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Mysteriöses Massensterben von Tieren an Hollands Küste - dramatische Theorien um Todesursache kursieren

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Ein Schweinswal schwimmt in in einem Meereswasserbecken im naturhistorischen Museum Ecomare auf Texel
An der niederländischen Küste sorgen angeschwemmte Kadaver von Schweinswalen für ein Rätsel (Symbolfoto). © Winfried Rothermel / Imago

Ein Schweinswal-Massensterben an der Küste der beliebten Urlaubsregion Holland gibt Forschern Rätsel auf. Täglich werden zahlreiche Tierkadaver angespült – jetzt gibt es erste Theorien.

Holland - Seit vergangenem Donnerstag werden an der niederländischen Westküste täglich tote Schweinswale angespült. Auf der holländischen Wattinsel Schiermonnikoog waren es einem Bericht der Deutschen Stiftung Meeresschutz zufolge bis zum Samstag 20 Kadaver, auf Ameland fand man über 50 tote Schweinswale. Die Todesursache ist derzeit noch unklar, doch es gibt eine Theorie.

Schweinswal-Massensterben: Das könnte die Ursache sein

Die angeschwemmten Kadaver sind teils stark verwest. Aus diesem Grund vermuten Forscher, dass die Todesursache bereits etwas zurückliegt. Schon Mitte August könnten die Tiere gestorben sein. Seit einigen Tagen weht der Wind aus dem Norden, was die toten Schweinswale nun in den Niederlanden an Land spült. Forscher untersuchen weniger stark verweste Exemplare, um die mögliche Todesursache herauszufinden. Untersuchungen von zwölf auf Ameland angeschwemmten Tieren finden dazu an der Tierärztlichen Fakultät der Universität Utrecht statt.

Obwohl die Todesursache noch nicht abschließend feststeht, gibt es bereits Theorien. Manche Wissenschaftler vermuten, dass der Grund für den Tod der Tiere eine Sprengung sein könnte, die im Zusammenhang mit dem Bau des Offshore-Windparks in der Nordsee steht. „Wenn 50 bis 80 Tiere in etwa dem gleichen Verwesungszustand angespült werden und alle innerhalb weniger Tage, muss die Todesursache im selben Seegebiet zur selben Zeit liegen. Nur eine Sprengung oder mehrere würde diese Bedingung erfüllen“, sagte der Meeresbiologe Sven Koschinski gegenüber der Deutsche Stiftung Meeresschutz. Doch auch eine Krankheit – etwa ein tödliches Bakterium – kann derzeit als Todesursache nicht völlig ausgeschlossen werden. Genauere Erkenntnisse soll die Obduktion der Tierkadaver liefern.

Offshore-Windparks: Milliardenprojekt in der Nordsee

Die niederländische Marine hatte am 23. August mit einer kontrollierten Sprengung der Minen begonnen, um den Meeresboden für den Bau des Offshore-Windparks vorzubereiten. Die Minenräumung soll noch bis zum 10. September andauern. Wissenschaftler warnen schon seit Langem vor den massiven Umweltschäden durch die Sprengung von Munitionsaltlasten.

Einerseits belasten Sprengungen die Gewässer mit toxischen Stoffen, die schädlich für die Tiere sind. Andererseits sind auch die Druckwellen eine große Gefahr für die Meeressäuger. Auch wenn sich die Schweinswale nicht in unmittelbarer Nähe befinden, können sie stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Unterwasser-Druckwelle sorgt auch in mehreren Kilometern Entfernungen für Lungenrisse oder Blutungen in Gehirn oder Ohren. Der Hörsinn kann geschädigt werden – den Tieren fehlt dann ein essenzielles Mittel zur Orientierung.

Technisch gesehen gibt es durchaus Möglichkeiten, die Schäden für Meeresbewohner in Grenzen zu halten. Beispielsweise können die Sprengexperten sogenannte Blasenschleier einsetzen, die die Schockwelle minimieren. Dafür werden Schläuche kreisrund um die Bau- oder Sprengarbeiten gelegt. Die Schläuche geben Luftblasen ab. Diese Wand aus Luftbläschen verändert die Dichte des Wassers und bricht damit Schall- und Druckwellen. Bis zu 95 Prozent der schädlichen Wellen lassen sich so eindämmen. Schweinswale sind Deutschlans einzige Wal-Art und gelten als vom Aussterben bedroht.

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