Zu hohe Dioxinwerte in jeder zweiten Fettprobe von Harles und Jentzsch 

Kiel - Die Untersuchungsergebnisse der ersten 20 Rückstellproben des Futterfett-Herstellers Harles und Jentzsch sind besorgniserregend.

Die Dioxin-Gehalte der bislang untersuchten Proben schwanke zwischen 0,44 und 10,05 Nanogramm, teilte das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium am Donnerstag in Kiel mit. In neun Fällen war der zulässige Grenzwert von 0,75 Nanogramm überschritten - teilweise um das bis zu Dreizehnfache des erlaubten Wertes. Das untersuchte Fett sei nicht für die Futtermittelherstellung geeignet, betonte das Ministerium.

Die untersuchten Rückstellproben stammen aus dem vergangenen Jahr und waren von der Firma selbst entnommen worden. Die restlichen Ergebnisse der am Sonntag sichergestellten insgesamt 112 Rückstellproben werden in den kommenden Tagen erwartet.

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Die Firma aus dem schleswig-holsteinischen Uetersen hatte rund 3.000 Tonnen dioxinbelastetes Futterfett an Abnehmer in mehreren Bundesländern ausgeliefert. In Schleswig-Holstein bezogen 52 Landwirte insgesamt 82 Lieferungen mit verseuchtem Futter. Sie stammen von einem Hamburger Mischwerk. Bei den Abnehmern handelt es sich hauptsächlich um Schweinemastbetriebe, für die ein Schlachtverbot erlassen wurde.

Nach Ministeriumsangaben kann sich die Zahl der betroffenen Betriebe noch erhöhen. Nach derzeitigem Kenntnisstand hat Harles und Jentzsch aber keine verseuchten Fette an Mischfutterwerke in Schleswig-Holstein geliefert.

Schadenersatz “ohne Wenn und Aber“ gefordert

Der Deutsche Bauernverband wies darauf hin, wie wichtig eine kettenübergreifenden Qualitätssicherung von der Stufe der Futtermittlerherstellung bis in die Ladentheke ist. Weil die Rückverfolgbarkeit und der Informationsfluss innerhalb dieses QS-Systems gegriffen habe, seien die Abnehmer unmittelbar informiert und fragliche Rohwaren und Mischfuttermittel sofort vom Markt genommen worden.

Dennoch müsse verhindert werden, dass landwirtschaftliche Betriebe durch Vermarktungsverbote in Existenznot gerieten. “Verursacher haben ohne Wenn und Aber für den entstandenen Schaden einzutreten“, forderte der Verband.

Aigner: Verursacher des Dioxin-Skandals müssen zahlen

Berlin - Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) hält die Verursacher des Dioxin-Skandals für schadenersatzpflichtig. “Für mich gilt: Wer die Existenz Hunderter Betriebe aufs Spiel setzt und die Gesundheit von Verbrauchern gefährdet, muss zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte Aigner am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. “Die Verursacher müssen in Haftung genommen werden und für die entstandenen Schäden gerade stehen.“ 

Aigner sagte, die Leidtragenden seien vor allem Landwirte, die sich nichts hätten zuschulden kommen lassen. Einige sähen sich nun in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. Für die Menschen in den betroffenen Betrieben sei das eine bittere Situation. “Offenbar waren es einige wenige schwarze Schafe, die hier enormen wirtschaftlichen Schaden angerichtet haben“, meinte die Ministerin. Jetzt sei es an der Justiz zu ermitteln, wie es zu der Dioxin-Belastung kommen konnte und wer die Schuldigen sind.

“Ich begrüße es, dass die eingeschalteten Staatsanwaltschaften die Hintergründe dieses Falls aufklären“, erklärte die CSU-Politikerin. Verbraucher und Landwirte brauchten jetzt Klarheit. Die Verbraucher wollten wissen, welche Händler und Chargen von der Verunreinigung betroffen sind. “Und die Landwirte brauchen so schnell wie möglich die Gewissheit, ob ihre Produkte frei von Verunreinigung sind, damit sie ihre Produkte wieder auf den Markt bringen können.“

dapd/dpa

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