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Irak: Sunniten lebendig verbrannt

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- Bagdad -­ Nach der fürchterlichen Anschlagserie in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City mit bis zu 200 Toten haben am Freitag Racheakte und neue Selbstmordanschläge den Irak erschüttert. In Bagdad wurden sechs Sunniten bei lebendigem Leib von Schiiten verbrannt. Gleichzeitig riefen die politischen Führer der Sunniten und Schiiten ihre Anhänger zur Mäßigung auf.

Auch das geistliche Oberhaupt der irakischen Schiiten, Großajatollah Ali Husseini al-Sistani, appellierte an alle Iraker, keine Vergeltung zu üben. Einzig der radikale Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr, der in dem Bagdader Vorort seine größte Gefolgschaft hat, gab sich kämpferisch. Bei seiner Freitagspredigt in der mittelirakischen Stadt Kufa forderte er vom Vorsitzenden des sunnitischen Rates der Religionsgelehrten, Harith al-Dhari, eine "Fatwa" (ein islamisches Rechtsgutachten), dass die Tötung von Schiiten verbiete.

Die Abgeordneten und Minister der Sadr-Bewegung drohten ihren Rückzug aus Regierung und Parlament an, falls sich Ministerpräsident Nuri al-Maliki wie geplant am Mittwoch in Amman mit US-Präsident George W. Bush treffen sollte. Bei zwei Selbstmordattentaten in der nordwestirakischen Stadt Tel Afar starben am Freitag 24 Menschen. In Bagdad griffen Extremisten mehrere sunnitische Moscheen an.

In Sadr-City wurden unterdessen die Opfer der Anschläge vom Vortag beigesetzt. In den anderen Vierteln von Bagdad blieben die Iraker wegen einer am Donnerstag verhängten unbefristeten Ausgangssperre in ihren Häusern. Während ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Freitag erklärte, in Sadr-City seien 138 Menschen getötet und 201 weitere verletzt worden, sprach der staatliche Fernsehsender Al-Irakija von über 200 Toten und rund 250 Verletzten.

Auf Straßen und Plätzen des dicht besiedelten Bagdader Vororts, in dem etwa zwei Millionen Menschen leben, waren am Donnerstag kurz hintereinander sechs Autobomben detoniert und mehrere Mörsergranaten eingeschlagen.

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