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Aral-Mitarbeiter mit Kopfschuss getötet: Kriminal-Experte will unfassbares Tätermotiv nicht glauben

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Idar Oberstein (Rheinland-Pfalz): Polizisten sichern eine Tankstelle.
Tödliche Schüsse in Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz): Polizisten sichern eine Tankstelle. © Christian Schulz/dpa

Ein Kassierer (20) einer Tankstelle wurde mit einem gezielten Kopfschuss von einem Mann erschossen. Das Motiv macht fassungslos. Ein Experte äußert Zweifel.

Idar-Oberstein/Wiesbaden - Im Fall des tödlichen Schusses auf einen Tankstellen-Kassierer muss nach Einschätzung des Kriminalpsychologen Rudolf Egg das Aggressionspotenzial des Täters genau untersucht werden.

„Man muss bei einer Tat immer unterscheiden zwischen dem unmittelbaren Anlass und dem eigentlichen Grund“, sagte der Fachmann aus Wiesbaden der Deutschen Presse-Agentur. „Was da wirklich an diesem Tag und an diesem Abend war, worüber er sich noch geärgert hat“, sei noch völlig unklar. Möglicherweise habe der Verdächtige ganz andere Gründe als die Corona-Auflage gehabt.

Corona-Maskenpflicht als Mordmotiv - Psychologe nennt wichtigen Punkt

Der 49 Jahre alte Mann hatte laut Staatsanwaltschaft gesagt, er lehne die Corona-Maßnahmen ab. Zum Motiv der Tat im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein habe er angegeben, die Situation der Corona-Pandemie belaste ihn stark. Er habe sich in die Ecke gedrängt gefühlt und „keinen anderen Ausweg gesehen“, als ein Zeichen zu setzen.

„Niemand, der auch nur halbwegs vernünftigen Verstandes ist, wird einen ihm völlig unbekannten jungen Mann einfach deshalb erschießen, weil er sagt: ‚Du musst jetzt eine Maske aufsetzen!‘“, betonte Egg. „Das ist kriminalpsychologischer Nonsens.“ (Unsinn)

Der pensionierte Kriminalpsychologe Egg war mehrere Jahre Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention sowie Direktor der Kriminologischen Zentralstelle des Bundes und der Länder.

Bei den Entstehungszusammenhängen der Tat müsse man „sehr, sehr aufpassen“, mahnte Egg. „Manchmal ist es nur zeitlich miteinander verknüpft, ohne wirklich ursächlich zu sein.“

Idar-Oberstein: Mord an Tankstelle - schwierige Suche nach Tätermotiv

„Der letzte Tropfen, der das Fass der Aggressivitätsneigung zum Überlaufen gebracht hat, den kann man nicht als die Ursache ansehen“, berichtete Egg aus seiner langjährigen Erfahrung. „Da wäre im nächsten Moment was anderes der Fall gewesen.“ Als Beispiele nannte er eine missachtete Vorfahrt oder jemanden, der nicht grüßt. „Bei Personen, die ein Gewaltpotenzial haben und so unter Druck stehen, ist es fast egal.“ Sie nähmen jede Einschränkung als Anlass.

Viele orientierten sich bei ihrer Tat „an dem, was zeitgeistig vorhanden ist“. Über Corona-Auflagen ärgerten sich viele Menschen, in einigen Ländern seien sie ja auch bereits abgeschafft. „Es gibt eine reale Diskussion, die aber auf einem vernünftigen Level abläuft, und es gibt Personen, für die ist das der Anlass, sich da einzuklinken, ohne dass man sagen kann, das ist jetzt genau deswegen.“ (dpa)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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