Die Skyline von Teheran
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Die Skyline von Teheran

Vom Perserreich zum Gottesstaat

Iran: Alles über Geschichte, Wirtschaft und Bevölkerung des Staates

Der Iran ist ein Land voller Gegensätze. Als Persien war es eines der Großmächte der Antike, während sich der moderne islamische Staat heute wirtschaftlich und politisch im Abseits befindet.

Teheran – Vom einstigen Perserreich der Antike bis zum modernen konservativen Gottesstaat hat der heutige Iran viele turbulente Zeiten erlebt. Aufgrund der umstrittenen Atompolitik und der Menschenrechtslage ist der Staat politisch weitgehend isoliert, dank seiner reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen jedoch zugleich eine wirtschaftliche Macht.

Iran: Die frühe Geschichte

Die frühesten Siedlungsspuren des heutigen Iran reichen in die Jungsteinzeit zurück. Den ersten großen Reichen Elam und Meder folgte ab 559 v. Chr. das Reich der Achämeniden, das international besser als Perserreich bekannt ist und sich unter Kyros dem Großen bis Griechenland und Ägypten erstreckte. Geschichte schrieben vor allem die Schlachten gegen die Griechen, wie die Seeschlacht von Salamis und die Thermopylenschlacht, in der sich (angeblich) 300 Spartaner dem Heer des persischen Königs Xerxes I. entgegenstellten. Nach der Schlacht von Marathon lief Pheidippides der Legende nach 40 Kilometer nach Athen, um die Botschaft vom Sieg der Griechen zu überbringen und begründete so den Marathonlauf.

Von der Macht des alten Perserreiches zeugen heute die Ruinen von Persepolis. Dareios I. hatte die neue Hauptstadt für seinen Staat 520 v. Chr. anlegen lassen, doch nur 190 Jahre später wurde sie von Alexander dem Großen wieder zerstört.

Iran: Der Islam breitet sich aus

Mit den Eroberungszügen des Makedoniers endete im 3. Jahrhundert die Geschichte des Perserreiches. Eine regionale Macht wurde der Iran erst wieder mit dem Aufstieg der Sassaniden ab 224 n. Chr., die sich dem Römischen Reich an seiner Ostgrenze entgegenstellten. Die letzten Römisch-Persischen Kriege im frühen 7. Jahrhundert gelten als endgültiges Ende der Antike. Das erschöpfte Sassanidenreich wurde von den Arabern erobert, die die Bevölkerung zum aufblühenden Islam bekehrten.

Die folgenden Jahrhunderte waren von wechselnden Dynastien und zahlreichen Konflikten geprägt. 1501 übernahm der schiitische Safi-Orden die Macht im heutigen Iran und machte den schiitischen Islam zur Staatsreligion. Unter den Safawiden erlebte Persiens Wirtschaft und Kultur eine große, aber kurzfristige Blüte. Im 18. Jahrhundert gingen die östlichen Teile des Landes an die Afghanen verloren, die einen eigenen Staat gründeten (das heutige Afghanistan), im 19. Jahrhundert die nördlichen Landesteile Georgien, Armenien und Aserbaidschan.

Iran: Das 20. Jahrhundert

Im Vertrag von Sankt Petersburg teilten Russland und Großbritannien 1907 den heutigen Iran in eine russische, eine britische und eine neutrale Zone auf. In den folgenden Jahren kam es vor allem in der russischen Zone immer wieder zu Aufständen. 1925 wurde die herrschende Dynastie der Kadscharen abgesetzt und Premierminister Reza Pahlavi zum Schah (Herrscher) erklärt. Sein Versuch, Persien in eine Republik zu verwandeln, war zuvor gescheitert. Er führte zahlreiche Reformen nach westlichem Vorbild durch und ließ den Staat 1935 offiziell in Iran umbenennen.

1941 folgte ihm sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi auf den Pfauenthron, der das Reformprogramm weiterführte. Die sogenannte Weiße Revolution stieß bei konservativen Kräften auf Widerstand. Ihr Anführer Chomeini wurde 1964 ins türkische Exil verbannt. Später siedelte er in den Irak um, wo er als Ayatollah (geistlicher Führer) für einen Umsturz im Iran und die Errichtung einer streng islamischen Republik kämpfte. 1979 kam es schließlich zur Revolution und zum Sturz des Schahs, der die nächsten Monate auf der Flucht verbrachte und im Juli 1980 in Ägypten starb.

Iran: Die islamische Republik heute

Chomeini errichtete nach der Revolution einen theokratischen Gottesstaat nach streng islamischen Regeln, der vor allem für die weibliche Bevölkerung einen großen Rückschritt bedeutete. In der internationalen Politik machte sich der Iran zahlreiche Feinde, unter anderen 1989 durch die Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie, die Muslime in aller Welt aufrief, ihn zu töten. Nach einem kurzen Intermezzo des Reformers Mohammad Khatami übernahm der konservative Hardliner Mahmoud Ahmedineschad 2005 die Macht. Er trieb die Konflikte um das iranische Atomprogramm auf den Höhepunkt und isolierte den Staat weiter.

Iran: Politik und Religion

Die Politik im streng islamischen Staat ist untrennbar mit der Religion verbunden. Der Iran ist die einzige Theokratie der Welt und wird darum häufig als Gottesstaat bezeichnet. Das höchste Amt bekleidet der Religionsführer auf Lebenszeit. Seit dem Tod von Ayatollah Chomeini 1989 bekleidet der mittlerweile 81-jährige Ayatollah Ali Chameini dieses Amt. Die eigentliche Politik wird vom zweitmächtigsten Mann im Staat, dem Präsidenten, gemacht, der sich jedoch gegenüber dem Religionsführer und dem zwölfköpfigen Wächterrat verantworten muss. Staatspräsident ist seit 2013 Hassan Rohani, der die konservative Linie seiner Vorgänger weiterführt. So stieg die Zahl der Verhaftungen und Hinrichtungen, während sich die Meinungs- und Pressefreiheit verschlechterte.

Nach der islamischen Revolution hatte Chomeini die USA als Feindbild und „großen Satan“ aufgebaut und das Verhältnis zum Westen schwer belastet. Dem jüdischen Staat Israel spricht der Iran jedes Existenzrecht ab. Doch auch das Verhältnis zu den muslimischen Nachbarländern ist angespannt. Im Kern geht es dabei um innerislamische Konflikte zwischen den großen Regionalmächten, dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran.

Iran: Wirtschaft

Die beiden wichtigsten Einnahmequellen der iranischen Wirtschaft sind Erdöl und Erdgas. Da die westlichen Nationen wie die EU und die USA Embargos gegen den Iran verhängt haben, wird das Öl vor allem nach China, Indien und die Türkei exportiert. Obwohl der Bildungsstand im Vergleich zu anderen muslimischen Ländern sehr hoch ist, hat der Staat aufgrund des enormen Bevölkerungswachstums mit einer hohen Jugendarbeitslosigkeit von 30 Prozent zu kämpfen. Verstärkt wird das Problem durch den Brain Drain: Viele säkular und liberal eingestellte junge Iraner verlassen das konservative Land und beginnen ein neues Leben im Ausland.

Iran: Bevölkerung

Der Iran zählt heute etwa 82,9 Millionen Einwohner, wobei sich die Bevölkerung vor allem auf die großen Städte konzentriert. Alleine im Großraum Teheran leben 20 Millionen Menschen. Der Iran ist ein Vielvölkerstaat, in dem zahlreiche Ethnien leben:

EthnienAnteil an der Bevölkerung
Perser61 %
Azeris16 %
Kurden10 %
Luren6 %
Araber2 %
Belutschen2 %
Turkmenen2 %
Talishis2 %

98 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Von diesen sind wiederum 90 Prozent Schiiten und 8 Prozent Sunniten. Unter den Nichtmuslimen sind die Christen und die Baha‘i mit je 35,5 Prozent die größten Gruppen. Der Zoroastrismus, die vorherrschende Religion des alten Perserreiches, hat heute noch etwa 25.000 Anhänger. Die iranische Verfassung erkennt Zoroastrismus, Christentum und Judentum als schützenswerte religiöse Minderheiten an, doch in der Praxis sind sie starker Diskriminierung ausgesetzt.

Iran: Geografie

Der Iran wird im Norden von mehreren Gebirgszügen geprägt, die nach Süden hin abfallen. Größere Tiefebenen gibt es nur südlich des Kaspischen Meers und im Südwesten an der Grenze zum Irak. Da unter dem Iran mehrere Erdplatten aufeinanderstoßen, wird der Staat regelmäßig von Erdbeben erschüttert. Das schwere Erdbeben von Bam 2003 forderte 26.271 Tote und zerstörte die Stadt vollkommen. Im Norden grenzt der Iran an das Kaspische Meer, den größten See der Welt, im Süden an den Persischen Golf.

Mittlerweile zählt das Land acht Millionenstädte:

NameProvinzBevölkerungszahl*
TeheranTeheran8.693.706
MaschhadRazavi-Chorasan3.001.184
IsfahanIsfahan1.961.260
KaradschAlbors1.592.492
SchirasFars1.565.572
TäbrisOst-Aserbaidschan1.558.693
Ghom (Qom)Ghom (Qom)1.201.158
AhvazChuzestan1.184.788

*Stand 2016 (letzte Volkszählung)

Touristisch bleibt das Land aufgrund seiner internationalen Politik weit unter seinem Potenzial. Zu den größten potenziellen Sehenswürdigkeiten gehören die Ruinen des antiken Persepolis, der Paradiesgarten von Schiras und die historische Perle Isfahan mit dem Imam-Platz, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Im Elburs-Gebirge nördlich von Teheran gibt es mehrere Skigebiete, während die Insel Kish im Persischen Golf als Urlaubsparadies mit Luxusresorts und Stränden gilt. Allerdings herrscht striktes Alkoholverbot und Frauen und Männer dürfen nur getrennt im Meer baden.

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