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Aufhebung der Impfpriorisierung sorgt für heftige Bürger-Reaktionen gegen Spahn - „Maßlos enttäuscht“

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Von: Michelle Brey

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Am 7. Juni wird die Impfpriorisierung aufgehoben. In der ARD-Tagesschau stand Jens Spahn Rede und Antwort. Indes ist die Kritik auf Twitter groß.

Berlin - Er ist der große Hoffnungsträger in der Corona-Pandemie: der Impfstoff. Seit dem Start der Impfkampagne (27. Dezember 2020) wurden knapp 9,3 Millionen Menschen vollständig geimpft. Das entspricht 11,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. Rund 30,7 Millionen Menschen haben mindestens eine Impfdosis erhalten (Stand: 17. Mai). Die Impf-Termine wurden über eine Priorisierung für definierte Risikogruppen vergeben - ab dem 7. Juni soll damit in Praxen und Impfzentren Schluss sein. (Zuvor wurde unter anderem in Bayern angekündigt, die Priorisierung in Arztpraxen aufzuheben.)

Am Montag (17. Mai) kündigte nun Gesundheitsminister Jens Spahn an, die Impf-Reihenfolge aufzuheben. Er begründete den Schritt mit der Notwendigkeit, die Impfkampagne weiter zu beschleunigen. Während Spahn sich am Montagabend im Interview mit den ARD-Tagesthemen ausführlich äußerte, macht sich unter dem Hashtag „Impfpriorisierung“ auf Twitter Wut und Kritik breit.

Corona: Spahn kündigt Aufhebung der Impfpriorisierung an - „Den nächsten Schritt gehen“

„Wir haben mittlerweile sehr verlässlich auch die Lieferung an Impfstoffen - vor allem von Biontech, unserem Volumenlieferanten. Und wir haben in diesen drei Wochen noch 15 Millionen Erst- und Zweitimpfungen“, sagte Spahn in der ARD. „Wir können also jetzt noch eine Menge Menschen mit Priorisierung impfen und dann im Juni den nächsten Schritt gehen.“

Dass am 7. Juni mit der Aufhebung der Impfpriorisierung alle, die wollen, auch geimpft werden können, verneinte er: „Das heißt nicht, dass wir dann alle binnen weniger Tage impfen können. Ich muss weiter um Geduld bitten. Wir werden bis in den Sommer hinein brauchen, um alle, die wollen, auch impfen zu können.“ Jedoch könnte sich jeder um einen Corona-Impftermin bemühen. Droht dadurch das große Impf-Chaos?

Aufhebung der Impf-Reihenfolgen - Twitter-User wütend: „Dann weiß ich, was ich mir zu Weihnachten wünschen kann“

Die Befürchtungen sind groß - und auf Twitter meldeten sich dutzende aufgebrachte User unter dem Hashtag „Impfpriorisierung“ zu Wort. „Okay, wenn die Impfpriorisierung aufgehoben wird, dann weiß ich (Prio 3) wenigstens, was ich mir zu Weihnachten wünschen kann“, schrieb ein Twitter-User. Ein anderer kritisierte: „Der Spahn hat echt noch nichts verstanden. Ich bin Prio-Gruppe 2 und habe Anfang April einen Termin für Anfang Juni bekommen. Und jetzt erzählt der was von der Aufhebung der Impfpriorisierung.“

„Ich könnte gerade gegen die Wand schlagen. Die Priogruppe 3 bedankt sich für nichts“, sendete ein weiterer User einen Tweet ab. „Ja, lass doch einfach die Impfpriorisierung aufheben, damit Annette und Thomas im Sommer nach Malle dürfen und weiter schön CDU wählen“, schrieb jemand. Eine Userin adressierte Spahn schließlich direkt: „Es wäre schön gewesen, wenn Sie zuvor ihr Versprechen eingelöst hätten, vulnerable Menschen zuerst zu impfen. Wir hatten uns darauf verlassen und sind maßlos enttäuscht. Wie kann derart unfair gehandelt werden?“

Aufhebung der Impfpriorisierung in Deutschland: „Möglichst allen ein Angebot machen“

Laut Jens Spahn sei es wichtig, „möglichst allen ein Angebot“ zu machen. „Im Bundesschnitt sind über 70 Prozent der über 60-Jährigen geimpft“, führte er im ARD-Interview aus. „Wenn wir von einer Impfbereitschaft von 80 bis 90 Prozent ausgehen, ist da der größte Teil der Impfwilligen bereits mit mindestens einer Erstimpfung versehen. Das ist die größte Risikogruppe.“ Auch könne man nicht „warten, bis jeder in einer Gruppe geimpft ist“, so Spahn. Es brauche fließende Übergänge.

Indes ist die Sorge vor Corona-Mutationen in Deutschland groß. Nach einem Ausbruch in einem Hochhaus sind rund 200 Bewohner in Quarantäne. (mbr)

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