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Die Medienmanagerin und Ex-MTV-Chefin Christiane zu Salm (47) ist als ehrenamtliche Sterbebegleiterin tätig.

Buch-Interview "Dieser Mensch war ich"

Ex-MTV-Chefin zu Salm ist jetzt Sterbebegleiterin

München - Die Medienmanagerin und Ex-MTV-Chefin Christiane zu Salm (47) hat als ehrenamtliche Sterbebegleiterin Menschen, deren Leben zu Ende ging, um eine Bilanz gebeten. Im Merkur-Interview spricht sie über ihr Buch "Dieser Mensch war ich".

Von 1998 bis 2001 war Christiane zu Salm Geschäftsführerin von MTV Central Europe, später Gründerin des Gewinnspielsenders 9Live.

Christiane zu Salm: "Dieser Mensch war ich. Nachrufe auf das eigene Leben" (Goldmann Verlag, München; 256 Seiten; 17,99 Euro)

In ihrem Buch "Dieser Mensch war ich. Nachrufe auf das eigene Leben" (Goldmann Verlag, München; 256 Seiten; 17,99 Euro),  schildert die Unternehmerin und Kunstsammlerin, was sie dazu bewog, sich zur Sterbebegleiterin ausbilden zu lassen. Sie führte viele Gespräche mit Sterbenden, die ihr ungeschönt und im besten Sinne wahrhaftig ihr Leben erzählten. "Dieser Mensch war ich" versammelt 80 dieser Lebensrückblicke.

Hier lesen Sie drei der Gespräche

Sie haben viele Sterbende nach ihrer Lebensbilanz befragt. Was war die wichtigste Erkenntnis?

Mich hat jeder einzelne Nachruf auf seine Weise berührt. Am meisten aber hat mich bewegt, wenn die Menschen in Konjunktiven gesprochen haben. Also wenn sie gesagt haben: „Hätte ich doch nur...“

Muss man den Tod vor Augen haben – und keine Korrekturmöglichkeit mehr –, bis man sich nichts mehr vormacht?

Das möchte ich nicht glauben. Mich jedenfalls haben die Gedanken, die Menschen an ihrem Lebensende hinterlassen haben, dazu angeregt, mein eigenes Leben bewusster zu leben. Und mir klar gemacht, was für ein großes Geschenk es ist, dass ich jeden Tag die Möglichkeit dazu habe, es zum Besseren zu ändern.

Sie haben als Sechsjährige den Unfalltod ihres Bruders miterlebt. Wie hat das Ihr Leben geprägt?

Als ich es verarbeitet hatte, begann ich, das Leben vom Ende her zu denken. Vor allem bei wichtigen Entscheidungen. Die werden plötzlich viel klarer, wenn man sich fragt, wie würde ich darüber auf meinem Sterbebett denken? Das führt zu mehr Gelassenheit, auch weil sich dann schnell herauskristallisiert, was wichtig und was weniger wichtig ist.

Stirbt es sich leichter nach einem erfüllten Leben oder wenn man es einfach laufen lässt?

Entscheidend beim Leben wie beim Sterben ist das Akzeptieren-Können dessen, was ist. Das ist der Schlüssel zu innerem Frieden. In dem Buch gibt es nicht wenige, die trotz erschütternder Schicksalsschläge gesagt haben: „Unterm Strich hatte ich ein erfülltes, gutes Leben.“ Diese Menschen haben es geschafft, auch schreckliche Erlebnisse in etwas Positives umzudeuten. Dass der Mensch so etwas vermag, empfinde ich als etwas ganz Wunderbares im vollen Wortsinn – als Wunder.

Warum wird in unserer Gesellschaft der Tod weitgehend verdrängt?

Weil es die letzte verbliebene Grenze in der vollkommen entgrenzten Zeit ist, in der wir leben. Weil wir diese Grenze nicht verschieben können, ist sie uns unheimlich und wir haben Angst davor. Und weil der Tod nicht vorstellbar ist.

Was sollte in Ihrem Nachruf stehen?

So wenig Konjunktive wie möglich.

Interview: Monika Reuter

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