Ein Blick auf die Skyline an der Seepromenade
+
Die Skyline von Tel Aviv an der Seepromenade

Heiliges Land und Dauerkrisenherd

Israel: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

Israel ist ein Land mit einzigartiger Geschichte, in der biblische Mythen und historische Fakten Hand in Hand gehen. Der moderne Staat Israel gilt als einzige Demokratie im Nahen Osten und wird von zahlreichen Konflikten belastet.

  • Der moderne Staat Israel wurde am 14. Mai 1948 gegründet.
  • Das Land blickt auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurück.
  • In Jerusalem treffen die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam aufeinander.

Tel Aviv – Israel ist in vielfacher Hinsicht ein geteiltes Land. Zum einen wird es vom andauernden Konflikt zwischen der israelischen und der arabisch-palästinensischen Bevölkerung geprägt. Doch auch im Inneren prallen Gegensätze in Form des hochmodernen weltoffenen Tel Aviv und des konservativ-religiösen Jerusalem aufeinander.

Israel: Die frühe Geschichte

Die frühe Geschichte der Region um Israel ist nur schwer von biblischen Mythen zu trennen. Historisch belegt ist, dass in der Frühzeit die Philister die fünf Stadtstaaten Aschdod, Gaza, Aschkelon, Gat und Ekron gründeten, die als Pentapolis bekannt waren. Auf Hebräisch wurden sie als „Peleschet“ bezeichnet, woraus das Wort Palästina entstand.

In den folgenden Jahrhunderten wurde Israel mehrmals erobert, darunter von Babyloniern, Alexander dem Großen und schließlich von den Römern. Obwohl diese dem jüdischen Volk Religionsfreiheit gewährten, kam es in Judäa zu zahlreichen Aufständen, die 66 n. Chr. zum offenen Krieg führten. In diesem eroberten die siegreichen Römer Jerusalem und zerstörten den Tempel. Endgültig beendet wurde der Krieg erst mit der Einnahme der Bergfestung Masada am Toten Meer, heute eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Landes.

Etwa ein Drittel der jüdischen Bevölkerung verlor im Krieg das Leben, viele weitere Juden gerieten in die Sklaverei. Vom Tempel blieb nur noch die westliche Außenmauer erhalten, die heutige Klagemauer in der Jerusalemer Altstadt. Kaiser Hadrian ließ das Land 135 v. Chr. in Palästina umbenennen, um die Erinnerung an das jüdische Volk zu löschen.

Israel und die Kreuzzüge

Ab 636 wurde Palästina von den Arabern erobert, die die Christen des Oströmischen Reiches vertrieben. Im 8. Jahrhundert kam es unter Kalif Umar II. zur Unterdrückung und Verfolgung der Juden und Christen. Mit Christen, die nach Jerusalem gepilgert waren, kamen diese Berichte nach Europa und lösten die Kreuzzüge zur Rückeroberung des Heiligen Landes aus. Die Motivation der Kreuzfahrer bleibt im Dunkeln. Viele trieb vermutlich eher der Sinn für Abenteuer und die Hoffnung auf reiche Beute an, andere womöglich Vergebung für ihre Sünden. Die zunächst siegreichen Kreuzfahrer errichteten vier Staaten, darunter das Königreich Jerusalem, doch alle christlichen Territorien gingen bis Ende des 13. Jahrhunderts wieder verloren. Das heutige Israel wurde in den folgenden Jahrhunderten zunächst Teil des syrischen Kalifats der Mamluken und anschließend des Osmanischen Reiches.

Israel und der Zionismus

Die Juden lebten seit der Niederschlagung des Aufstandes gegen die Römer als Diaspora in aller Welt verteilt. Immer wieder sah sich das jüdische Volk mit Diskriminierung und Verfolgung konfrontiert. Schon während des Babylonischen Exils im 6. Jahrhundert v. Chr. wurde der Begriff „Zion“ als Name für den Tempelberg von Jerusalem zum geflügelten Wort für die Rückkehr nach Israel (Alija). Im späten 19. Jahrhundert erlebten der Begriff und der Gedanke dahinter unter dem Eindruck der Pogrome in Osteuropa eine Renaissance. In Deutschland verfasste Theodor Herzl 1896 das Buch „Der Judenstaat“, in der er die Idee einer organisierten Ansiedlung in einem neuen Staat propagierte. Daraus entstand die Zionistische Weltorganisation, in der sich zionistische Verbände aus aller Welt vereinten.

Israel: Geburt eines Staates

Schon vor dem Ersten Weltkrieg war die jüdische Bevölkerung in Israel auf etwa 85.000 Menschen angewachsen, die vor allem aus Osteuropa kamen. 1917 wurde der Anspruch der Juden auf eine nationale Heimstätte in Palästina mit der britischen Balfour Declaration bestätigt. Allerdings stieß diese Erklärung bei den in Palästina lebenden Arabern auf wenig Gegenliebe. Der fruchtbare Nährboden für den bis heute andauernden Nahostkonflikt war bereitet.

Aufgrund der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Europa verstärkte sich der Zustrom jüdischer Auswanderer nach Israel enorm. Am 29. November 1947 verabschiedete die UNO den Teilungsplan für Palästina, der das Problem lösen sollte: Juden und Araber erhielten je eine Hälfte des Landes, während Jerusalem unter internationaler Kontrolle verbleiben sollte. Am 14. Mai 1948 endete das britische Mandat für die Region und der erste israelische Ministerpräsident David Ben Gurion rief den jüdischen Staat Israel aus.

Israel und der Nahostkonflikt

Nur wenige Stunden nach der Unabhängigkeitserklärung begann der Palästinakrieg zwischen Israel und sechs arabischen Nachbarländern. Israel konnte diesen Krieg gewinnen und zugleich sein Territorium vergrößern. Rund 750.000 arabische Palästinenser wurden aus dem nun jüdischen Staat vertrieben. Umgekehrt musste etwa die gleiche Anzahl Juden arabische Länder verlassen. 1967 folgte der Sechstagekrieg und 1973 der Jom-Kippur-Krieg. Innerhalb der Landesgrenzen kam es 1987 zur ersten Intifada und 2000 zur zweiten Intifada: gewalttätigen Unruhen und Anschlägen durch die Palästinenser.

Zarte Versuche einer Entspannung hielten meist nicht lange an. So wurde der für die Aussöhnung kämpfende israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin kurz nach Unterzeichnung des Oslo-Abkommens 1994 von einem rechtsextremen jüdischen Siedler ermordet. Durch israelische Militäraktionen in den palästinensischen Gebieten und die israelische Siedlungspolitik einerseits und Selbstmordattentate und Angriffe durch palästinensische Extremisten andererseits bleibt der Nahostkonflikt bis heute festgefahren.

Israel: Politik

Israel wird oft als einzige freie Demokratie im Nahen Osten bezeichnet. Staatsoberhaupt ist der Staatspräsident, der vor allem eine repräsentative Funktion erfüllt. Seit 2014 bekleidet Reuven Rivlin dieses Amt. Im Juli 221 wurde er von Jitzchak Herzog abgelöst. Die eigentliche Politik wird vom Ministerpräsidenten und dem Kabinett betrieben, die dem Parlament (Knesset) vorstehen.

Das Amt des Ministerpräsidenten bekleidet seit 2009 Benjamin Netanjahu von der konservativen Likud-Partei. Seit den Parlamentswahlen im April 2020 regiert der Likud in einer Großen Koalition mit der Partei Chosen LeJisrae‘el von Benny Gantz. Dieser soll nach anderthalb Jahren das Amt des Ministerpräsidenten in Rotation übernehmen.

Israel: Bevölkerung und Sprache

Seit der Staatsgründung von 1948 hat die Bevölkerung von Israel stark zugenommen. Immer wieder kam es zu starken Einwanderungswellen von ausländischen Juden, zuletzt in den 90er-Jahren nach dem Zerfall der Sowjetunion. Dazu treibt die hohe Geburtenrate unter ultra-orthodoxen Juden und Muslimen die Bevölkerungszahl in die Höhe. Im Jahr 2000 lebten noch 6.289.000 Menschen im Staat, im Jahr 2020 waren es bereits 9.250.000. Als Israelis werden alle Menschen ungeachtet ihrer Religion bezeichnet, die die israelische Staatsbürgerschaft besitzen. Sie teilen sich wie folgt auf:

GruppeEinwohnerProzentualer Anteil an der Bevölkerung
Juden6,84 Mio.74
Araber1,95 Mio.21
Sonstige459.0002,1

Innerhalb der jüdischen Bevölkerung wird zwischen verschiedenen Gruppen unterschieden:

  • Aschkenasim (Einwanderer aus Europa und Amerika)
  • Sephardim (Einwanderer von der Iberischen Halbinsel)
  • Misrachim (Einwanderer aus dem Orient und Nordafrika)
  • Beta Israel (Einwanderer aus Äthiopien)

In Israel geborene Juden, die sich keiner der Gruppen direkt zugehörig fühlen, werden als Tzabar bezeichnet. Sie machen heute 75 Prozent der jüdischen Bevölkerung aus.

Nur 15 Prozent der Juden bezeichnen sich als orthodox und 7 Prozent als ultra-orthodox. In einer Umfrage gaben 65 Prozent der jüdischen Einwohner von Israel an, nicht-religiös oder atheistisch zu sein.

Einzige offizielle Sprache im Staat ist Hebräisch. Arabisch hat einen Sonderstatus inne.

Israel: Geografie und Städte

Die Geografie von Israel wird von karger Wüste und fruchtbaren Ebenen dominiert. Das Tote Meer liegt 418 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit der tiefste Punkt des Landes und der Welt. Der Küstenstreifen ist besonders dicht besiedelt.

Die größten Städte von Israel (Stand 2016):

RangNameEinwohnerzahl
1Jerusalem*882.652
2Tel Aviv-Jaffa438.818
3Haifa279.591
4Rischon LeZion247.323
5Petach Tikwa236.169

*Die Zahl für Jerusalem umfasst Ostjerusalem, obwohl die israelische Annexion völkerrechtlich nicht anerkannt wurde.

In der Metropolregion von Tel Aviv-Jaffa (Gusch Dan) leben mehr als 3 Millionen Einwohner. Die moderne liberale Großstadt Tel Aviv gilt als wirtschaftliches und gesellschaftliches Zentrum des Landes, während in Jerusalem besonders viele konservative orthodoxe Juden leben. Der Staat Israel erklärte Jerusalem 1980 zu seiner Hauptstadt und verlegte die wichtigsten Regierungsgebäude dorthin. Allerdings wurde dies international von nur vier Ländern anerkannt. Alle anderen haben ihre Botschaften und Konsulate weiterhin in Tel Aviv.

Auch interessant

Kommentare