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Indonesien: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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Wolkenkratzer und Kreisverkehr im Stadtzentrum von Jakarta
Wolkenkratzer und Kreisverkehr im Stadtzentrum von Jakarta © IMAGO / Cavan Images

Indonesien ist schon aufgrund seiner Geografie ein weltweit einzigartiger Staat. Die größten Inseln sind von tropischem Dschungel und bis heute sehr aktiven Vulkanen geprägt.

Jakarta – Größter Inselstaat der Welt, größtes Land Südostasiens, viertbevölkerungsreichster Staat der Erde: Indonesien vereint mehrere Superlative auf sich. Besuchern sind vor allem touristisch interessante Ziele wie die Insel Bali, das geschichtsträchtige Java und Komodo mit den gleichnamigen Drachen ein Begriff, doch Indonesien ist noch viel mehr.

Indonesien: Die Geschichte des Staates

Das heutige Indonesien gehört zu den am frühesten von Menschen besiedelten Regionen der Welt. In Sangiran auf Java wurden Knochen des sogenannten Java-Menschen gefunden, der vor etwa 1,8 Millionen Jahren lebte. Berühmt ist die kleinwüchsige Menschenart Homo floresiensis, die vor rund 100.000 Jahren auf der Insel Flores lebte und nur knapp einen Meter groß war.

Schon um 200 v. Chr. existierte auf den großen Inseln Java und Sumatra ein hinduistisches Königreich, ehe sich ab 425 der Buddhismus in der Region durchsetzte. Vermutlich im 8. Jahrhundert entstand die weltberühmte Tempelanlage von Borobudur auf Java, die heute zu den größten Sehenswürdigkeiten von Indonesien gehört.

Indonesien und die Kolonialisierung Asiens

Die großen und kleineren Inseln des heutigen Indonesiens waren im Mittelalter unabhängige Königreiche und später muslimische Sultanate, die einander über Jahrhunderte bekämpften. Zu den bedeutendsten gehörten das Sultanat von Malakka auf Java und das Sultanat von Aceh auf Sumatra. Dies war die Situation, die portugiesische Entdecker vorfanden, als sie Ende des 15. Jahrhunderts erstmals den Indischen Ozean überquerten.

Von größter Bedeutung für Portugal waren die als Gewürzinseln bekannten Molukken, von denen die damals noch weitgehend unbekannten und in Europa heißbegehrten Muskatnüsse und Gewürznelken verschifft wurden. Die Vorherrschaft der Portugiesen hielt jedoch nicht lange an. Ihnen folgten nur hundert Jahre später die Engländer und die Niederländer, die sich im Laufe der Zeit die Vorherrschaft über Indonesien sicherten. Zunächst regierte die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC), ehe der niederländische Staat 1799 die Kontrolle der Kolonie übernahm.

Indonesien und der Weg in die Unabhängigkeit

Ab 1912 entstand mit der Islamischen Vereinigung (Sarekat Islam) die erste Unabhängigkeitsbewegung in Indonesien. 1926 folgte ein von der Kommunistischen Partei initiierter Aufstand, der niedergeschlagen wurde. Aus ihr entstand die von Sukarno, dem späteren ersten Präsidenten Indonesiens, geleitete indonesische Nationalpartei. Als der Archipel im Zweiten Weltkrieg von den Japanern besetzt wurde, arbeitete Sukarno mit diesen gegen die niederländische Kolonialmacht zusammen.

Nach Kriegsende riefen Sukarno und sein Mitstreiter Mohammed Hatta am 17. August 1945 die indonesische Republik aus. Es kam zu einem vierjährigen Krieg mit der niederländischen Kolonialmacht, ehe die Unabhängigkeit formal in Kraft treten konnte. Allerdings war die Regierung Sukarno nicht überall populär. 1965 kam es zu einem Putsch und einem Massaker, das bis zu einer Million Tote forderte. Der Militärführer Suharto übernahm 1967 die Macht und führte den Staat noch bis 1998 an.

Der Staat Indonesien im 21. Jahrhundert

Immer wieder kommt es in Indonesien zu Unabhängigkeitsbestrebungen einzelner Landesteile. Als sich 1975 der bis dahin zu Portugal gehörende Ostteil der Insel Timor unabhängig erklärte, wurde er von Indonesien besetzt und dem Staat als 27. Provinz einverleibt. Erst 2002 konnte sich Osttimor nach Unterstützung durch die Vereinten Nationen unabhängig erklären, doch seither flammen wiederholt Konflikte auf.

Auch in Aceh auf Sumatra kommt es regelmäßig zu Unabhängigkeitsbestrebungen. Dazu verüben radikalislamische Kräfte immer wieder Anschläge. Für weltweites Entsetzen sorgten die Anschläge auf der Touristeninsel Bali 2005, bei denen 23 Menschen ums Leben kamen.

Indonesien: Politik des Staates

Indonesien ist eine Präsidialrepublik, an deren Spitze der Präsident als Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte steht. Erst 2004 fanden erstmals überhaupt demokratische Wahlen statt. Seit 2014 ist der Unternehmer Joko Widodo Staatspräsident des Landes. Er ist Anführer der Demokratischen Partei des Kampfes Indonesiens und gilt als gemäßigter säkularer Muslim.

Zu seinen größten Projekten gehören die Modernisierung des Landes und der Bau einer neuen Hauptstadt auf der Insel Borneo. Damit soll die Mega-Metropole Jakarta auf Java entlastet werden, in deren Ballungsraum sich fast 35 Millionen Menschen drängen und die durch den steigenden Meeresspiegel vom Untergang bedroht ist.

Der Staat Indonesien: Wirtschaft

Indonesien ist eine aufstrebende Wirtschaftsnation mit hohen jährlichen Wachstumsraten. Zu den wichtigsten Branchen gehören der Bergbau, die Landwirtschaft und der Tourismus. Die Insel Bali lockt jährlich rund vier Millionen Touristen aus aller Welt an. Weitere Ziele sind die Weltkulturerbestätten auf Java wie Borobudur und die Nationalparks. Rund 45.000 Besucher reisen jährlich auf die Insel Komodo, die für ihre als Drachen bezeichneten Warane berühmt wird.

Problematisch ist der vom Staat erlaubte Raubbau an der Natur. Überall in Indonesien werden riesige Flächen Regenwald abgeholzt und durch Palmölplantagen ersetzt. Urwaldhölzer werden illegal geschlagen und verkauft. Weitere Probleme sind die Verschmutzung der Gewässer, die Dynamitfischerei und die Brandrodung, durch die riesige Mengen CO2 freigesetzt werden.

Indonesien: Demografie

Indonesien hat in den letzten Jahrzehnten ein rasantes Bevölkerungswachstum erlebt, das sich zuletzt jedoch verlangsamt hat. Besonders dicht ist die Insel Java mit der Hauptstadt Jakarta besiedelt, während andere Inseln wie Papua und Borneo extrem dünn besiedelt sind. Insgesamt leben etwa 360 verschiedene Völker auf den unzähligen Inseln, die nur schwach durch eine gemeinsame indonesische Nationalität zusammengehalten werden. Die wichtigsten Bevölkerungsgruppen im Überblick:

Obwohl Indonesien die größte muslimische Nation der Welt ist, ist der Islam nicht Staatsreligion. Die Religionsanhänger teilen sich wie folgt auf:

Offizielle Landessprache ist Bahasa Indonesia, das sich aus der malaiischen Sprache entwickelt hat und in lateinischer Schrift geschrieben wird. Allerdings gibt es lediglich 30 Millionen Muttersprachler. Insgesamt sind in Indonesien rund 737 Sprachen bekannt.

Indonesien: Geografie

Indonesien besteht aus insgesamt 17.508 Inseln, die sich über eine Breite von 5.120 Kilometern und eine Länge von 1.760 Kilometern in Südostasien ausdehnen. Etwa 6.000 Inseln sind bewohnt. Der Staat besitzt lediglich drei Landgrenzen – zu Malaysia auf Borneo, zu Papua Neuguinea auf Neuguinea und zu Osttimor auf Timor. Der höchste Berg ist der 4.884 Meter hohe Puncas Jaya auf Neuguinea. Große Teile der Insel sind von dichtem Dschungel mit enormer Biodiversität bedeckt. Durch indonesisches Staatsgebiet verläuft die sogenannte Wallace-Linie, die die asiatische und die australische Flora und Fauna voneinander trennt.

Indonesien wird von starker vulkanischer Aktivität geprägt. Zuletzt brach der Vulkan Merapi auf Java mehrmals aus. Legendär ist der Ausbruch des Krakatau am 27. August 1883, bei dem die gesamte gleichnamige Insel zerstört wurde und 35.000 Menschen ums Leben kamen. Die Flutwelle wurde sogar noch 17.000 Kilometer entfernt in Europa registriert. 2018 kam es an gleicher Stelle zum Ausbruch des Anak Krakatau.

Die größten Städte Indonesiens im Überblick (Stand 2020):

Indonesien: Kultur und Sehenswürdigkeiten des Staates

Die indonesische Kultur ist stark vom Buddhismus und Hinduismus geprägt. Berühmt sind das Wayang-Puppenspiel, das Gamelan-Orchester und die klassischen Tänze, die sich vermutlich aus ritualistischen Tempeltänzen entwickelt haben. Ein weltbekannter Export aus Indonesien ist die Batik genannte Färbetechnik für Kleidung mit ihren vielfältigen Mustern und Farben.

Bei Touristen beliebt ist die hinduistisch geprägte Insel Bali mit ihren vielen prächtigen Tempelanlagen wie dem Muttertempel Pura Besakih und dem Meerestempel Tanah Lot. Entlang der Südwestküste hat sich um den Badeort Kuta der Massentourismus etabliert. Die Reisterrassen von Subak gehören zum Welterbe der UNESCO. Auf Java sind die Hauptstadt Jakarta mit ihren vielen Bauten der niederländischen Kolonialzeit entlang des Großen Kanals und die Tempelanlagen von Borobudur die größten Besuchermagneten.

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