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"Ich sah die Angst in seinen Augen"

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- Bagdad/Tikrit -­ Der irakische Ex-Diktator gab sich unbeugsam bis in den Tod: "Nieder mit den Verrätern, den Amerikanern, den Spionen und den Persern", ruft er ein letztes Mal, als ihm kurz vor seiner Hinrichtung nochmals sein Todesurteil vorgelesen wird. Dann wird er in einen kargen Kellerraum geführt. Es ist bitterkalt, wie Augenzeugen hinterher berichten.

Die Eindrücke der 14 Zeugen von Husseins Gefühlen im Angesicht des Todes gehen auseinander. "Ich sah die Angst in seinen Augen", erzählte der irakische Sicherheitsberater Muwaffak al-Rubai. Dagegen ein anderer: "Er zeigte keine Angst."

Zwei inzwischen veröffentlichte Videos zeigen einen gefasst wirkenden Saddam in weißem Hemd und schwarzem Mantel. Der 69-Jährige lässt sich mit gesenktem Blick widerstandslos von zwei jungen Männern in den Hinrichtungsraum führen. Seine Scharfrichter in Lederjacken und mit schwarzen Henkersmützen erklären ihm nüchtern die Prozedur. Der Todeskandidat lehnt es ab, eine Kapuze über den Kopf zu ziehen ­ er will sehenden Auges sterben.

Ein kurzer Blick zur Hinrichtungsstätte, dann betritt Saddam den mit einem roten Geländer umfassten Platz auf der Fallgrube. Die Scharfrichter legen ihm die Schlinge mit dem dicken Henkersknoten um den Hals und ziehen sie zu. Damit endet das erste, sechs Stunden nach der Hinrichtung ohne Ton ausgestrahlte Video. Dem Zuschauer bleiben die letzten Sekunden im Leben Saddams erspart. 

Ein zweites, mit einer Handy-Kamera aufgenommenes Video zeigt dagegen auch noch, wie Saddam nach Öffnen der Falltür am Strick hängt. In voller Länge wird es nur im Internet veröffentlicht, im Fernsehen wird die Hinrichtung nicht gezeigt. "Dieses dunkle Kapitel ist beendet worden", erklärt Sicherheitsberater al-Rubai nach der Vollstreckung.

Saddams Leichnam wurde am frühen Sonntagmorgen vor Sonnenaufgang an einer religiösen Stätte in seinem Heimatort Udscha beerdigt, wie der Gouverneur der Provinz Salahuddin, Hamad Hamud Schagtti, mitteilte.

An der Beisetzungsfeier nahmen nur wenige Verwandte und enge Vertraute des Getöteten teil. Viele knieten anschließend vor dem Grab, das mit der irakischen Flagge bedeckt war. Auf einem daneben stehenden Stuhl wurde ein großes Foto von Saddam Hussein platziert. "Ich verurteile die Art und Weise, wie er hingerichtet wurde. Ich halte das für ein Verbrechen", sagte Salam Hassan al Nasseri von Saddam Husseins Albu-Nassir-Clan. Andere Anhänger des früheren irakischen Machthabers sagten, die Ideale des Toten seien im Irak weiter lebendig.

Die irakische Regierung habe sich in Fragen der Beisetzung als äußerst kooperativ erwiesen, sagte der Clanführer. Das Grab des gestürzten irakischen Machthabers befindet sich etwa drei Kilometer entfernt von der letzten Ruhestätte seiner Söhne Odai und Kusai, die im Juli 2003 von US-Soldaten in Mossul getötet wurden.

Die Zufahrten nach Tikrit wurden gesperrt, den Anwohnern wurde für vier Tage die Ausreise verboten. Trotz eines Ausgehverbots zogen bewaffnete Anhänger Husseins durch die Straßen der Stadt. Sie führten Bilder des Hingerichteten mit sich und forderten Rache.

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