+
Eine Krankenschwester geht über den Flur der Neonatalen Intensivstation der Frauenklinik auf dem Gelände des Klinikum Bremen-Mitte in Bremen. Auf der Station hat es einen schweren hygienischen Vorfall gegeben

Hygiene-Vorschriften auf dem Prüfstand

Osnabrück - Das Bundesgesundheitsministerium stellt nach dem Tod dreier Frühchen in einer Bremer Klinik bundesweit die Hygiene-Vorschriften auf den Prüfstand. Die Ermittler prüfen unterdessen die Krankenakten.

Die Staatsanwaltschaft will in den Ermittlungen um den Tod von drei Frühgeborenen in Bremen zunächst die Krankenakten der infizierten Kinder prüfen. Für die Auswertung werden die Ermittler medizinische Sachverständige hinzuziehen, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Freitag sagte. “Ob dann noch Zeugen gehört werden, wird man im weiteren Verlauf sehen.“

Lesen Sie dazu auch:

Nach Baby-Tod: Suche nach den Schuldigen

Auch das Bundesgesundheitsministerium reagiert auf den Vorfall und will die Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes nochmals auf den Prüfstand stellen. “Wir werden uns eng mit der Landesregierung und den Bremer Behörden abstimmen, um möglichst rasch Schlussfolgerungen aus dem aktuellen Vorfall zu ziehen“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Ulrike Flach, der Neuen Osnabrücker Zeitung. “Sofern sich Schutzlücken im Gesetz zeigen, werden wir nachsteuern“, sagte Flach. Nach Aussage der Staatssekretärin wird die Hygiene in Krankenhäusern in den Bundesländern sehr unterschiedlich gehandhabt. “Es bestehen nach wie vor Defizite im Vollzug der Vorschriften vor Ort.“

Bremer Klinik verlegt Frühchen auf andere Station

Die noch auf der Station befindlichen Kinder werden dafür in den nächsten Tagen Schritt für Schritt auf eine andere Station innerhalb der Kinderklinik verlegt, wie eine Sprecherin des Klinikverbundes Gesundheit Nord am Freitag sagte.

Anschließend sollen alle Geräte und Möbel aus der Frühchenstation in der Frauenklinik entfernt werden, um selbst Wände und Fußböden komplett zu säubern. “Eine so gründliche Desinfizierung dauert mindestens eine Woche“, sagte die Sprecherin. Anschließend würden die Geräte vollständig desinfiziert zurückgestellt und alle Materialen wie etwa Kanülen und Katheter ausgetauscht. Das Klinikum will mit den Maßnahmen die mögliche Quelle der Infektion mit einem gefährlichen Darmkeim ausschalten.

Wann genau die Frühgeborenen-Station wieder geöffnet werden könne, konnte die Sprecherin nicht sagen. Die Klinik hatte am Dienstag einen Aufnahmestopp für die Frühgeborenen-Station verhängt.

Auf einer Frühchenstation im Klinikum Bremen-Mitte hatten sich seit Ende Juli mehrere Säuglinge mit einem resistenten Erreger angesteckt. Sieben Babys erkrankten. Drei von ihnen starben. Die Staatsanwaltschaft hatte erst aus den Medien von den Vorfällen erfahren. Sie ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung.

dpa/dapd

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Familientragödie in Heidelberg: Vater (†63) und Tochter (†5) tot in Haus gefunden
Am Montagnachmittag findet eine Frau ihre kleine Tochter in der Wohnung des Vaters – beide tot. Wie Nachbarn die schrecklichen Ereignisse schildern:
Familientragödie in Heidelberg: Vater (†63) und Tochter (†5) tot in Haus gefunden
Hilft Vaginalsekret Immunsystem von Kaiserschnitt-Babys?
Kaiserschnitt-Kinder haben eine andere Darmflora als Babys, die auf natürlichem Weg zur Welt gekommen sind. Vaginalsekret könnte hier Abhilfe leisten. Die Methode ist im …
Hilft Vaginalsekret Immunsystem von Kaiserschnitt-Babys?
Horror-Schlägerei in bekanntem MTZ-Eiscafé: Jetzt spricht der Betreiber
Im bekannten MTZ-Eiscafé hat es vor wenigen Tagen eine wüste Schlägerei gegeben. Dabei gingen "Tiziano"-Angestellte mit Waffen auf Gäste los. Jetzt sprechen die …
Horror-Schlägerei in bekanntem MTZ-Eiscafé: Jetzt spricht der Betreiber
Störchen und ihren Jungen kam Trockenheit eher zugute
Wochenlang hat es vielerorts in Deutschland nicht oder nur ganz wenig geregnet. Muss man sich Sorgen machen um den Storchnachwuchs, der gern Regenwürmer frisst?
Störchen und ihren Jungen kam Trockenheit eher zugute

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.