+
Der 109 Karat große Diamat "Koh-i-Noor" ist das zentrale Stück in der Krone von Queen Elizabeth, der späteren Queen Mum, die 2002 starb. Foto: Michael Crabtree/Archiv

Indien fordert Diamant "Koh-i-Noor" von Briten zurück

Wem gehören die Schätze, die Kolonialherren aus aller Welt zusammenrafften? Viele Museen in Europa wären leer, würde alles zurückgegeben. Derzeit streiten Indien, Pakistan und Großbritannien um einen besonderen Diamanten.

Neu Delhi (dpa) - Die indische Regierung will den unschätzbar wertvollen Diamanten "Koh-i-Noor" aus den britischen Kronjuwelen zurück auf den Subkontinent holen. Der legendäre Stein war während der Kolonialzeit in britische Hände übergegangen.

Nun ist der 109 Karat große Diamat das zentrale Stück in der Krone von Queen Elizabeth, der späteren Queen Mum, die 2002 starb. Die indische Regierung werde versuchen, den Stein auf "gütlichem Weg" nach Indien zu überführen, erklärte das Kultusministerium in Neu Delhi am späten Dienstagabend.

Vorherige Regierungen hatten erklärt, der "Koh-i-Noor", dessen Name "Ein Berg voller Licht" bedeutet, sei ein Geschenk gewesen. Deswegen gebe es keine Grundlage, auf der eine Forderung gestellt werden könne.

Die derzeitige hindu-nationalistische Regierung von Premierminister Narendra Modi aber versucht, Kunstgegenstände aus aller Welt zurückzuholen. Kanzlerin Angela Merkel brachte bei ihrem Indienbesuch im vergangenen Jahr eine Durga-Statue aus Stuttgart mit, die ein Hehler aus dem Land geschafft hatte.

Derzeit laufen sowohl in Indien als auch in Pakistan Gerichtsverfahren zur Rückführung des "Koh-i-Noor", die von Privatleuten und Nichtregierungsorganisationen initiiert wurden. Gefunden wurde der Stein wahrscheinlich vor vielen Hundert Jahren im südindischen Andhra Pradesh. An die Briten übergeben wurde der Stein 1849 vom Sohn des Maharadscha Ranjit Singh, dem erst 14 Jahre alten Daleep Singh. Dessen Herrschaftssitz war in Lahore - das heute in Pakistan liegt.

Bei einer Anhörung vor Indiens höchstem Gericht hatte der Generalstaatsanwalt am Montag die Haltung der Regierung in Neu Delhi erklärt. Indische Medien berichteten daraufhin übereinstimmend, die einstige Kolonie erhebe heute keine Ansprüche auf den Diamanten. Dieser Darstellung widersprach das indische Kultusministerium nun vehement.

Der Generalstaatsanwalt habe nur alte Positionen wiedergegeben, heißt es in dem Statement. Demnach wurde zum Beispiel Indiens erster Premierminister Jawaharlal Nehru zitiert. "Es scheint erstrebenswert, dass ausländische Museen indische Kunstgegenstände haben", soll Nehru gesagt haben. Was genau die Regierung nun unternehmen wolle, um den "Koh-i-Noor" zurückzubekommen, werde dem Gericht in spätestens sechs Wochen mitgeteilt.

Großbritanniens Regierungen haben eine Rückgabe des Diamanten immer wieder abgelehnt. Zuletzt sagte Premierminister David Cameron bei einer Indienreise im Jahr 2010 zu lokalen Medien, dies schaffe einen Präzedenzfall. "Wenn man einmal "Ja" sagt, dann wäre das Britische Museum auf einmal leer."

Mitteilung des Kultusministeriums

Britannica-Enzyklopädie zum Koh-i-Noor

Beschreibung der Krone des Royal Collection Trust

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Risiko Darmkrebs - Künftig Einladung zur Früherkennung
Zehntausende sterben jedes Jahr daran. Dabei könnten Früherkennungen von Darmkrebs Leben retten. Doch viele meiden Stuhltests und Darmspiegelung. Das soll sich jetzt …
Risiko Darmkrebs - Künftig Einladung zur Früherkennung
Angler entdeckt angeblich diesen Monster-Karpfen im Fluss! Woher kommt dieser Riesen-Fisch?
Ein Angler hat angeblich einen Monster-Karpfen entdeckt! Ein Foto postete der Mann bei Facebook. Doch woher kommt der Riesen-Fisch wirklich?
Angler entdeckt angeblich diesen Monster-Karpfen im Fluss! Woher kommt dieser Riesen-Fisch?
Dampfleitung explodiert in New York - Gebäude in Manhatten evakuiert
In New York City ist eine unterirdische Leitung explodiert.  28 Gebäude wurden im Geschäftsviertel Manhatten evakuiert berichtet, die Feuerwehr via Twitter. 
Dampfleitung explodiert in New York - Gebäude in Manhatten evakuiert
Große Waldbrände in Schweden - Ganze Dörfer evakuiert
Weißer Qualm zieht über die weiten schwedischen Wälder. Es brennt, verstreut im ganzen Land - und die Feuer breiten sich in der ungewöhnlichen Sommerhitze schnell weiter …
Große Waldbrände in Schweden - Ganze Dörfer evakuiert

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.