Kurz vor der Zulassung

Corona-Impfstoff: Virologe Kekulé will zur Impfung nicht „unter den ersten“ sein - Trotzdem gibt er Versprechen

  • Katharina Haase
    vonKatharina Haase
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  • Klaus Rimpel
    Klaus Rimpel
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Wann wird der vielversprechende Impfstoff von Biontech und Pfizer geliefert? Gesundheitsminister Jens Spahn ist sich sicher: zügig. Doch können sich auch ärmere Nationen den Impfstoff leisten?

  • Gesundheitsminister Jens Spahn erwartet zügig einen Liefervertrag der EU für einen Corona-Impfstoff.
  • Das Mittel wird von den Firmen Biontech und Pfizer entwickelt.
  • Die Bundesregierung plant eine neue App zur Erfassung von Nebenwirkungen. (Update, 13. November)
  • Dieser News-Ticker ist beendet. Die Fortsetzung ab dem 16. November finden Sie hier.

Update vom 13. November, 20.02 Uhr: Der aussichtsreiche Corona-Impfstoffkandidat des Pharmaunternehmens Biontech hat vielerorts für euphorische Reaktionen gesorgt. Erste Zwischenergebnisse der Testphase ergaben, dass das Serum eine Wirksamkeit von bis zu 90 Prozent aufweisen konnte.

Trotzdem äußerte sich Virologe Alexander Kekulé zurückhaltend. Zwar werde er sich impfen lassen, sagte er im Interview mit der Welt. Der Wissenschaftler ergänzte aber: „Ich lege keinen besonderen Wert darauf, unter den ersten 100.000 zu sein.“

Der Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums in Halle will lieber den weiteren Verlauf der Biontech-Studie abwarten. „Bis jetzt hat es keine schweren Nebenwirkungen gegeben, aber es haben ja auch nur etwas über 20.000 Personen den Biontech-Impfstoff bekommen“, meinte Kekulé. „Wenn es schwere Nebenwirkungen gäbe, die auch nur bei 1:10.000 auftreten, dann wäre das natürlich bei vielen Millionen Geimpften ein Problem.“

Doch falls sich die ersten positiven Erkenntnisse über den Biontech-Impfstoff bestätigen, „werden die Leute schon zum Impfen kommen“, ist sich Kekulé sicher. Und dann sei auch die aus seiner Sicht kritische Marke überschritten: „Bis der Impfstoff hier zugelassen ist, werden ihn weit über 100.000 im Rahmen von Studien bekommen haben.“

Zudem nimmt er dabei auch Bezug auf die neue Variante eines Impfstoffs: „Wissen Sie, das ist ein RNA-Impfstoff. Das ist etwas, was es noch nie gegeben hat. Da verstehe ich wirklich jeden, der sagt: Ich will jetzt nicht der Erste in der Reihe sein. Der Großteil der Bevölkerung wird erst mal warten, wie das mit den Nebenwirkungen laufen wird.“

Corona-Impfstoff: Biontech dementiert Bericht über Hackerangriff

Update vom 13. November, 17.07 Uhr: Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech, das einen vielversprechenden Corona-Impfstoffkandidaten entwickelt hat (siehe Ursprungsmeldung vom 10. September), dementiert einen Bericht über einen Hackerangriff. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Das Magazin Business Insider hatte zuvor vermeldet, unbekannte Hacker hätten im September einen Cyberangriff auf Biontech verübt. Dabei sei aber kein Schaden entstanden.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte den Zeitungen der Funke Mediengruppe erst am Donnerstag mitgeteilt, es treffe schon seit Monaten Vorkehrungen gegen mögliche Spionageangriffe auf deutsche Unternehmen, die Forschungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie betreiben. Alle diese Unternehmen seien seit Mai in allgemeiner Form hinsichtlich möglicher Hackerangriffe durch ausländische Geheimdienste „sensibilisiert“ worden.

Über Cyberattacken hinaus seien „verstärkte Aktivitäten ausländischer Nachrichtendienste“ im Bereich solcher Unternehmen und wissenschaftlicher Einrichtungen zu befürchten, die an Impfstoffen, Medikamenten, Antikörpertests und weiteren Innovationen mit unmittelbarem Bezug zur Corona-Pandemie forschten, erklärte die Behörde. Die Firmen wurden demnach gebeten, bei „Auffälligkeiten“ das Bundesamt oder die Verfassungsschutzbehörden der Länder zu kontaktieren.

Corona-Impfstoff: Erster Proband klagt über Symptome - Regierung plant App zur Erfassung von Nebenwirkungen

Update von Freitag, 13. November, 8.11 Uhr: Die Bundesregierung plant, Nebenwirkungen eines möglichen Impfstoffs gegen Covid-19 mithilfe einer neu entwickelten App zu erfassen. Das berichtet der Tagesspiegel am Freitag. In der App sollen bereits geimpfte Personen die Möglichkeit bekommen, mögliche Symptome an die zuständigen Behörden übermitteln können.

Reinhold Schmidt, Leiter des wissenschaftlichen Beirats des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) das in Deutschland für solche Analysen verantwortlich ist, bestätigte auf Nachfrage die Arbeit an einer solchen App. Nachdem bekannt wurde, dass das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Pharmakonzern Pfizer bereits die Zulassung eines Impfstoffs mit 90-prozentiger Wirkung gegen eine Infektion mit dem Coronavirus planen, wurde auch über die möglichen Nebenwirkungen des schneller als üblich entwickelten Impfstoffs diskutiert.

Corona-Impfstoff kurz vor Zulassung: Bundesregierung plant App zur Erfassung von Nebenwirkungen

So ist derzeit noch wenig darüber bekannt, wie verträglich der Impfstoff wirklich ist, wie lange seine Wirksamkeit anhält und ob es Langzeit-Nebenwirkungen gibt. Mittels einer neuen App sollen dies nun im Laufe des kommenden Jahres herausgefunden werden, heißt es im Tagesspiegel weiter.

Anhand der Daten des PEI könne dann auch über eine generelle Zulassung des Impfstoffs entschieden werden. Bereits 2018 hat das Institut im Zusammenhang mit Grippeimpfungen eine ähnliche App mit dem Namen „SafeVac“ getestet.

Die Bundesregierung will eine App für Corona-Nebenwirkungen auf den Weg bringen (Symbolbild).

Update vom 12. November, 9.45 Uhr: Am Montag (10. November) gaben das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech mit seinem US-Partner Pfizer bekannt, dass sich der erste Impfstoff gegen das Coronavirus in bisherigen Studien als ausgezeichnet erweist und eine Effektivität von bis zu 90 Prozent erreicht werden soll. Bis zum Jahresende 2021 sollen 1,3 Milliarden Impfmittel ausgeliefert werden. Der Impfstoff kommt zwar sehr früh auf den Markt, jedoch birgt er besonders für ärmere Länder eine große Herausforderung.

Um den Impfstoff flächendeckend zu verteilen, benötigt es eine passende Infrastruktur. Der mRna-Impfstoff erfordert nämlich von der Produktion bis zur Behandlung eine Tiefkühlung und ist nur dann wirksam, wenn er sich nie über -70 bis -80 Grad erhitzt. Das berichtet „Focus Online“.

Der Pharmariese Shanghai Fosun Pharmaceutical baut, laut „Bloomberg“ , ein solches logistisches Netzwerk auf. Hierzu sind spezielle Kühlhäuser an Flughäfen, Lkws mit ebenfalls tiefgekühlten Anhängern zum Transport sowie Impfstationen im gesamten Land notwendig. Fünf Tage lang sei der Impfstoff dann in Kühlschränken bei zwei bis acht Grad Celsius haltbar. Hinzu kommt erschwerend, dass der Impfstoff zweimal gespritzt werden muss, um einen vollständigen Schutz zu bieten und es somit auch eine zweimalige Lieferung erforderlich ist. „Die Produktion ist teuer, die Komponenten sind instabil, es braucht eine Tiefkühl-Lieferkette und hat eine sehr kurze Lagerzeit“, brachte es Ding Sheng, Direktor des in Peking ansässigen „Global Health Drug Discovery Institute“, gegenüber „Bloomberg“ auf den Punkt. Anforderungen, die sich ärmere Nationen wohl schlicht nicht leisten können.

Corona-Pandemie: Minister appelliert - „Ein Impfstoff wird nicht reichen“

Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat die Forderung nach einer Versorgung auch ärmerer Staaten mit Impfstoffen gegen das Coronavirus indes bekräftigt. Er wolle dabei erreichen, dass eine Verteilung auch innerhalb der Länder fair erfolge, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Uns muss klar sein: Corona besiegen wir nur weltweit oder gar nicht“, betonte er. Auch Müller weist auf die „hohen Anforderungen“ hin, die der Impfstoff aus Mainz mit sich bringt. „Ein Impfstoff alleine wird daher nicht reichen. Wir brauchen weitere, die auch einfacher zu handhaben sind und so in entlegene Regionen gebracht werden können.“

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Impfstoff-Strategie in Deutschland: Neue Details bekannt

Update vom 11. November, 16.27 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt vor übermäßiger Euphorie nach den Nachrichten über den neuen Impfstoff. „Wir müssen davon ausgehen, dass die zweite Welle härter ist, und sie fällt vor allem in eine schlechte Jahreszeit“, erklärt sie bei der digitalen Übergabe des Jahresgutachtens der „Wirtschaftsweisen“. Das berichtet der Spiegel. Die Pandemie werde uns noch den ganzen Winter beschäftigen. Man müsse weiterhin den Regeln folgen.

Auch wurden neue Details zur Impfstoff-Strategie des Bundes bekannt. Laut Recherchen des Business Insiders soll in geplanten Impfzentren bis zu 4000 Menschen am Tag der Wirkstoff verabreicht werden können. Pro Zentrum seien dafür etwa 100 Mediziner notwendig, heißt es aus Kreisen der Kassenärztlichen Vereinigungen. Mit ihnen will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag über Details sprechen, so Business Insider weiter.

Erste Reaktionen auf den neuen Impfstoff: So sind die Nebenwirkungen

Update vom 11. November 15.31 Uhr: Während der Rest der Welt noch sehnsüchtig auf den Impfstoff wartet, haben einige Probanden mit dem neuen Serum der Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer schon erste Erfahrungen gemacht. Die britische Daily Mail hat mit einigen Probanden gesprochen, die den Impfstoff in der Testphase bekommen haben und sie zu den Nebenwirkungen befragt.

Ein 44-jähriger Mann aus Texas beschreibt die Nebenwirkungen dem Blatt zufolge zunächst wie „einen schlimmen Kater“. Die Symptome seien aber schnell abgeklungen. Zwei andere Probandinnen soll von Nebenwirkungen berichtet haben, die denen einer Grippe-Impfung gleichen: Fieber sowie Kopf- und Muskelschmerzen. Nach der zweiten Injektion seien diese stärker aufgetreten als nach der ersten, dann aber wieder verschwunden.

Mehr als 43.500 Menschen aus sechs Ländern hatten an den Phase-3-Studie der beiden Unternehmen für ihren Wirkstoff teilgenommen.

Offiziell grünes Licht für den EU-Deal mit Biontech und Pfizer

Update vom 11. November, 13.12 Uhr: Nachdem die EU und die Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer am Dienstag einen Deal über die Lieferung von insgesamt 300 Millionen Dosen des neuen Impfstoffes ausgehandelt haben, hat die EU diesen nun auch formal bestätigt. Damit hat die EU nun Bezugsrechte für das Serum, sobald es eine Zulassung erhält. Wann genau dies der Fall sein wird, ist aber noch unklar.

Keine Corona-Impfpflicht in Deutschland: Ministerin Karliczek will „selbstbestimmte“ Entscheidung

Update vom 11. November, 11.28 Uhr: Angesichts der steigenden Hoffnung auf eine baldige Corona-Impfung stellt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) klar, dass eine Impfpflicht nicht geben soll. Eine solche Pflicht sei nicht vorgesehen, sagte Karliczek der Augsburger Allgemeinen. Mit Blick auf mögliche Bedenken in der Bevölkerung betonte sie, dass die kontinuierliche Information und Aufklärung* der Bevölkerung zur Wirksamkeit der Impfung und ihrer Risiken wichtig sei.

„Wenn positive Ergebnisse zur Sicherheit und Wirksamkeit von Impfstoffen vorliegen, sollten diese auch bekannt gemacht werden“, sagte Karliczek. Dies solle den Menschen dabei helfen, „eine selbstbestimmte Impfentscheidung zu treffen“. In Deutschland hatten einige befürchtet, eine Schutzimpfung könnte verpflichtend werden.

Neuer Corona-Impfstoff: Biontech nimmt Sorge vor ungerechter Verteilung des Serums

Update vom 11. November, 10.25 Uhr: Nur wenige Tage nach der Bekanntgabe eines ersten Impfstoffes gegen das Coronavirus, kamen Sorge um eine ungleiche Verteilung auf. Doch das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech ist Befürchtungen entgegengetreten, dass der von ihm zusammen mit dem US-Konzern Pfizer entwickelte Corona-Impfstoff zunächst bevorzugt in den Vereinigten Staaten verteilt werden könnte. „Wir haben zusammen mit Pfizer vereinbart, dass wir den Impfstoff gleichmäßig und gerecht verteilen“, sagte Biontech-Finanzvorstand Sierk Poetting den Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung.

Seine Firma wolle „definitiv nicht, dass es eine unfaire Überhöhung der Chargen in einzelnen Regionen gibt“, betonte Poetting. Deshalb habe Biontech auch Wert darauf gelegt, dass ein Großteil des Impfstoffs in Europa hergestellt werden könne. „Über die Verteilung entscheiden wir mit Pfizer gemeinsam“, betonte der Finanzvorstand.

Charité-Forscher zu neuem Biontech-Impfstoff: „Das ist eine Zäsur“

Update vom 11. November, 9.44 Uhr: Am Montag gaben das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech mit seinem US-Partner Pfizer bekannt, dass sich der erste Impfstoff gegen das Coronavirus in den bisherigen Studien hervorragend schlägt. Eine Effektivität von bis zu 90 Prozent soll damit erreicht werden. „ Freude und Erleichterung“ über diese Nachricht hat auch Professor Leif Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité, empfunden. Das verrät er in einem Interview mit dem Spiegel. Lange habe nicht festgestanden, ob man überhaupt einen Impfstoff finden würde. Das Tempo, in dem dies nun geschehen sei, habe er nicht erwartet. „Hier ist mit kaum vorstellbarer Geschwindigkeit gearbeitet worden und dennoch unter Wahrung aller Sorgfaltspflichten“, lobt der Wissenschaftler.

Allerdings mahnt er dennoch zur Vorsicht. Zum jetzigen Zeitpunkt bedeuteten die neuen Entwicklungen noch keine Wende im Kampf gegen Covid-19. „Denn weder ist das Impfmittel weithin verfügbar noch ist sein Sicherheitsprofil ausreichend erforscht“, erklärt Sander im Gespräch. Doch man könne mit dieser Perspektive „vorsichtigen Optimismus“ walten lassen. Denn er glaubt, dass in Zukunft mehrere Impfstoffe erfolgreich sein könnten und dauerhaften Schutz bieten werden.

Neuer Biontech-Impfstoff: EU-Deal über Lieferung steht

Update vom 10. November, 21.37 Uhr: Die Verhandlungen der EU-Kommission mit dem Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und dessen US-Partner Pfizer* sind abgeschlossen. Der Vertrag soll „in den kommenden Tagen unterzeichnet“ werden, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwartet nun einen zügigen Zulassungsprozess für den Corona-Impfstoff. Der Vertrag gilt für 200 Millionen Impfdosen für ganz Europa. Für weitere 100 Millionen gibt es eine Option. Spahn möchte, dass Deutschland 100 Millionen Dosen des Serums bekommen soll. Laut Vertrag stehen Deutschland 19 Prozent der von der EU gekauften Gesamtmenge zu, also knapp 56 Millionen Dosen. Bis der einzelne Bürger sich impfen lassen kann, ist es aber noch ein langer Weg:

Vor der Verteilung des Biontech-Impstoffs an die Bevölkerung gibt es noch einige Hürden

1. Hürde: Produktion. Biontech, aber auch andere Hersteller haben schon vor der Zulassung mit der Produktion begonnen. Für die Herstellung eines möglichen Corona-Impfstoffs hat das Mainzer Unternehmen von dem Schweizer Pharmakonzern Novartis dessen Produktionsstätte in Marburg gekauft. Dort arbeiten 300 Beschäftigte, die bereits im ersten Halbjahr 2021 bis zu 250 Millionen Dosen des möglichen Impfstoffs herstellen sollen. 750 Millionen Dosen jährlich sollen möglich sein, sobald die Produktionsstätte voll funktionsfähig ist.

2. Hürde: Verteilung. Die Produktion braucht Zeit – aber auch die Auswahl der vorrangig Berechtigten und das Impfen selbst dauert. In einem Thesenpapier geht Matthias Schrappe, Internist an der Uni Köln, davon aus, dass es rund tausend Arbeitstage – also vier Jahre – dauern würde, rund 60 Millionen Menschen in Deutschland zu impfen. Und das auch nur, wenn pro Tag 60.000 Impfungen verabreicht werden können. Deshalb müssen die Tageskapazitäten gesteigert werden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) rechnet damit, dass eine umfassende Impfung der Bevölkerung gegen das Coronavirus bis ins Jahr 2022 dauern wird – bei 100.000 Impfungen pro Tag. Die Bundesländer richten dafür 60 Impfzentren ein. In München soll solch ein Impfzentrum in den Messehallen aufgebaut werden. Der Impfstoff wird – sobald es ihn gibt – entweder durch die Bundeswehr oder durch die Firmen selbst zu den Standorten geliefert. Zudem sollen mobile Teams in Altenheimen impfen.

3. Hürde: mögliche Nebenwirkungen. Normalerweise dauert es vier bis sieben Jahre, ehe ein neuer Impfstoff zugelassen wird. Für den Corona-Impfstoff gibt es in Europa beschleunigte Zulassungsverfahren. Spahn betont, dass dabei Vorgaben zu potenziellen Nebenwirkungen nicht abgesenkt würden. Doch Leif-Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité, räumte ein, zu möglichen Nebenwirkungen lasse sich noch nicht allzu viel sagen. Zwar hätten sich nach Angaben der Unternehmen keine sicherheitsrelevanten Nebenwirkungen gezeigt. Sander verweist aber darauf, „dass der Beobachtungszeitraum für relevante Impfnebenwirkungen noch zu kurz ist“.

Biontech: Noch ist unklar, ob geimpfte Personen das Virus trotzdem übertragen können

4. Hürde: Unklare Wirkung. Offen ist auch, ob Geimpfte das Virus weitertragen können – was vor allem für Menschen, die im Gesundheitssektor arbeiten, problematisch wäre. Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie in der München Klinik Schwabing, geht davon aus, dass die Corona-Impfung – ähnlich wie die Grippe-Imfpung – regelmäßig wiederholt werden muss. Sebastian Ulbert, Immunologe am Fraunhofer-Institut in Leipzig, rechnet damit, dass Senioren wegen ihres schwächeren Immunsystems eine größere Menge an Impfstoff brauchen.

5. Hürde: Akzeptanz. Die Bundesregierung betont, dass es keine allgemeine Impfpflicht geben soll. Doch die Impfbereitschaft ist in den letzten Jahren auch wegen lautstarker Kampagnen von Impf-Gegnern zurückgegangen und liegt derzeit laut Umfragen bei unter 60 Prozent. Das ist zu wenig, um eine Herdenimmunität auszubilden, weshalb Wissenschaftler die Politik auffordern, mit Aufklärungs-Kampagnen und Transparenz die Impfbereitschaft zu erhöhen. „Es braucht am Ende eine hohe Akzeptanz“, so Spahn.

Biontech: EU sichert sich 200 Millionen Dosen des Impfstoffs

Update vom 10. November, 16.08 Uhr: Gesundheitsminister Jens Spahn hofft, dass Deutschland bis zu 100 Millionen Dosen von Biontech und Pfizer erhält (siehe auch Erstmeldung vom 10. November). Pro Impfung sind zwei Dosen nötig. Die EU sicherte sich in einem Vorvertrag 200 Millionen Dosen.

Nach eigenen Angaben hat das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech mit seinem US-Partner Pfizer mit mehreren Ländern Liefervereinbarungen von insgesamt 570 Millionen Dosen seines Corona-Impfstoffs für dieses und das nächste Jahr geschlossen. Darüber hinaus gebe es Kaufoptionen für weitere 600 Millionen Dosen, teilte Biontech am Dienstag mit. Alle Vereinbarungen sind den Angaben zufolge abhängig vom klinischen Erfolg und der Zulassung.

Um diese Mengen bewältigen zu können, hatte das Mainzer Unternehmen bereit im September eine Produktionsanlage des Schweizer Pharmariesen Novartis in Marburg übernommen. Insgesamt besitzt Biontech damit drei Produktionsanlagen in Deutschland. Hinzukommen mindestens vier Anlagen von Pfizer in den USA.

Biontech: Impfstoff unterhalb üblicher Marktpreise

Update vom 10. November, 15 Uhr: Biontech will den Preis für seinen Corona-Impfstoff unter den „typischen Marktpreisen“ ansetzen. Biontech-Manager Ryan Richardson sagte der Financial Times. Das Pharmaunternehmen wolle demnach die Bepreisung je nach Land und Region zu differnzieren wolle, um einen weltweit breit angelegten Zugang zu gewährleisten.

Update vom 10. November, 14.06 Uhr: Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU*) hat Bedenken widersprochen, ein Impfstoff* gegen das Coronavirus* könnte vorschnell genehmigt werden. „Wir halten uns an unsere hohen Qualitätsstandards im Zulassungsverfahren“, versicherte sie am Dienstag. Ein Corona-Impfstoff müsse die gleichen hohen Standards erfüllen wie andere Impfstoffe auch. „Deshalb wäre auch eine Zulassung in diesem Jahr ein ganz, ganz, ganz enormer Erfolg“, sagte die Ministerin.

Wann der Impfstoff der Pharmafirmen Biontech und Pfizer in Deutschland auf den Markt kommen könnte, ist offen. Die EU hat mit den Unternehmen aber bereits einen Liefervertrag ausgehandelt (siehe Ursprungsmeldung). Laut Karliczek wurde das deutsche Unternehmen Biontech vom Bund mit 375 Millionen Euro zur Impfstoffentwicklung gefördert. Ein wirksames Mittel könne der Wellenbrecher sein, auf den alle warteten, sagte die CDU-Politikerin.

Bildungsminsterin Anja Karliczek (CDU) betont die hohen Standards bei der Impfstoffentwicklung gegen das Sars-CoV-2-Virus.

Coronavirus: Impfstoff-Durchbruch in Deutschland - EU-Deal über Lieferung steht

Ursprungsmeldung vom 10. November: Brüssel - Die EU-Kommission hat einen Liefervertrag für den vielversprechenden Corona-Impfstoff der Pharmafirmen Biontech und Pfizer fertig ausgehandelt. „Die Verhandlungen mit der Pharmaindustrie sind abgeschlossen“, bestätigten Kommissionskreise am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Brüssel. „Der Vertrag ist in trockenen Tüchern.“ Zuerst hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet.

Biontech und Pfizer bekommen EU-Vertrag für Corona-Impfstoff

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte an diesem Dienstag bereits angekündigt, dass die EU „in wenigen Tagen“ einen Vertrag mit Biontech und Pfizer abschließen wird. Es gebe bereits Vorverträge mit Biontech und Pfizer, sagte Spahn am Dienstag in Berlin. Demnach seien mindestens 200 Millionen Impfdosen für Europa gesichert. Er gehe davon aus, dass Deutschland „bis zu 100 Millionen“ Dosen erhalten werde.

Das Unternehmen Biontech aus Mainz, geführt von Ugur Sahin, hatte bereits sehr früh im Jahr 2020 mit der Entwicklung eines Impfstoffes begonnen. Nun schießt der Börsenwert von Biontech in die Höhe.

Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech arbeiten in einem Labor.

Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer: Unterschiedliche Zulassungsverfahren in der EU und den USA

Noch ist der Impfstoff allerdings nicht behördlich zugelassen. Biontech und Pfizer hatten erklärt, sie wollten bereits in der kommenden Woche in den USA die beschleunigte Genehmigung beantragen. Spahn sagte dazu, die Zulassungsverfahren in den USA und in der EU seien unterschiedlich. Auch in Europa gebe es aber Möglichkeiten der Beschleunigung. Gleichzeitig würden Vorgaben etwa zu potenziellen Nebenwirkungen von Impfstoffen nicht abgesenkt, betonte der Minister.

Nach Spahns Angaben gibt es bereits fertige Verträge der EU mit den Pharmaunternehmen Astra Zeneca und Sanofi, die ebenfalls an Corona-Impfstoffen arbeiten. Ein Vertrag mit dem Unternehmen Johnson & Johnson sei "im Grunde" ebenfalls schon abgeschlossen. (AFP/dpa/frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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