+
Am Rindermarkt kollabieren immer mehr Asylbewerber

Vogel und Glück vermitteln

Angst vor Toten bei Hungerstreik

München - Mitten in Deutschlands reichster Großstadt wollen sich 50 Flüchtlinge aus den armen Ländern dieser Welt zu Tode hungern - wenn sie nicht in Deutschland bleiben dürfen. Die Politik ist alarmiert.

Angesichts drohender Toter beim Hungerstreik von 50 Asylbewerbern in München sollen nun der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel und der ehemalige CSU-Politiker Alois Glück vermitteln. Das kündigte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) am Samstag nach einem Krisentreffen in der Staatskanzlei an.

Der Landtagswahlkampf soll angesichts des Ernsts der Lage zurückstehen: An der Pressekonferenz nahm auch Münchens Oberbürgermeister Christian Ude teil, der bei der Landtagswahl im September als SPD-Spitzenkandidat gegen Seehofer antritt. „Bei derart schwierigen Entscheidungen, bei denen es nicht rhetorisch, sondern tatsächlich möglicherweise schon in kurzer Zeit um Leben und Tod geht, ist es gut, wenn es einen breiten Konsens gibt“, sagte Ude.

Die Asylbewerber aus mehreren afrikanischen und asiatischen Ländern fordern in der Münchner Innenstadt die sofortige Anerkennung ihrer Asylanträge. Das Angebot einer Schnellprüfung innerhalb von zwei Wochen hatte ihr Sprecher Ashkan Khorasani - der selbst nicht hungert - kategorisch abgelehnt.

Seit einer Woche verweigern die Hungerstreikenden die Nahrungsaufnahme, seit Dienstag trinken sie nichts mehr - in der Regel verdursten Menschen nach wenigen Tagen ohne Wasser. Vor dem Krisentreffen verweigerten die Unterstützer erneut Ärzten den Zutritt zu dem kleinen Zeltlager in der Münchner Innenstadt. Am frühen Abend wurde dann wieder einem Arzt der Zutritt gestattet, der einen Mann ins Krankenhaus bringen ließ. Das Hungercamp wurde von Dutzenden Polizisten überwacht. Wie schon in den Vortagen lieferten sich Passanten Wortgefechte in einem Spektrum von ausländerfeindlich bis weit links.

Am Vortag hatte der Sprecher der Gruppe in einer mit „unsere letzte Nachricht“ betitelten Erklärung mit Toten gedroht: „Entweder die Erfüllung der exakten Forderung der hungerstreikenden Asylsuchenden oder Bobby Sands und Holger Meins auf den Straßen Münchens.“ Meins und Sands waren Terroristen von RAF und IRA, die sich 1974 beziehungsweise 1981 zu Tode gehungert hatten.

Ude ließ keinen Zweifel, dass der Krisenstab von Stadt und Staatsregierung Tote in München verhindern will: „Der absolute Vorrang gebührt dem Schutz von Leib und Leben.“ Doch wollen die Behörden eine Zwangsräumung des Hungerlagers durch die Polizei offenbar vermeiden. Das „Demonstrationsgeschehen“ sei rechtmäßig, sagte Ude dazu.

Die Behörden vermuten aber, dass zumindest einige der hungerstreikenden Asylbewerber von Khorasani und seinen Helfern für politische Zwecke benutzt werden. Die „Rädelsführer“ hätten sich selbst auf eine Ebene mit Terroristen gestellt, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU): „Ich bin persönlich nicht überzeugt, dass das dem Bewusstsein und dem Willen aller Teilnehmer dieser Aktion entspricht und dass sie sich überhaupt bewusstwerden, wie sie politisch vereinnahmt werden.“

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Lotto am Samstag: Das sind die Gewinnzahlen
Hier sind die Lottozahlen vom 27. Mai 2017. Jeden Samstag warten die Spieler auf das Ergebnis der Ziehung. Diese Zahlen wurden am 27.05.2017 gezogen.
Lotto am Samstag: Das sind die Gewinnzahlen
Flugbetrieb von British Airways weltweit gestört
Lange Schlangen, verärgerte Passagiere: Ein Ausfall der IT-Systeme hat bei der Fluggesellschaft British Airways Chaos ausgelöst. Auch in Deutschland gab es in der Folge …
Flugbetrieb von British Airways weltweit gestört
Virus wandert weiter: Mehrere Zika-Infektionen in Indien
Gerade erst gilt die Gefahr der tückischen Zika-Krankheit in Brasilien als gebannt - da gibt es in Indien Anlass zur Sorge.
Virus wandert weiter: Mehrere Zika-Infektionen in Indien
Drama in den Alpen: Erdrutsch schließt 17 Menschen in Schlucht ein
Nahe der bayerischen Grenze hat sich in den österreichischen Alpen ein dramatisches Unglück ereignet: 17 Menschen sind in einer Schlucht eingeschlossen.
Drama in den Alpen: Erdrutsch schließt 17 Menschen in Schlucht ein

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion