Nur langsamer Fortschritt

Nächster Flop bei Corona-Impfungen in Deutschland? Pharmakonzern liefert weniger - und beruft sich auf Vereinbarung

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Die Planung der Corona-Impfungen in Deutschland steht vielerorts in der Kritik. Nordrhein-Westfalen verhängt einen Impfstopp. Der US-Pharmakonzern Pfizer haut den nächsten Impf-Hammer raus.

+++ Wir beenden diesen Ticker. Alle weiteren Entwicklungen zur den Coronavirus-Impfungen in Deutschland lesen Sie fortan in diesem News-Ticker. +++

Update vom 21. Januar, 16.55 Uhr: Weitere Hiobsbotschaft vom US-Pharmakonzern Pfizer. Das Unternehmen liefert jetzt weniger Ampullen seines Corona-Impfstoffes an die Besteller-Länder aus.

Der Konzern begründete dies am Donnerstag in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AFP mit einer Stellungnahme der EU-Arzneimittelbehörde EMA, wonach aus jedem Fläschchen bis zu sechs Impfdosen gezogen werden könnten. Bisher ging Pfizer von fünf Dosen pro Ampulle aus - und berechnete entsprechend die Zahl der zu liefernden Ampullen. Der Impfstoff wurde gemeinsam mit dem deutschen Unternehmen Biontech entwickelt.

Corona-Impfstoff: Pfizer liefert jetzt weniger Ampullen aus

„Wir halten unsere Lieferverpflichtungen gegenüber den Staaten ein“, betonte Pfizer. Die Bestellungen hätten „immer auf einer Gesamtzahl von Dosen beruht und nicht von Ampullen“. Die EMA hatte es den EU-Staaten am 8. Januar erlaubt, sechs Dosen aus jedem Fläschchen zu ziehen. Allerdings sind dafür spezielle Spritzen nötig, über die nicht alle Länder in ausreichender Zahl verfügen.

Update vom 20. Januar, 22.50 Uhr: Ganz vereinzelt gibt es Todesfälle nach Impfungen gegen das Coronavirus. Die Anzeichen mehren sich, dass die Toten hohen Alters und aus Pflegeheimen sind. Eine Behörde spricht sich für eine Abwägung aus (siehe Link).

Corona-Impfungen in Deutschland: NRW verhängt Impfstopp in Krankenhäusern

Update vom 20. Januar, 10.24 Uhr: Das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) verhängt einen sofortigen Impfstopp in Krankenhäusern, die mit Biontech-Impfstoff versorgt werden. Grund seien Lieferprobleme, heißt es in einer E-Mail des Gesundheitsministeriums, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Ein Ministeriumssprecher bestätigte am Mittwoch die Echtheit des Schreibens. Mehrere Medien hatten zuvor berichtet.

Pfizer hatte am vergangenen Freitag kurzfristig angekündigt, die Liefermengen des Biontech-Corona-Impfstoffs zu verringern. Umbauten an einem Werk in Belgien seien der Grund dafür. Bund und Länder hatten die kurzfristige Information dazu kritisiert.

NRW hatte eigentlich geplant ab dem 18. Januar „allen Beschäftigten in Krankenhäusern in besonders von Corona betroffenen Krankenhausbereichen (z.B. Notaufnahmen, COVID-19-Stationen)„ ein Impfangebot zu machen.

NRW verhängt sofortigen Impfstopp in Kliniken

Wegen der verzögerten Lieferung des Corona-Impfstoffs von Biontech verschiebt NRW den Start der Impfungen für über 80-Jährige, die zu Hause leben. Die 53 Impfzentren im Land nehmen ihren Betrieb nun erst am 8. Februar auf - eine Woche später als bislang geplant, wie ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Erstimpfungen finden in der kommenden Woche keine statt, doch Zweitimpfungen sollen in Krankenhäusern und stationären Pflegeeinrichtungen wie geplant vorgenommen werden. 80.000 Impfdosen sind dafür vorgeplant, teilte eine Sprecherin des Landesgesundheitsamts in Düsseldorf der Nachrichtenagentur AFP mit.

Corona-Impfungen in Deutschland: Bürgermeister tobt wegen Impf-Desaster in seiner Stadt - „Da ist geschuftet worden“

Erstmeldung vom 19. Januar 2021

München/Hanau - Schwieriger Kampf gegen Covid-19: Die Kritik an Planung und Organisation der Coronavirus-Impfungen in Deutschland hält weiter an. Jetzt hat ein Bürgermeister aus Hessen seinem Unmut freien Lauf gelassen.

Coronavirus-Impfungen in Deutschland: Sechs von 28 Impf-Zentren öffnen in Hessen

Konkret: In Hanau bei Frankfurt am Main steht ein Impf-Zentrum, das eigentlich einsatzbereit wäre, leer - und es kann auch in den kommenden Wochen voraussichtlich nicht öffnen. Denn: Der Impfstoff gegen das heimtückische Corona fehlt auch hier.

„Da ist von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschuftet worden, um es fertigzustellen. Dass es seit dem 11. Dezember ungenutzt ist, verstehen viele Bürgerinnen und Bürger nicht. Ich verstehe es auch nicht“, sagte Hanaus Bürgermeister Claus Kaminsky (SPD) bei Welt live.

Der Hintergrund: An diesem Dienstag (19. Januar) öffneten die ersten sechs von 28 (geplanten) Impf-Zentren in Hessen, Hanau gehörte aber nicht dazu.

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Weiter Kritik an Planung der Covid-19-Impfungen

Nicht nur, dass sie mit Blick auf die ersten Impfungen am 27. Dezember vergleichsweise spät aufmachen, die weiteren 22 Impf-Zentren sollen mangels Impfstoffes erst am 9. Februar mit ihrer wichtigen Arbeit starten. Dabei zählt in der Corona-Krise nach Aussage vieler Politiker und Experten bekanntlich jeder Tag.

Auch woanders in Hessen läuft es nicht rund: Das Impf-Zentrum in Wiesbaden hat seine Arbeit zwar aufgenommen. Bis zu 1000 Menschen könnten hier täglich geimpft werden. Könnten. Es sind aber deutlich weniger. Es mangelt an ausreichend Impfstoffdosen. (pm)

Rubriklistenbild: © imago images / Patrick Scheiber

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