Israel stellt sich auf Hamas-Erfolg ein

- Tel Aviv - Israel stellt sich auf einen Erfolg der radikalislamischen Hamas-Bewegung bei den palästinensischen Parlamentswahlen am kommenden Mittwoch und einen neuen Ausbruch der Gewalt ein. Der israelische Armeesender meldete am Sonntag, diese Einschätzung hätten ranghohe Sicherheitsexperten bei einer Beratung mit dem amtierenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert vertreten.

Die Zeitung "Jediot Achronot" berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, Israel würde sich im Falle eines Hamas-Sieges "von jeder Verpflichtung gegenüber den Palästinensern lossagen". Hamas tritt am Mittwoch zum ersten Mal als politische Partei bei den Wahlen in den Palästinensergebieten an und kann nach Meinungsumfragen mit gut einem Drittel der Stimmen rechnen. Für die Fatah-Bewegung von Präsident Abu Abbas wird mit einem ähnlichen Ergebnis gerechnet.

Der israelische Generalstabschef Dan Haluz sagte am Sonntag während einer Konferenz in Herzlia, Israel müsse nach den Wahlen mit einer neuen Runde der Gewalt mit den Palästinensern rechnen. Gleichzeitig betonte er, das Land habe 2006 keine existenziellen Bedrohungen zu befürchten. Die Sorge gelte nur dem iranischen Atomprogramm.

Der in Israel inhaftierte Fatah-Spitzenkandidat Marwan Barguti sprach sich vor der Wahl für eine politische Zusammenarbeit seiner Organisation mit Hamas aus. In einem im Gefängnis aufgezeichneten Interview mit dem Nachrichtensender Al-Arabija sagte Barguti am Sonntag, Fatah und Hamas seien "Partner". Barguti rief die Palästinenser auf, von ihren wichtigsten Forderungen nicht abzurücken. Dazu gehöre auch, dass Ostjerusalem die Hauptstadt eines palästinensischen Staates werde.

Die israelische Arbeitspartei ist nach Medienberichten laut ihrer Wahlplattform für ein Friedensabkommen mit den Palästinensern zur Aufgabe der mehrheitlich von Muslimen bewohnten arabischen Stadtviertel Ostjerusalems bereit. Die heiligen Stätten der Juden sollten jedoch unter israelischer Kontrolle bleiben.

Bereits am Samstag hatten palästinensische Polizisten vier Tage vor der palästinensischen Parlamentswahl mit der Stimmabgabe begonnen. Wahllokale im Gazastreifen und Westjordanland öffneten für mehr als 58 000 Sicherheitskräfte. Die Entscheidung für eine frühere Stimmabgabe war getroffen worden, damit die Polizisten am Wahltag voll einsatzfähig sind.

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