. An der Ruhr mussten Straßen gesperrt werden. Reinhard Vogt von der Hochwasserschutzzentrale Köln sprach von einem “mittleren Hochwasser“ am Rhein. Mit dem Höchststand rechnet er am Dienstag mit etwa neun Metern. Der Hochwasserschutz reicht für die Kölner Altstadt bis 11,30 Metern.

Köln leitet Schutzmaßnahmen ein

Der Maximalwasserstand der Hochwasserwelle hänge von der weiteren Niederschlagsentwicklung und der Schneeschmelze im Einzugsgebiet ab, teilte die Hochwasserschutzzentrale in Köln mit. Hubtore seien bereits geschlossen worden, um die Wohngebiete am Rhein zu schützen. Nach Angaben der Behörde ist keineswegs mit einem dramatischen Hochwasser wie im Jahr 1993 zu rechnen. Damals war der Pegel in Köln mit 10,63 Meter nur knapp unter der historischen Flut von 1926 geblieben.

In Sachsen-Anhalt verschärfte sich die Hochwassersituation weiter. An der Weißen Elster am Pegel Oberthau gilt seit Sonntagmorgen die Alarmstufe 4, wie die Hochwasservorhersagezentrale in Magdeburg mitteilte. Auch an der Saale nahe Camburg-Stöben wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen. Sprecherin Brit Herwig sagte der Nachrichtenagentur dapd, die Lage sei “stellenweise angespannt“. Dort und an vielen weiteren Flüssen sei die Tendenz bis Montag weiter steigend. Den Angaben zufolge sind rund um die Uhr zahlreiche Experten und Helfer im Einsatz, um Deiche zu kontrollieren und gegebenenfalls zu verstärken.

In Brandenburg gingen die extremen Wasserstände auf der Oder bei Hohensaaten erstmals leicht zurück. Das Gröbste sei wahrscheinlich überstanden, aber es gebe noch keine Entwarnung, sagte der Landrat von Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt (SPD). Dagegen stiegen mit dem Tauwetter die Pegel in Südbrandenburg auf Schwarzer Elster und südlicher Spree sowie in der Prignitz deutlich an. Dort wurden am Wochenende Hochwasser-Alarmstufen ausgerufen.

Unterdessen kam es auch durch Eis und Schnee erneut zu Unfällen. Ein von einer Dachlawine umgerissenes Baugerüst erschlug am Samstag im niederbayerischen Kehlheim einen Rentner. Mehrere Personen im gesamten Bundesgebiet wurden von herabstürzenden Schnee- und Eismassen teils schwer verletzt. In einigen Bundesländern sorgte erneut einsetzender Schneefall sowie überfrierende Nässe für mehrere Verkehrsunfälle, bei denen mindestens zwei Menschen getötet wurden.

dapd

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