Immunsystem schwer belastet

Corona-Impfung: Sport und Alkohol nach dem Pieks? Experten mit deutlicher Ansage

  • Marcus Giebel
    vonMarcus Giebel
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Die Corona-Impfung ist derzeit die große Hoffnung vieler Menschen. Doch nach dem Pieks gilt es wichtige Regeln zu beachten. Wie sieht es mit Alkoholkonsum und Sport aus?

München - Sehen wir der Wahrheit ins Auge: Multitasking ist keine unter den Menschen weit verbreitete Gabe. Wer sich gleichzeitig in zwei oder mehrere Aufgaben stürzt, wird schnell feststellen müssen, dass die Resultate nicht gerade perfekt ausfallen. Jedenfalls deutlich weniger zufriedenstellend, als wenn wir einer Arbeit unsere volle Konzentration gewidmet hätten.

So funktioniert unser Gehirn. Nach diesem Muster läuft aber auch eine andere enorm wichtige Funktion unseres Körpers zu Höchstform auf: das Immunsystem, das uns vor Krankheiten und Infektionen bewahren soll. Unserer körpereigenen Abwehr wird etwa auch bei den Impfungen gegen Covid-19 Schwerstarbeit abverlangt. Denn sie muss den verabreichten Vakzinen zur eigentlichen Wirkung verhelfen.

Alkohol nach Corona-Impfung: Experten warnen vor übermäßigem Konsum

Entsprechend sollte das Immunsystem vor allen unnötigen oder sogar schädlichen Ablenkungen geschützt werden. Weshalb immer mehr Experten warnen: nach dem Pieks nicht mit (zu viel) Alkohol anstoßen, nur um der Erleichterung über die nahende Rückkehr in ein normales Leben Ausdruck zu verleihen. Oder der Freude, bei einer künftigen Corona-Infektion vor einer schweren Folgeerkrankung geschützt zu sein.

Zwar gibt es noch keinerlei verlässliche Studien zu den körperlichen Folgen von ausgiebigem Bier-, Wein-, Schnaps- oder Whiskey-Kosnum nach Verabreichung der Impfstoffe, weil diese aufgrund des Zeitdrucks zunächst nur bedingt zugelassen worden sind. Jedoch hat das Immunsystem in dieser Phase ohnehin alle Hände voll zu tun. Der Körper ist entsprechend anfälliger für Krankheitserreger, wie auch 24hamburg.de* berichtet.

Alkohol nach Corona-Impfung: Russische Ärztin rät zu fast zwei Monaten ohne Bier und Co.

Russlands Oberste Amtsärztin Anna Popowa riet laut Redaktionsnetzwerk Deutschland bereits Ende vergangenen Jahres dazu, rund um die Impfung 56 Tage lang keinen Alkohol zu trinken. Alexander Gintsburg, Leiter des russischen Gamaleja-Instituts für Epidemiologie und Mikrobiologie, sprach zumindest von drei Tagen.

Ganz so einschneidend werden die nötigen Schutzmaßnahmen in Deutschland nicht gezeichnet. Laut Barmer Krankenkasse kommt unser Immunsystem „auch ohne Weiteres mit Genussmitteln klar“. So sei ein Glas Wein auf den Pieks nicht bedenklich. Die Empfehlung lautet allerdings: „Trinken Sie in den ersten Tagen nach einer Impfung möglichst gar keinen Alkohol. Oder Sie belassen es einfach bei einem Glas Wein oder Bier. Denn der Körper kann nach einer Impfung schlechter Antikörper bilden, wenn er damit beschäftigt ist, den Alkohol abzubauen.“

Auf den Schutz vor Covid-19: Ist ein Bier zur Feier der Impfung unbedenklich?

Alkohol nach Corona-Impfung: „Körper nicht auch noch mit Giftstoffen belasten“

Die Internistin Beate Sauter erklärte im Bayerischen Rundfunk, sie sehe keinen Einfluss von Alkohol auf die Wirksamkeit der Impfung. Auch sie mahnt aber, alles in Maßen zu belassen. Das Deutsche Grüne Kreuz, das sich der Förderung der gesundheitlichen Vorsorge verschrieben hat, betont, übertriebener Alkoholgenuss könne den Körper unnötig belasten.

Deutliche Worte findet die Virologin Sandra Ciesek in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung: „Große Mengen Alkohol sind Gift für den Körper. Und wenn der Körper nach der Impfung mit der Immunabwehr beschäftigt ist, sollte man ihn nicht auch noch mit Giftstoffen belasten.“

Alkohol nach Corona-Impfung: Wird so sogar die Reaktion des Immunsystems unterdrückt?

Einen Schritt weiter geht Eleanor Riley. Die Immunologin der Universität im schottischen Edinburgh mutmaßt der Bild zufolge, dass Alkohol sogar als eine Art Immunsuppressivum wirken könnte. Das hieße, er würde die Reaktion des Immunsystems unterdrücken. Obwohl dieses ja gerade angeregt und gestärkt werden soll. Diese These wäre folglich ein echtes Alarmsignal.

Wie lange Geimpfte die Finger von Bier und Co. lassen sollen, vermag aber noch niemand der genannten Experten abschließend zu sagen - eine Festlegung wäre aufgrund der mangelnden Datenlage aber auch nicht mehr als Spekulation und damit wenig hilfreich.

Alkohol oder Sport nach Corona-Impfung? Keine „besonderen Belastungen“ für ein oder zwei Tage

Hans-Michael Mühlenfeld als Vorsitzender des Bremer Hausarztverbandes spricht von ein bis zwei Tagen, in denen dem Körper Ruhe gegönnt werden sollte. So könne der Impfstoff seine optimale Wirkung entfalten. In dieser Zeitspanne sollte von „besonderen Belastungen“ abgesehen werden.

Wobei laut Deutschem Grünen Kreuz grundsätzlich nichts gegen mäßiges Sporttreiben einzuwenden ist. Auch Internistin Sauter ermuntert zu Bewegung: „Wenn man sich wohlfühlt, kann man sich auch weiter belasten. Ich würde empfehlen, dass man am Tag der Impfung nicht unbedingt Leistungssport betreibt.“

Denn nicht nur das Immunsystem ist ja erstmal beschäftigt mit dem fremden Eindringling, der sich mit guten Absichten im Körper einnisten möchte. Der komplette Körper muss sich mit der neuen Gemengelage anfreunden. (mg) *Merkur.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Bernd Weissbrod/dpa

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