Chaos an den Flughäfen, Evakuierungen: Florida erwartet die Ankunft von Hurrikan „Irma“
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In Florida im Urlaub

Hurrikan „Irma“: Wie ein Deutscher den Ausnahmezustand erlebt

Christian Jakubetz und seine Frau hat Hurrikan „Irma“ im Urlaub erwischt. Der Journalist geriet mitten in die Evakuierungen und macht sich Gedanken, was der Hurrikan vom Urlaubsparadies übrig lassen wird.

Florida - Die Menschen in Florida sind, wenn es um Naturgewalten geht, einiges gewöhnt. Doch das, was Hurrikan „Irma“ dort gerade anrichtet, macht selbst die hartgesottensten Floridianer mehr als unruhig. Rund 5 Millionen Menschen sind inzwischen aufgefordert, den „Sunshine State“ zu verlassen. Über einen Staat im Ausnahmezustand, den es in dieser Form noch nie gegeben hat.

Erst auf Nachfrage die ganze Wahrheit

Wenn man sich bis Donnerstag mit den Einwohnern dort unterhalten hat, bekam man zumeist typisch amerikanische Mentalität zur Schau gestellt. Jene einzigartige Mischung aus Optimismus und einem Schuss Gottvertrauen, der immer dann hilft, wenn der Optimismus alleine nicht mehr reicht. „Ein bisschen nervös“ sei sie, sagt Hotelbesitzerin Sandy, als sie am Donnerstag den ersten Gästen Zettel überreicht, auf denen sie sie auffordert, die kleine Insel Sanibel an der Westküste Floridas baldmöglichst zu verlassen. Reine Vorsichtsmaßnahme, Sicherheit gehe über alles, beruhigt sie – um dann auf Nachfrage die ganze Wahrheit rauszulassen: „Wenn Irma so wird, wie wir fürchten, dann wird von dieser Insel kommende Woche nicht mehr viel übrig sein.“

Spürhunde ersetzen den Sicherheitscheck

Und tatsächlich, die Stimmung ist gekippt. Jener Verkäufer in einem Store, der am Donnerstagabend noch erzählt, er bleibe in jedem Fall, gehört inzwischen zu einer Minderheit: Wer kann, bucht noch die letzten Flüge von Miami aus. Irgendwohin, Hauptsache in den Norden. Doch schon am Freitag wird die Hälfte der Flüge annulliert, inzwischen geht in Miami gar nichts mehr. Dort, wo noch geflogen wird, herrscht Chaos. In Orlando hat sich der Airport entschlossen, die Sicherheitsvorschriften zu lockern: Taschen werden nur noch schnell durchleuchtet, Schuhe und Gürtel müssen nicht mehr ausgezogen werden. Spürhunde ersetzen den Sicherheitscheck: „Wenn der Hund sagt, dass ihr ok seid, dann schnell weiter zu den Gates“, ruft ein Officer unermüdlich. Trotzdem ziehen sich Schlangen in einer Länge von hunderten Meter durch den ganzen Airport. Kein Wunder, denn inzwischen sind auch in Zentralflorida so gut wie keine Unterkünfte mehr zu bekommen.

Spritknappheit und Wassermangel

Ähnliche Bilder auch auf den Straßen: Vom Süden in den Norden gibt es auf jeder Küstenseite jeweils nur einen großen Highway. Kilometerlange Schlangen blockieren seit Freitag den Verkehr. Dazu kommen Spritknappheit und Wassermangel. Nicht wenigen bleibt nur noch ein Ausweg: die Flucht in einen öffentlichen Schutzraum, wo schon jetzt Tausende Menschen der Dinge harren, die da kommen werden.

Wenn sie wieder rauskommen, dann wird Florida vermutlich ein anderes Land sein.

Christian Jakubetz

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