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Corona-Studien legen nahe: Blutgruppe entscheidet über Infektion und Verlauf

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Von: Anna Lorenz

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Im Zuge der Corona-Pandemie liefern zwei Studien brisante Erkenntnisse: Die Blutgruppe könnte beim Schutz vor einer Infektion, sowie einem schweren Verlauf entscheidend sein.

München – Mit den Neuerungen im Rahmen des geänderten Infektionsschutzgesetzes fallen vielerorts die Corona-Bestimmungen in großen Teilen des Alltags. Obwohl der Handel die Erleichterungen begrüßt, ist die Verunsicherung groß. Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mache sich „Sorgen über die nachlassende Vorsicht der deutschen Bundesbürger“ und rät zur freiwilligen Einhaltung von Maskenpflicht und Co. Umso brisanter sind daher die Ergebnisse von mehreren Studien, die nahelegen: Infektion und Verlauf entscheiden sich maßgeblich nach der Blutgruppe.

Coronavirus: Studien bringen Erkenntnisse zum Verhältnis Blutgruppe/Verlauf

Konkret drehen sich die Forschungsarbeiten um die Infektionswahrscheinlichkeit und die Wahrscheinlichkeit, im Falle einer Ansteckung mit Corona einen schweren Verlauf zu erleiden. Untersucht wurde dabei ein Zusammenhang mit der Blutgruppe der Probanden. Wichtig für das weitere Verständnis ist daher eine Einordnung der verschiedenen Blutgruppen.

Generell unterscheidet man vier Blutgruppen und zusätzlich den sogenannten Rhesus-Faktor. Letzteren außen vor gelassen, gibt es die Blutgruppen A, B, 0 und AB. Diese Buchstaben verraten, welche Antigene ein rotes Blutkörperchen umgeben; so ist das bei Blutgruppe A das Antigen A, bei AB das Antigen A und B, bei Blutgruppe 0 sind keine Antigene vorhanden. Diese bestimmen, ob eine Blutspende als körpereigen eingeordnet und angenommen, oder aber als fremd beurteilt und abgestoßen wird. Bei der Spende von Blutkörperchen ist 0, da keine Antigene vorhanden sind, der ideale Spender, AB hingegen der ideale Empfänger.

Studie um Blutgruppe: Entscheidende Rolle gegenüber dem Coronavirus

Bereits 2020 ergab eine Studie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in Zusammenarbeit mit einem norwegischen Forscherteam, dass ein Zusammenhang zwischen dem Verlauf einer Corona-Infektion und den Blutgruppen 0 und A besteht. „Signifikant mehr Covid-19-Patientinnen und -Patienten hatten im Vergleich zur Normalbevölkerung Blutgruppe A“, so Professor Dr. Andre Franke, der Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie an der Kieler Universität. „Umgekehrt wiesen signifikant weniger Patientinnen und Patienten die Blutgruppe 0 auf, das heißt diese Blutgruppe bietet einen um 50 Prozent erhöhten Schutz vor einer ernsten Covid-19-Erkrankung.“

Diese Forschung haben nun Rachida Boukhari und Adrien Breiman von der Universität Nantes fortgeführt und ihre Ergebnisse in der Zeitschrift „Frontiers in Microbiology“ veröffentlicht. Das Ergebnis ist deutlich.

Französische Studie zeigt: Blutgruppen entscheiden über Ansteckung mit Corona

Untersucht wurde die sogenannte „sekundäre Attackrate“, also die Fälle, in denen eine Person, die mit Corona infiziert ist (sog. Index-Fall), eine andere, im Haushalt lebende Person ansteckt. Die Studie ergab: Waren die Blutgruppen nach den oben genannten Regeln kompatibel – beispielsweise, wenn der Ersterkrankte die Blutgruppe 0 hatte, und der Gefährdete A, B oder AB – dann kam es in 47,2 Prozent zu einer Ansteckung des letzteren. Im umgekehrten Fall kam es nur bei 27,9 Prozent zu einer Infektion.

Die Nahaufnahme zeigt ein Blutentnahmeröhrchen mit Aufschrift Omicron-Variant, das eine Hand mit Laborhandschuh in die Kamera hält.
Studien deuten darauf hin, dass eine Infektion mit Covid je nach Blutgruppe wahrscheinlicher ist – ebenso wie ein schwerer Verlauf.(Symbolbild) ©  Christian Ohde/imago

„Insgesamt können unsere Beobachtungen erklären, warum bei Personen der Blutgruppe 0 häufiger ein partieller Schutz auftritt, als bei Personen der Blutgruppen A und B“, so die Forscher. Die Antigene könnten also letztlich eine tragende Rolle bei der Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung spielen. So wären Menschen mit der Blutgruppe AB – sie sind auch die idealen Empfänger von Blutspenden – am ehesten gefährdet, sich mit Corona anzustecken. Die Blutgruppe 0 hingegen würde sich umgekehrt am seltensten infizieren, könnte aber unter Umständen die meisten Ansteckungen bewirken.

Blutgruppe A kommt in Europa häufiger vor als B oder AB

Einer solchen Korrelation von Infektion und Blutgruppe ist hierzulande noch wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden, obwohl „Forscher in anderen Staaten, darunter Indien, Pakistan, Saudi-Arabien oder Iran durchaus ein solches Muster bemerkt“ hätten, wie der MDR berichtet. Die Erklärung des französischen Forscherteams ist hierbei einleuchtend: „Da die Blutgruppe A häufiger vorkommt als die Blutgruppen B und AB, treffen Personen der Blutgruppe A in einer Bevölkerung westeuropäischer Herkunft seltener auf inkompatible Infizierte. Dies erklärt wahrscheinlich, warum in früheren Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien Personen der Blutgruppe A ein höheres Risiko und Personen der Blutgruppe 0 ein geringeres Risiko für Covid-19 hatten.“

Die Blutgruppe AB ist in Europa schlichtweg seltener, sodass die relative Häufung von Corona-Infektionen bis dato nicht festgestellt wurde. Insofern könnte die Blutgruppe entscheidende Bedeutung für eine Corona-Infektion haben – bezüglich anderer Krankheiten werden schon länger Zusammenhänge vermutet. (askl)

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