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IQ-Booster: Genmutation entschlüsselt - doch sie hat auch böse Nebenwirkungen

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Von: Yasina Hipp

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Menschliches Gehirn
Eine Mutation verändert menschliche DNA so, dass sich die Intelligenz erhöht. © picture alliance/dpa/Ingo Wagner

Eine seltene Genmutation steigert die Intelligenz bei Menschen, jedoch lässt sie sie auch erblinden. Ein Forscher-Team klärt auf.

Würzburg/Leipzig - „Es ist sehr selten, dass eine Mutation zu einer Verbesserung, statt zu einem Verlust an Funktionen führt“, stellt Tobias Langenhan, Neurobiologe an der Universität Leipzig, fest. Bei der Genmutation, die er sich momentan mit seinem Team näher anschaut, scheint dies aber der Fall zu sein. Zumindest teilweise. Im Fokus der Wissenschaftler: die CORD7-Mutation. Diese tauscht nämlich eine Aminosäure in einem Protein aus, das sowohl in der Netzhaut, als auch in den Synapsen des Gehirns aktiv ist. In der Folge hat CORD7 offenbar negative Auswirkungen auf das Sehen, aber positive auf die Intelligenz.

Genmutation verändert Kommunikation zwischen Nervenzellen

Veränderungen unseres DNA-Codes durch Mutationen bringen in den meisten Fällen keine oder nur geringe Konsequenzen mit sich. In seltenen extremen Fällen wiederum kann es schlimmstenfalls auch zu tödlichen Krankheiten kommen. Die CORD7-Mutation scheint nun ein besonderer Fall unter den Mutationen zu sein. Auf der einen Seite lässt sie Betroffene durch den Niedergang der Sehsinneszellen erblinden. Auf der anderen Seite löst sie offenbar auch eine Intelligenzsteigerung aus. „Unsere Annahme: Die Mutation macht die Patienten deshalb so schlau, weil sie die Kommunikation zwischen den Nervenzellen, in die das veränderte Protein eingebunden ist, besser macht“, erklärt Tobias Langenhan. Menschen, die unter der Mutation leiden, würden in Tests ihrer verbalen Intelligenz und ihres Arbeitsgedächtnisses auffallend gut abschneiden.

Genmutation: Forscher untersuchen Gehirne von Fliegen

Um der ungewöhnlichen CORD7-Mutation auf die Schliche zu kommen, untersuchen das Forscher-Team rund um Tobias Langenhan und Mila Paul, von der Uni Würzburg, die Gehirne von Taufliegen. Mit der Genschere CRISPR/Cas9 setzten sie die Mutation in das Erbgut der Fliege ein und beobachteten anschließen die Folgen. Und tatsächlich: „Wir konnten tatsächlich beobachten, dass die Tiere mit der Mutation eine gesteigerte Informationsübertragung an den Synapsen zeigten“, berichten die Forscher in ihrer Studie. Offenbar wird durch das engere Zusammenrücken der aktiven Zonen der Synapsen eine „schnellere, effizientere Synapsenreaktion“ und eine Erhöhung des zur „Verfügung stehenden Botenstoffpools“.

Diese Erkenntnisse können, den Forschern zufolge, demnach auch auf das menschliche Gehirn übertragen werden. So führt die CORD7-Mutation auf der einen Seite zu einem wahren IQ-Boost, auf der andere Seite beraubt sie Betroffenen des Augenlichts.

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