“Irene“ in New York: Katastrophe bleibt vorerst aus

New York - Hurrikan "Irene", zum Tropensturm herabgestuft, hat mit wolkenbruchartigen Regenfällen New York erreicht. Hunderttausende waren ohne Strom, 370.000 wurden evakuiert.

In der Stadt gab es erste Überschwemmungen in einigen Randbezirken. Die Stadtverwaltung erklärte, das Wasser ströme auf die Hauptstraßen von Rockaways, einer Halbinsel in Queens, deren Evakuierung Bürgermeister Michael Bloomberg angeordnet hatte. Auch auf Coney Island in Brooklyn standen Straßen unter Wasser. Im Hafen von New York erreichte das Wasser bereits die Bürgersteige.

Bilder: Hurrikan “Irene“ erreicht New York

Bilder: Hurrikan “Irene“ erreicht New York

Dennoch war die Situation vorerst unter Kontrolle, größere Schäden oder gar Tote wurden zunächst nicht gemeldet. Heftiger Regen peitschte aber schon seit Stunden über Manhattan.

"Irene" zu Tropensturm herabgestuft

Das Nationale Hurrikanzentrum stufte das System am Sonntagmorgen (Ortszeit) wegen schwächerer Winde zu einem Tropensturm herab. “Die Auswirkungen ändern sich damit aber nicht“, warnte der Chef des Zentrums, Bill Read, im US-Sender CNN. Der Wind sei nach wie vor stark, es regne noch immer und der Sturm drücke weiter Wasser an die Küste.

Warnungen vor Starkstromkabeln in Pfützen

Nach Überschwemmungen und Stromausfällen droht den New Yorkern nun eine tödliche Gefahr durch heruntergerissene Stromleitungen. An vielen Stellen habe der Wirbelsturm “Irene“ Starkstromkabel von den Masten gerissen, warnte die Stadtverwaltung am Sonntag. Wenn die in Pfützen oder auf überschwemmte Flächen fallen, könnten tödliche Stromschläge drohen.

Das Tückische: Dem Wasser sei zumeist nicht anzusehen, dass es unter Strom steht. Reparaturteams der Stromversorger versuchten, die Gefahren so schnell wie möglich zu beseitigen.

So bereitete sich New York auf "Irene" vor

Bürgermeister Michael Bloomberg sagte in der Nacht zum Sonntag, es sei nicht länger sicher, sich draußen aufzuhalten. Das Wetter werde tückisch und alle in der Evakuierungszone sollten bleiben, wo sie sind. “Die Zeit für Evakuierungen ist vorbei. Alle müssen jetzt nach drinnen gehen und dortbleiben“, sagte er. Die Stadt hatte mehr als 370.000 Bewohner niedrig gelegener Gebiete aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Es war die erste Evakuierungsanordnung in der Geschichte New Yorks.

Trotz eindringlicher Warnungen gab es einige Unverbesserliche: So musste die New Yorker Polizei zwei Kajak-Fahrer vor Staten Island aus der aufgewühlten See retten. “Das ist eine von diesen rücksichtslosen Aktionen, mit der die Kräfte unserer Polizei verschwendet werden“, schimpfte Bloomberg. Behördenvertreter befürchteten, dass die Fenster von Wolkenkratzern bei erwarteten Windgeschwindigkeiten von mehr als 130 Stundenkilometern bersten könnten.

Der gesamte New Yorker Nahverkehr wurde stillgelegt. Das Verkehrsunternehmen Metropolitan Transportation Authority (MTA) sagte in der Nacht zum Sonntag, alles sei gesichert und die Angestellten seien nach Hause geschickt worden. Schon seit Samstagmittag (Ortszeit) fuhren keine U-Bahnen, Busse und Pendlerzüge mehr wegen des Hurrikans “Irene“.

Behörden hatten außerdem viele wichtige Straßen gesperrt. Am späten Abend wurde auch die untere Fahrbahn der wichtigen George-Washington-Brücke gesperrt, die Manhattan mit New Jersey verbindet. Auch in Boston wurden Brücken gesperrt, die U-Bahnen fuhren ebenso nicht. Das Transitsystem werde frühestens am Montag wieder in Betrieb genommen, nachdem das Wasser aus den überfluteten Stationen gepumpt worden sei, hieß es. Selbst bei gewöhnlichen Stürmen stehen die U-Bahnhöfe unter Wasser und müssen ausgepumpt werden. Das Transportsystem des befördert wochentags durchschnittlich etwa fünf Millionen Passagiere.

Flüge von Frankfurt an US-Ostküste sind gestrichen

Tausende Flüge wurden gestrichen. Schätzungen zufolge könnten jedoch Millionen Passagiere von der Schließung der Flughäfen betroffen sein, die auf die Airports an der Ostküste für Anschlussflüge angewiesen sind.

Zwölf Passagierflüge vom Flughafen in Frankfurt/Main sind am Sonntag wegen des Hurrikans gestrichen worden. Sechs Maschinen aus den USA kommend wurden ebenfalls annulliert, wie ein Sprecher des Flughafens auf Anfrage mitteilte. Den Angaben zufolge konnten die Städte New York, Boston und Philadelphia wegen des schweren Unwetters nicht mehr angeflogen werden.

In Frankfurt wird davon ausgegangen, dass es ab Montag wieder Flüge an die US-Ostküste geben wird. Jedoch sei noch mit Verspätungen zu rechnen, sagte der Sprecher. Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) musste seine für Sonntag geplante Reise nach New York verschieben.

Sollte die Südspitze von Manhattan trotz Wellenbrecher überflutet werden, könnten tausende Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten werden. Die New Yorker Börse erklärte, die NYSE verfüge über Ersatzgeneratoren im Falle eines Stromausfalls.

Hurrikan- und Whirlpool-Parties

Viele New Yorker nahmen die Situation gelassen. Einige verabredeten sich zu Hurrikan- oder Whirlpool-Parties. “Wir haben schon Wein und Bier, jetzt holen wir den Wodka“, sagte ein Videokünstler, der mit seiner Freundin in einem Spirituosenladen nahe des Central Parks einkaufte.

dapd/dpa

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