Berühmte Steilküste: Von den Cliffs of Moher blickt man aus 214 Metern Höhe auf den Atlantik
+
Irland ist berühmt für seine Steilküsten wie die Cliffs of Moher

Vom Armenhaus zum keltischen Tiger

Irland: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Irland ist eine zweigeteilte Insel mit einer einzigartigen Kultur und malerischen Landschaft. Seit der Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich entwickelte sich die Republik Irland im südlichen Teil vom Armenhaus Europas zu einem progressiven, wirtschaftlich starken Staat.

  • Mit Irland ist in der Regel die Republik Irland im Süden der gleichnamigen Insel gemeint.
  • Der moderne Staat Irland erklärte sich 1921 unabhängig von Großbritannien.
  • In der irischen Sprache heißt das Land Éire.

Dublin – Irland beschwört meist Bilder malerischer sattgrüner Landschaften und imposanter Felsenküsten herauf. Das irische Volk pflegt sein Image als trinkfeste Gesellen, die abends im Pub bei Guinness und keltischer Volksmusik zusammensitzen. Doch hinter den Klischees verbirgt sich ein Land mit einzigartiger Geschichte, das sich erst im späten 20. Jahrhundert von seinem Ruf als Armenhaus Europas befreien konnte.

Irland: Die frühe Geschichte

Noch heute vermarktet sich Irland als keltische Nation, obwohl die Kelten vermutlich erst im 5. Jahrhundert v. Chr. auf die Insel kamen und vorhandene Völker nach und nach verdrängten. Erste schriftliche Zeugnisse der irischen Geschichte entstanden im 5. Jahrhundert n. Chr. mit der Ankunft der christlichen Missionare. Zu diesen gehörte der aus Britannien stammende Patricius, der als St. Patrick zum Schutzpatron von Irland wurde. Sein Feiertag am 17. März ist heute Nationalfeiertag und wird von Iren in aller Welt begangen.

Die folgenden Jahrhunderte waren von internen Konflikten zwischen den irischen Stämmen und von zahlreichen Wikinger-Überfällen geprägt. Brian Boru gelang es kurz vor dem Jahr 1000, die irischen Stämme zumindest im Süden des Landes kurzfristig zu vereinen und die Wikinger zu vertreiben. So ging er als einziger Hochkönig von ganz Irland in die Geschichte ein und begründete den Clan der O‘Brien. Die Melodie „Brian Boru‘s March“ ist heute fester Bestandteil des irisch-keltischen Repertoires und seine (angebliche) Harfe eine viel besuchte Sehenswürdigkeit in Dublin.

Irland und der unbequeme Nachbar

Im 12. Jahrhundert eroberten die Normannen große Teile von Irland, doch ihre direkte Herrschaft blieb auf einen kleinen Küstenstreifen im Osten beschränkt. Dies änderte sich 1541, als König Henry VIII. die Insel direkt der englischen Krone unterstellte. Kurz darauf begannen die „Plantations“ genannten Maßnahmen, mit denen protestantische Briten zur Ansiedlung im katholischen Irland, insbesondere in der nördlichen Provinz Ulster, ermutigt wurden. Sie legten den Grundstein für die Jahrhunderte andauernden Konflikte auf der Insel.

Nachdem sich Irland im englischen Bürgerkrieg Mitte des 17. Jahrhunderts auf die Seite der Royalisten gestellt hatte, wurde die Bevölkerung Ziel brutaler Vergeltungsmaßnamen von Oliver Cromwell und seinen Truppen. Zahllose Städte wurden zerstört, irische Grundbesitzer enteignet und Aufständische als Sklaven in die englischen Kolonien in Nordamerika und in der Karibik deportiert. Ein weiterer Tiefpunkt der irischen Geschichte war die Schlacht am Boyne 1690, die der protestantische König William III. gegen den zuvor abgesetzten katholischen König James II. gewann. Bis heute kommt es in Nordirland regelmäßig am 12. Juli zu Unruhen, wenn der protestantische Oranier-Orden mit Paraden an den Sieg erinnert.

Irland und der mühsame Weg zur Unabhängigkeit

1846 begann nach dem Ausfall der Kartoffelernte die große Hungersnot von Irland (Great Famine), der die britische Regierung in London tatenlos zusah. Über eine Million Menschen verhungerten, rund 1,5 Millionen Iren wanderten vor allem in die USA aus. Die Hungersnot bestärkte die ersten Unabhängigkeitsbestrebungen, die 1914 in der Verabschiedung des „Home Rule“-Gesetzes zur Selbstverwaltung Irlands (mit Ausnahme von Ulster) resultierte.

Die Einführung verzögerte sich jedoch durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. 1916 löste eine Unabhängigkeitserklärung der Republik Irland den Oster-Aufstand aus. Dieser wurde niedergeschlagen, doch schon 1919 kam es erneut zur Rebellion, die am 6. Dezember mit der Unterzeichnung des Anglo-Irischen Vertrags endete: Die 26 südlichen Counties des Landes wurden zur unabhängigen Republik Irland, die sechs nördlichen Counties der Provinz Ulster blieben als Nordirland bei Großbritannien.

Irland heute

Erst 1949 trat die Republik Irland aus dem britischen Commonwealth aus und wurde formal von Großbritannien anerkannt. Der junge irische Staat trat 1955 den Vereinten Nationen bei und 1973 der EU (damals noch EG). Nicht zuletzt dank großzügiger EU-Hilfen und einer liberalen Wirtschaftspolitik erlebte das noch immer landwirtschaftlich geprägte, rückständige Irland einen enormen Aufschwung, der als „keltischer Tiger“ in die Geschichte einging. Vor allem die Hauptstadt Dublin wuchs rasant. Dem Aufstieg folgte 2007 im Rahmen der globalen Finanzkrise ein ebenso dramatischer Abschwung, der erst 2014 mithilfe des EU-Rettungsschirms überwunden werden konnte.

Der Bürgerkrieg in Nordirland wurde am 10. April 1998 formal mit dem Karfreitagsabkommen beendet. Die Republik Irland gab darin ihre Ansprüche auf eine Wiedervereinigung mit Nordirland auf. Allerdings stellt der Brexit den irischen Staat vor neue Probleme, denn die Grenze zwischen EU und Nicht-EU verläuft nun mitten durch die Insel.

Irland: Politik und Regierung

Staatsoberhaupt der Republik Irland ist ein vom Volk auf sieben Jahre gewählter Präsident (Uachtarán), der jedoch größtenteils zeremonielle Aufgaben wahrnimmt. Aktuell bekleidet Michael D. Higgins von der Irish Labour Party das Amt.

Die eigentliche Politik liegt in den Händen des irischen Parlaments (Oireachtas), das aus dem Senat (Seanad Éirann) und dem Repräsentantenhaus (Dáil Éireann) besteht. (https://www.gov.ie/en/) Der Regierung steht der Ministerpräsident (Taoiseach) vor. Dies ist seit 27. Juni 2020 Micheál Martin von der konservativen Partei Fianna Fáil. Sein Vorgänger Leo Varadkar von der liberal-konservativen Partei Fine Gael ist seither Vize-Ministerpräsident (Tánaiste). Beide Parteien bilden mit den irischen Grünen eine Koalition.

Die wichtigsten Fakten zu Irland:

  • Fläche 70.273 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 4.761.865
  • Hauptstadt: Dublin
  • Amtssprachen: Irisch, Englisch
  • Ministerpräsident: Micheál Martin

Irland: Bevölkerung und Sprache

Irland war in den letzten beiden Jahrhunderten von starken Auswanderungswellen betroffen. Die Bevölkerung schrumpfte von 6,5 Mio. Einwohnern im Jahr 1841 (vor der großen Hungersnot) auf 2,9 Mio. Einwohner im Jahr 1926 (nach der Unabhängigkeitserklärung) um mehr als die Hälfte. Heute hat jeder dritte Australier einen irischen Migrationshintergrund und in den USA leben rund 33 Millionen irischstämmige Amerikaner.

Offiziell gehören 87 Prozent der Iren dem römisch-katholischen Glauben an, allerdings ging die Zahl der gläubigen Christen im neuen Jahrtausend deutlich zurück. Zugleich erlebte der Staat erstmals eine starke Einwanderungswelle vor allem aus Osteuropa.

Die englische und die irische Sprache sind gleichberechtigte Amtssprachen. Allerdings sprechen heute nur noch 10 Prozent der Bevölkerung Irisch im Privatleben. Die irischsprachigen Regionen (Gaeltacht) konzentrieren sich auf den äußersten Westen vor allem in den Counties Donegal, Mayo und Galway.

Irland: Geografie und Städte

Irland trägt aufgrund seiner malerischen Landschaft die Spitznamen „Die Grüne Insel“ oder „The Emerald Isle“ (Smaragd-Insel). Die Geografie wird von Hügelgebieten und seenreichen Ebenen geprägt. Der höchste Berg des Landes ist der 1.039 Meter hohe Carrantuohill im Südwesten.

Der Großteil der Bevölkerung konzentriert sich heute in den Städten, insbesondere in der Hauptstadt Dublin an der Ostküste. Die größten Städte in der Republik Irland im Überblick:

RangNameEinwohnerzahl
1Dublin1.173.179
2Cork208.669
3Limerick94.192
4Galway79.934
5Waterford53.504

Irland: Wissenswertes

Die irische Kultur ist weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Irland brachte insgesamt vier Literaturnobelpreisträger hervor: George Bernard Shaw, William Butler Yeats, Samuel Beckett und Seamus Heaney. Seit den 1960er-Jahren erlebt die traditionelle irisch-keltische Musik ein Revival. Zu den berühmtesten Künstlern der Insel gehören The Dubliners, The Chieftains, Clannad, Enya und Sinéad O‘Connor.

Michael Flatley machte den irischen Tanz mit seiner Show „Riverdance“ in aller Welt bekannt. Neben Fußball und Rugby erfreuen sich alte gälische Sportarten wie Gaelic Football und Hurling großer Beliebtheit. Bekannt ist das Land auch für seine hochprozentigen Erzeugnisse wie Irish Whiskey, Baileys Liquor und die Biermarke Guinness. Der Tourismus spielt dagegen in Irland keine so große Rolle. Vor allem Naturliebhaber besuchen die landschaftlich schöne Insel im äußersten Westen Europas.

Auch interessant

Kommentare