Plötzlich machten Daten Sinn

Versunkener Kontinent unter Island? Forscher könnten jetzt gigantische Rätsel lösen

  • VonEmily Erhold
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Laut Forschern könnte unter Island ein versunkener Mikrokontinent liegen, der sich von Grönland bis Nordeuropa erstreckt. „Icelandia“ könnte die Antwort auf viele Fragen sein.

In einer Pressemitteilung stellte ein internationales Forscherteam rund um Gillian Foulger von der Durham University eine faszinierende Theorie auf: Island sei demnach nur die Spitze eines längst versunkenen Mikrokontinents. Ein Atlantis im Norden Europas? Für die Forscher gibt es einige Indizien, die darauf hinweisen.

So ist die Meerestiefe mit bis zu 600 Metern im Bereich um Island deutlich geringer als im restlichen Nordatlantik, der in den meisten Gebieten über 2000 Meter tief ist. Auch die Kruste unter Island soll laut den Forschern mit 40 Kilometern fast siebenmal dicker sein als eine gewöhnliche ozeanische Kruste. „Als wir die Möglichkeit in Betracht zogen, dass die dicke Kruste eigentlich kontinental ist, ergaben unsere Daten plötzlich Sinn“, erklärte Gillian Foulger in der Aussendung. Hinzu würden chemische Auffälligkeiten der Lavagesteine in dem Gebiet kommen, die die These der Wissenschaftler unterstützen.

Icelandia: Mikrokontinent könnte eine Million Quadratkilometer groß sein

Die Geologen der Durham University gehen davon aus, dass „Icelandia“ eine Fläche von 600 000 Quadratkilometern abdecken könnte. Bezieht man aber die angrenzenden Bereiche von Großbritannien in die Berechnungen mit ein, könnte das gesamte Gebiet, das von den Forschern „Greater Icelandia“ getauft wurde, sogar bis zu einer Million Quadratkilometer Fläche haben.

Falls ihre Theorie stimmt, würde das bedeuten, dass der Urkontinent Pangaea nie wirklich komplett auseinander gebrochen sei, heißt es in der Aussendung. Bisher ging man davon aus, dass dieser letzte Superkontinent der Erdgeschichte vor über 50 Millionen auseinandergedriftet ist.

Greater Adria, Zealandia, Mauritia: Die versunkenen Kontinente der Erde

„Icelandia“ wäre jedenfalls nicht der erste versunkene Mikrokontinent der Erde. Unser Planet verändert sich ununterbrochen, Kontinente kollidieren oder zerbrechen und ganze Landmasse werden vom Ozean verschluckt. So sind auch die versunkenen Mikrokontinente „Greater Adria“ in Südeuropa und „Zealandia“ unter Neuseeland entstanden. Doch sie sind nur einige Beispiele solcher Phänomene. Immer wieder entdecken Forscher neue versunkene Landmassen. So geht man etwa seit 2013 davon aus, dass sich im Indischen Ozean der Mikrokontinent „Mauritia“ befindet.

Forscher wollen nun ihre „Icelandia“-Theorie überprüfen

Um ihre These auch gründlich zu prüfen, plant das Team rund um Gillian Foulger bereits Studien und Messungen. „Es gibt noch vieles zu tun, um die Existenz von „Icelandia“ zu beweisen, aber gleichzeitig eröffnet uns das eine ganz neue Sicht auf die Geologie unserer Erde“, so Foulger. Denn ähnliche, bisher unentdeckte Mikrokontinente könnten noch an anderen Orten liegen und nicht nur Landkarten, sondern auch unsere Vorstellung der Erde verändern.

Rubriklistenbild: © IMAGO / agefotostock

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