Schiitische Muslime nehmen an einer rituellen Zeremonie am Vorabend der Ashura vor der Al-Kadhimiya-Moschee, dem Schrein des siebten schiitischen Imam Musa ibn Ja‘far al-Kazim, teil
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Schiitische Muslime vor der Al-Kadhimiya-Moschee in Bagdad

Land zwischen Euphrat und Tigris

Irak: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Der Irak ist reich an Bodenschätzen, vor allem Erdöl. Dies bescherte dem Land großen Reichtum, machte es aber auch durch Sanktionen verwundbar.

  • In der Frühzeit entwickelte sich auf dem Gebiet des Irak im Zweistromland Mesopotamien eine der ersten Hochkulturen der Welt. Der Irak als Staat in seiner heutigen Form entstand unter britischem Protektorat erst in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts.
  • Nach der Erlangung der Unabhängigkeit war die Geschichte des Irak von innenpolitischen Unruhen und Kämpfen geprägt.
  • Der Irak war in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in drei Golfkriege gegen seine Nachbarländer beziehungsweise die USA verwickelt. Über lange Jahrzehnte prägte Saddam Hussein maßgeblich die Politik im Irak, er wurde 2003 abgesetzt.

Bagdad – Am 20. März 2003 begann der Irakkrieg mit ersten Luftangriffen, die von den US-amerikanischen Streitkräften gegen die Hauptstadt des Irak geflogen wurden. Bereits knapp zwei Monate später erklärte der damalige US-Präsident George Bush die Kampfhandlungen für beendet. Es gelang der US Army, den Diktator Saddam Hussein abzusetzen. Er konnte zunächst fliehen, im Dezember 2003 wurde Hussein von amerikanischen Soldaten gefasst und anschließend den irakischen Behörden übergeben. Ein Gericht verurteilte ihn im November 2006 zum Tode durch Erhängen. Dieses Urteil wurde im Dezember desselben Jahres vollstreckt.

Irak: Von der Frühgeschichte bis ins Mittelalter

Auf dem Gebiet des heutigen Irak entstand bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. eine der ersten Hochkulturen. In der Region Mesopotamien fanden verschiedene Volksstämme optimale Bedingungen für die Entwicklung von Landwirtschaft, Baukunst, der Schrift und anderen Kulturformen. Zu diesen Ethnien gehörten unter anderem die Sumer und Assyrer. 636 eroberten Muslime das Gebiet und verwandelten es in ein islamisches Zentrum. Ab 762 wurde mit der Errichtung von Bagdad begonnen, später wurde diese Stadt zur bedeutendsten im islamisch geprägten Arabien. Bis zu Beginn des 15. Jahrhunderts erlebte Bagdad eine Blütezeit, die durch den Einfall des asiatischen Heerführers Timur 1401 beendet wurde. Das Osmanische Reich eroberte den Irak im Jahr 1534.

Irak: Vom Ersten Weltkrieg bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs kam es am 6. November 1914 zum gemeinsamen Einmarsch von arabischen Aufständischen und britischen Truppen in den Irak. Das Vereinigte Königreich gründete 1920 den heutigen Irak als Britisches Mandat Mesopotamien. Die Briten vereinten die Regionen beziehungsweise Städte Bagdad, Mossul und Basra, nachdem sie diese aus dem Osmanischen Reich heraus gelöst hatten, zu einem neuen Staatsgebilde. Durch Ausrufung von Faisal zum irakischen König am 23. August 1921 wurde der Irak zum Königreich. Der Staat wurde im Oktober 1932 Mitglied des Völkerbundes.

Im Inneren des Landes kam es zunehmend zu Unruhen. Die Bevölkerung war unzufrieden, dass die Gewinne aus der Ölförderung fast ausschließlich ausländischen Unternehmen zugutekamen. Dabei handelte es sich insbesondere um die Irak Petroleum Company, die in ausländischem Besitz stand. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unterstützen die Briten die irakische Regierung unter Nuri as-Said. Die irakische Armee lehnte diesen Regenten jedoch ab und führte am 1. April 1944 einen Putsch durch. Sie machten Raschid Ali al-Gailani zum Regierungschef. Er erklärte den Irak zu einem neutralen Staat und forderte die Briten auf, das Land zu verlassen. Diese weigerten sich, sodass es in der Folge zu Kampfhandlungen zwischen der britischen und irakischen Armee kam. Die irakischen Streitkräfte unterlagen und die Briten etablierten im Oktober erneut eine Regierung unter Nuri as-Said.

Irak: Von der Unabhängigkeit bis zur Machtergreifung Saddam Husseins

Zunächst blieb das britische Mandat über den Irak bis zur Mitte der 50er-Jahre bestehen. Um ein Gegenwicht zur neu gegründeten Vereinigten Arabischen Republik zu schaffen, schlossen sich Jordanien und der Irak 1958 zur Arabischen Föderation zusammen. Die Briten unterstützen diese Vereinigung. Im selben Jahr kam es zu einem erneuten Putsch der irakischen, antibritisch eingestellten Offiziere. Sie töteten den auf der Seite der Briten stehenden König Faisal II und ergriffen die Macht. Anschließend beendeten die Militärmachthaber die Arabische Föderation und riefen den Irak als Republik aus. Die Bevölkerung unterstützte in weit überwiegender Mehrheit dieses Vorgehen. In der Folge zogen sich die britischen Truppen aus dem Irak zurück und die Geschichte der englischen Mandatsherrschaft endete.

Ab den frühen 60er-Jahren versuchte die Baath-Partei, teilweise auch mithilfe des Militärs, an die Macht zu kommen. Dies gelang endgültig im Jahre 1968, sie etablierte den Revolutionären Kommandorat. Zu dessen stellvertretendem Präsidenten wurde der spätere Diktator Saddam Hussein ernannt. Das Regime der Baath-Partei verfolgte eine Politik der politischen Säuberungen und führte zahlreiche Massenhinrichtungen durch. Am 16. Juli 1979 gelangte Saddam Hussein als Alleinherrscher an die Macht.

Irak: Vom Ersten Golfkrieg bis in die Gegenwart

Im September 1980 griff der Irak seinen Nachbarstaat Iran an und begann damit den Ersten Golfkrieg. Der Krieg dauert acht Jahre und endete 1988 mit einem Waffenstillstand. Zwei Jahre später, am 2. August 1990, begann der Zweite Golfkrieg durch den Einmarsch der irakischen Armee in Kuwait. 1991 griffen internationale Truppen unter Führung der USA in das Kriegsgeschehen ein und befreiten Kuwait. Als Reaktion auf die Angriffskriege verhängte die UNO Sanktionen gegenüber dem Irak, die eine starke Verschlechterung der ökonomischen Lage des Landes und eine Verarmung der Bevölkerung nach sich zogen. Der Irak war durch das Embargo nicht mehr wie zuvor in der Lage, die Staatsfinanzierung über Ölverkäufe sicherzustellen.

Im Frühling 2003 führten die USA Luftschläge gegen das Land durch und begannen den Irakkrieg, auch als Dritter Golfkrieg bezeichnet. Dieser Angriff war als Präventivkrieg konzipiert: Die USA vermuteten große Mengen an Massenvernichtungswaffen im Irak. Der damalige Präsident, George W. Bush, befürchtete, dass diese von Terroristen für Anschläge verwendet werden könnten. Nach Kriegsende erfolgte die Einteilung des Irak in Besatzungszonen durch die folgenden Mächte:

  • US Army
  • polnische Streitkräfte
  • britische Armee

Der langjährige Machthaber Saddam Hussein wurde abgesetzt, verurteilt und hingerichtet. In den folgenden Jahren konnten sich bislang (Stand: Dezember 2020) keine stabilen staatlichen Strukturen bilden. In diesem Machtvakuum proklamierte die islamistische Organisation al-Quaida im Oktober 2006 einen eigenen Staat auf dem Gebiet des Irak. Nachdem sich die US-Streitkräfte 2010 komplett zurückgezogen hatten, versuchte der IS einen islamistischen Staat im Irak zu errichten. Dieser Versuch scheiterte jedoch an dem Widerstand, den eine internationale Koalition dem IS entgegensetzte, auch mit Beteiligung der irakischen Streitkräfte.

Irak: Staat und Politik

Politik und Alltagsleben im Irak werden von den Konflikten der drei vorherrschenden Religionszugehörigkeiten beziehungsweise Volksgruppen geprägt. Dabei handelt es sich um:

  • Schiiten
  • Sunniten
  • Kurden

2004 trat eine Übergangsverfassung nach westlichem Vorbild in Kraft. Unter anderem konstituiert sie, dass die Regierung des Staates auf der Basis eines Repräsentanten-Rates gebildet wird. Dieser wird vom Volk alle vier Jahre in geheimen Wahlen gewählt. Das Land ist in 19 Gouvernements eingeteilt.

Irak: Geografie

Der Irak grenzt an die folgenden Staaten:

  • Kuwait
  • Saudi-Arabien
  • Jordanien
  • Iran
  • Türkei
  • Syrien

Die Geografie des Landes ist von den beiden Flüssen Euphrat und Tigris sowie der dazwischen liegenden Tiefebene geprägt. Im Norden des Landes befindet sich eine über 3.000 Meter hohe Gebirgslandschaft.

Irak: Bevölkerung und große Städte sowie Sprache

Der Irak hat eine Bevölkerung von knapp 39 Millionen Einwohnern.

Bagdad ist die Hauptstadt des Irak. Hier leben rund 5,8 Millionen Bürger. Darüber hinaus hat der Irak unter anderem diese bedeutenden Großstädte:

  • Basra
  • Mossul
  • Kirkuk
  • Erbil

Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung besteht zu etwa 75 Prozent aus Arabern sowie zu ungefähr 15 Prozent aus Kurden. Darüber hinaus leben im Irak rund 5 Prozent Turkomanen sowie in geringerer Zahl auch Assyrer und Armenier. Die weit überwiegende Mehrheit der Iraker sind Muslime, ihr Anteil beträgt rund 97 Prozent. Während Arabisch und Kurdisch die offiziellen Amtssprachen darstellen, werden in den irakischen Behörden zudem die Sprachen Syrisch-Aramäisch und Türkisch akzeptiert.

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