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Sandsturm im Irak bringt Tausende ins Krankenhaus: Künftig „272 Tage Staub im Jahr“

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Von: Yasina Hipp

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Im Irak hat ein Sandsturm zu schweren Atemproblemen bei Menschen geführt. Tausende mussten ins Krankenhaus. Der Klimawandel macht sich im Mittleren Osten bemerkbar.

Bagdad - Oranges Licht, trübe Luft und nur wenige Meter Sichtweite: Die Bilder aus dem Irak zeigen eine geradezu mystische Stimmung. Die Aufnahmen erinnern an den Saharastaub, der Mitte März vor allem den Süden Deutschlands mit feinen Sandkörnchen bedeckt hat. Im Irak ist das Ausmaß des Sandsturms allerdings wesentlich dramatischer als das, was Deutschland und Europa vor einigen Wochen erlebt haben. Der Sturm ist schon der siebte seiner Art binnen eines Monats und hat dieses Mal auch schwere Folgen für die Bevölkerung.

Sandsturm im Irak: Offenbar insgesamt 5000 Menschen in Krankenhäusern

In der Provinz Al-Anbar westlich der Hauptstadt Bagdad sind mehr als 700 Menschen mit Atemwegsbeschwerden, verursacht durch den Staub, in Kliniken eingeliefert worden. Das berichtet die staatliche Nachrichtenagentur INA unter Berufung auf örtliche Behördenangaben. In weiteren Provinzen wurden ebenfalls Hunderte Krankenhauseinlieferungen gemeldet. Und allein in der Hauptstadt Bagdad mussten 2000 Menschen behandelt werden. Der Flugverkehr laufe derzeit laut der Nachrichtenagentur INA noch weiter.

Sandsturm im Irak.
Eine orangefarbene Dunstglocke hat sich über die irakische Hauptstadt Bagdad gelegt. © AP/dpa/Ali Abdul Hassan

Das Land im Mittleren Osten hat etwa 40 Millionen Einwohner und ist in 18 Provinzen unterteilt. Sechs davon sind nun in die dichte Staubwolke gehüllt. In den betroffenen Gebieten fordern die Behörden die Bevölkerung auf, das Haus nicht zu verlassen, um nicht in Kontakt mit dem gefährlichen Staub zu kommen.

Sandstürme im Irak: Ein Zeichen des Klimawandels

Im Irak gibt es immer wieder Sandstürme. Gerade in den Sommermonaten kommt es im Wüstengebiet zu starken Nordwestwinden, die über die Auen der Flüsse Tigris und Euphrat wehen. Aber neben den Sandstürmen wird der Irak in den vergangenen Jahren auch vermehrt von extremen Hitzewellen und Dürreperioden getroffen. Genau wie derzeit in Indien und Pakistan, kletterten die Temperatur in unübliche und kaum erträgliche Höhen. Laut Schätzungen der Weltbank könnte das Land bis zum Jahr 2050 sogar rund 20 Prozent seiner Wasserreserven einbüßen. Erst Anfang April warnte ein Regierungsbeamter, dass sein Land in den kommenden Jahrzehnten mit „272 Tagen Staub“ im Jahr rechnen müsse. Auch Staatspräsident Barham Salih warnt vor den Folgen des Klimawandels für sein Land.

Er postete Ende April auf Twitter ein Bild des Sawa-Sees, einige hundert Kilometer südlich von Bagdad. Salih bezeichnet den See als „Perle des Südens in Samawa“ und erinnert sich an die schöne Oase, die er mit seinem Vater in der Jugend besuchte. Heute ist davon nicht mehr allzu viel übrig: Der See trocknet immer weiter aus. Das sei, laut Salih zu „beklagen und eine Erinnerung an die existenziellen Gefahren des Klimawandels. Die Bewältigung des Klimawandels muss zu einer nationalen Priorität werden“.

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