Irak: Keine Spur von entführten Deutschen

- Berlin/Bagdad - Trotz intensiver Bemühungen haben die deutsche und die irakische Regierung noch keinen Kontakt zu den Entführern zweier Deutscher im Irak. "Wir sind bemüht, im Augenblick an alle erreichbaren Informationen zu kommen", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Mittwoch in Berlin. Noch gebe es keinen Kontakt zu den Geiselnehmern. Die Bemühungen würden aber intensiv fortgesetzt.

Das irakische Innenministerium wies die Polizei in der Provinz Salaheddin an, sich um das Schicksal der Ingenieure aus Sachsen zu kümmern. Der Sprecher des Innenministeriums, Oberstleutnant Adnan Abdul Rahman, sagte, die Polizei vor Ort habe den Befehl erhalten, "Ermittlungen aufzunehmen".

Die beiden Deutschen waren am Dienstag auf ihrem Weg von einer bewachten Wohnsiedlung zu einer Fabrik im irakischen Bedschi nördlich von Bagdad verschleppt worden. Nach offiziellen Angaben hat sich bislang niemand zu der Entführung bekannt. Die Deutschen waren erst am Freitag im Irak angekommen und sollten bis zum heutigen Mittwoch in einem irakischen Unternehmen, das Reinigungsmittel herstellt, eine Produktionsanlage installieren.

LKA kümmert sich um die Angehörigen

Die Lebensgefährtin eines der Entführten sagte dem Sender N24, sie hoffe dass die Entführer den Vater ihres Sohnes am Leben lassen, "dass er einfach wieder nach Hause kommt". Das Landeskriminalamt Sachsen betreut die Angehörigen der beiden entführten Leipziger.

Der Bürgermeister der Gemeinde Bennewitz, Werner Moser (Linkspartei), äußerte sich besorgt. In Bennewitz ist der Anlagenbauer Cryotec, für den die Ingenieure arbeiten, ansässig. "Unser Mitgefühl gilt den Familien und Angehörigen der beiden", sagte Moser.

'Der Geschäftsführer von Cryotec, Peter Bienert, sagte der "Leipziger Volkszeitung" (Mittwoch): "Mein Interesse ist, die Kollegen gesund und kurzfristig zurückzubekommen." Sein Unternehmen plant Industrieanlagen und war bereits vor dem Irak-Krieg 2003 in dem Land engagiert. Im Rahmen des UN-Programms "Öl für Lebensmittel" etwab wurden zwei Anlagen geliefert.

Der Krisenstab in Berlin steht nach AA-Angaben in stetem Kontakt mit der deutschen Botschaft in Bagdad und wollte am Nachmittag erneut tagen. Keine Angaben gab es bislang über die Hintergründe der Verschleppung. Minister Steinmeier um eine "zurückhaltende Form" der Berichterstattung, um die Bemühungen nicht zu erschweren. 

DIHK: Unternehmen sollten Mitarbeiter nicht in den Irak schicken

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte Unternehmen davor, deutsche Mitarbeiter in den Irak zu schicken. "Es bietet sich nicht an, mit deutschen Mitarbeiten eine Niederlassung zu eröffnen", sagte der Nahost-Experte des DIHK, Jochen Clausnitzer. Momentan hätten 30 bis 40 deutsche Unternehmen eine Niederlassung im Irak.

Auch die Deutsch-Irakische Mittelstandsvereinigung (Midan) riet deutschen Firmen dringend ab, zur Zeit eigenes deutsches Personal vor Ort einzusetzen. "Die Lage ist viel zu gefährlich", sagte Midan-Präsident Gelan Khulusi. Besser sei es, wirtschaftliche Kontakte mit irakischen Firmen über Deutschland zu knüpfen.

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