Wahlforschungs-Aktion

Abstimmungs-Seite: Wen würden Sie zum Papst wählen?

Mannheim - Auch wenn die 117 wahlberechtigten Kardinäle im Vatikan die Frage entscheiden: Im Internet können Bürger über ihren Lieblings-Kandidaten bei der Papst-Wahl abstimmen.

Die Papstwahl gerät jetzt auch ins Blickfeld der Wahlforscher: Denn hinter der Internetseite voteforpope.net versteckt sich kein neuer Online-Wettenanbieter im Kampf um die besten Konklave-Quoten, sondern vielmehr ein internationales Forscherteam, das den Einfluss unterschiedlicher Wahlsysteme und Stimmabgaberegeln auf das Wahlergebnis untersucht. „Die Papstwahl stößt gerade auf ein riesiges Interesse, dies wollen wir für unsere Forschungsfragen nutzen. Wir hoffen, dass sich möglichst viele an der Online-Abstimmung beteiligen“, sagt der deutsche Projektleiter Thomas Gschwend vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES).

Seit Montag ist www.voteforpope.net in Deutschland, Frankreich, Kanada und Island online. Mit wenigen Klicks wird die Papstwahl simuliert - wählen kann jeder, auch ohne Kardinalswürde. Anders als in Wirklichkeit gibt es jedoch nur sechs Kandidaten, die in Medienberichten bislang als Favoriten gehandelt werden.

Verblüffende Ergebnisse nach Auswertungs-Methode

Schon jetzt zeigt die Auswertung aller von den Seitenbesuchern abgegebenen Stimmen ein verblüffendes Ergebnis: Je nach Wahlrecht, das bei der Auswertung der Stimmen angewandt wird, tritt ein anderer Kardinal die Nachfolge von Benedikt XVI. an.

Bei der „relative Mehrheitswahl mit einer Runde“, also der Frage, welcher Kandidat in der ersten Wahlrunde die meisten Stimmen erhält, liegt der kanadische Kardinal Marc Ouellet vorn. Er wird übrigens auch von den meisten professionellen Wettanbietern als ein Papstfavorit gehandelt.

Die Geheim-Favoriten bei der Papstwahl

Diese Männer könnten Papst werden

Unter den Bedingungen einer „absolute Mehrheitswahl mit alternativer Stimmgebung“ macht dagegen der afrikanische Kurienkardinal Peter Turkson das Rennen.

„Unsere Internetseite will genau mit diesem Aha-Erlebnis deutlich machen, dass das Wahlrecht eben keine bloße mathematische Petitesse ist, sondern unter die Ergebnisse entscheidend beeinflussen kann“, so Gschwend. Die simulierte Papstwahl also als Aufruf an den mündigen Wähler, sich mit Wahlregeln auseinanderzusetzen.

Ziel: Forschung & Erkenntnisse zum Wahlrecht

Die Erkenntnisse des spielerischen Onlinevotings fließen gleichzeitig in die Studien der Mannheimer Wahlforscher ein. Derzeit untersuchen die Wissenschaftler in einem über mehrere Jahre angelegten Projekt die Auswirkungen des Wahlrechts auf Landtags-, Bundestags- und Europawahlen. „Aktuell werten wir die spannenden Ergebnisse der jüngsten Niedersachsen-Wahl aus.“

Vorschläge an den Vatikan, die Papstwahlregeln zu ändern, sind aus Mannheim allerdings kaum zu erwarten. „Wir hoffen nur, dass das Konklave nicht vorgezogen wird, damit unsere Seite noch möglichst lange online bleiben kann“, so Gschwend.

KNA

Rubriklistenbild: © dpa Bildfunk

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