Der Holzklotz-Werfer verriet sich selbst

Oldenburg - Der Holzklotz-Werfer von Oldenburg ist gefasst. Ein 30-jähriger Heroinabhängiger hat das grausame Verbrechen gestanden, bei dem eine junge Mutter ums Leben kam. Noch im April hatte Nicolai H. in dem Fall als Zeuge ausgesagt.

In Sekundenbruchteilen zerstörte Nikolai H. am Ostersonntag das Glück einer jungen Familie. Auf der Rückreise vom Osterurlaub erschlug gegen 20 Uhr ein sechs Kilo schwerer Klotz auf dem Beifahrersitz eines Autos die 33-jährige Olga K. vor den Augen ihrer beiden Kinder und ihres Mannes. Zwei Monate Fahndung und einige Stunden Verhör später hat der 30-Jährige gestanden, den Holzklotz von einer Autobahnbrücke nahe Oldenburg geworfen zu haben. Als Motiv gibt der Kasache mit deutschem Pass an: "Allgemeiner Frust." Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf Mord und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr. Das Mordmerkmal ist für die Ermittler Heimtücke - das Opfer hatte keine Chance.

Im Verdacht hatten die Fahnder Nicolai H. bereits kurz nach der Tat. "Er hat sich selbst ins Spiel gebracht", erzählt Reiner Gerke, Chef der Sonderkommission. Am 5. April meldete er sich bei der Polizei als Zeuge und stellte sich Reportern für Inteviews am Tatort zur Verfügung. Schnell verstrickte er sich bei den Gesprächen mit den Beamten in Widersprüche. Eine Aussage hat die Ermittler besonders "stutzig gemacht", sagt der Leitende Staatsanwalt Roland Herrmann. Ausgerechnet jemand, der seit zehn Jahren von harten Drogen abhängig ist, soll auf dem Weg zu seinem Dealer vom Fahrrad absteigen und einen Holzklotz vorsichtshalber von der Fahrbahn räumen. Seine Ausführungen "ließen bei uns von Anfang an den Verdacht aufkommen, dass er mit der Tat zu tun haben könnte."

Und auch auf dem Grundstück des 30-Jährigen wurden die Ermittler fündig. Dort entdeckten sie Holzklötze, die von der Beschaffenheit, der Größe und dem Verwitterungszustand der Mordwaffe ähnelten. Bodenproben brachten schließlich mehr Gewissheit und Anfang der Woche kam grünes Licht der Spurenspezialisten. Der Klotz stamme "wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich" vom Grundstück des 30-Jährigen.

Dieser ist bei der Polizei kein Unbekannter, mehrfach war er wegen kleinerer Diebstähle aufgefallen, außerdem saß er eineinhalb Jahre in Haft. Nicolai H. ist nach Angaben der Ermittler vor 16 Jahren aus Kasachstan gekommen, hat kurz nach seinem Schulabschluss einige Male als einfacher Arbeiter gearbeitet, hat allerdings keine Berufsausbildung. Derzeit lebt der 30-Jährige von Sozialhilfe. Zahlreiche Indizien hätten dazu geführt, dass gegen den Mann bereits am Dienstag ein Haftbefehl beantragt worden sei, sagt Herrmann. Am Mittwoch schließlich griffen die Fahnder zu.

Abgeschlossen sind die Ermittlungen mit der Festnahme indes nicht. Experten der Kriminalpolizei wollen die Attacke nun in allen Einzelheiten rekonstruieren. "Es geht um die genauen Beweggründe, das Geständnis ist ein wesentlicher Bestandteil", sagte Staatsanwalt Stefan Schmidt. Besonders wichtig sei es , dass sich die von mehreren Zeugen zur Tatzeit gesehenen Jugendlichen melden.

Unterdessen kündigte der Ehemann der getöteten 33-Jährigen an, er wolle bei dem bevorstehenden Strafverfahren als Nebenkläger auftreten. Über die Festnahme äußerte er sich nach Angaben seines Anwalts Oliver Niedostadek äußert erleichtert: "Jetzt hat der Täter ein Gesicht. Das macht es in gewisser Weise leichter mit den schrecklichen Ereignissen leben zu können." 

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