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Ein Fahrkartenkontrolleur in Berlin (Symbolfoto) bei der Arbeit.

Schauen Sie genau hin!

Insider packt aus: Die miesen Tricks der Fahrkarten-Kontrolleure 

Berlin - Schwarzfahren kann teuer werden - vor allem, wenn man an den falschen Kontrolleur gerät. Denn: So mancher Prüfer spielt in Berlin angeblich mit faulen Tricks. Das berichtet zumindest ein Insider.

Wenn der Schwarzfahrer betrogen wird und der Kontrolleur selbst betrügt - dann ist etwas falsch. Leider soll dieses Szenario im öffentlichen Nahverkehr in Berlin durchaus Praxis sein. Denn eigentlich kostet Schwarzfahren überall in Deutschland 60 Euro. Mit ein wenig Pech kann sich dieser Betrag aber noch weiter erhöhen - nämlich dann, wenn man an den falschen Kontrolleur gerät. Das behauptet zumindest Sven (35), der bis vor kurzem selbst noch als Kontrolleur im öffentlichen Nahverkehr in Berlin gearbeitet hat, gegenüber der B.Z.

"Einstecken" oder Schein-Quittungen: Es ist Vorsicht geboten

Seiner Schilderung nach greifen betrügende Kontrolleure auf zwei Methoden zurück, eine hinterhältiger als die andere. Das Ergebnis ist jedoch jedes Mal das gleiche: Der Fahrgast wird zusätzlich ausgenommen - und der Kontrolleur hat ein paar Münzen mehr im Geldbeutel. 

Beim sogenannten "Einstecken" wird der Fahrgast gezwungen, sich noch vor Ort eine Fahrkarte am Automaten zu kaufen - und das, nachdem er dem Kontrolleur bereits das Strafgeld in bar gezahlt hat. So wird die Einzahlung am Computer-Gerät, das die Kontrolleure bei sich tragen, vorbeigeschleust. Sven behauptet, dass seiner Schätzung nach im Berliner Raum 90 (!) von 100 Kontrolleuren "Einstecker" sind. Besonders beliebte Opfer seien Touristen, allen voran Asiaten. "Besonders bei Chinesen ist es leicht, die kriegen gleich Angst, wenn sie das Wort 'Polizei' hören", weiß Sven.

Der andere, besonders hinterhältige Trick handelt von "Schein-Quittungen". Diese Masche funktioniert folgendermaßen: Der Kontrolleur lässt sich das Geld vom Schwarzfahrer bar bezahlen. Daraufhin tippt er einen Fantasie-Namen und eine Fantasie-Adresse in sein Gerät und gibt dem Fahrgast - wie üblich - eine Quittung. Hier geht der Betrug dann weiter: Denn dort kreuzt er - kaum leserlich und ganz klein - am linken unteren Ende "nicht bezahlt" an. Ein Bezahlvorgang hat also faktisch nie stattgefunden - der Geldbeutel des Kontrolleurs ist trotzdem prall gefüllt. 

Des einen Freud', des anderen Leid: Während der Fahrgast zusätzlich das Risiko hat, nochmal in eine Kontrolle zu geraten - und wieder zahlen zu müssen - hat der Kontrolleur sogar eine Ausrede für den Chef parat: Der Fahrgast habe ihn angelogen und einen falschen Namen angegeben. Damit ist die Sache erledigt. Es sieht also am Ende so aus, als wäre der Fahrgast davongekommen - und der fleißige Kontrolleur um sein Geld gebracht. In Wahrheit ist es genau andersrum. 

Eine lukrative Abzocke 

Bis zu 400 Euro täglich (!) könne ein Kontrolleur auf diese Weise ergaunern. Ein nettes Zubrot zu einem monatlichen Grundgehalt von 1000 Euro. "Ohne das Einstecken würden viele kündigen", behauptet Sven gegenüber der B.Z. deshalb. Er selbst habe seinen Job als Kontrolleur im Berliner Nahverkehr aufgegeben. "Ich will kein U-Bahn-Sheriff mehr sein", sagt er. Jetzt ist er Wachmann. 

Ihre Erlebnisse mit Fahrkartenkontrolleure

Wohlgemerkt handelt es sich oben um die Einzelschilderung eines Berliner Kontrolleurs laut eines Zeitungsberichts. Diese ist keinesfalls auf München übertragbar.

Dennoch wollen wir Ihre Geschichte: Haben Sie schon unerfreuliche Erlebnisse mit Kontrolleuren gemacht? Oder sind Sie selbst einer und wollen von Ihrem Alltag oder von Beobachtungen berichten? Teilen Sie's uns über unser Leserreporter-Formular mit. Bitte mit Kontakt-E-Mail-Adresse, wir behandeln Ihr Anliegen natürlich auf Wunsch diskret.

Lukas Praller

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