Israelische Armee rückt in Westjordanland ein

- Ramallah - Nach dem Selbstmordanschlag in Jerusalem sind in der Nacht israelische Armeeverbände in das palästinensische Westjordanland eingerückt. Ein militanter Palästinenser wurde am Freitagmorgen bei einer Militäraktion in der Nähe von Hebron getötet.

Nach palästinensischen Angaben wurde der Mann erschossen, als er vor israelischen Soldaten flüchten wollte. Die Soldaten wollten den Mann festnehmen.

Auch nach Bethlehem und in umliegende Gemeinden rückten israelische Soldaten vor. Nach palästinensischen Angaben durchkämmten die Soldaten dort auf der Suche nach Extremisten Häuser. Vier Palästinenser seien festgenommen worden. Angaben über Zusammenstöße mit militanten Palästinensern lagen zunächst nicht vor. In Ramallah sprengten die Israelis sechs Häuser von Familien von radikalen Hamas-Anhängern.

Unterdessen hat der Chef der libanesischen Hisbollah-Miliz, Scheich Hassan Nasrallah, nach dem Gefangenenaustausch mit Israel die Entführung weiterer israelischer Soldaten angedroht. Bei der Heimkehr von 21 Libanesen aus Israel versprach Nasrallah am Donnerstag in Beirut, keinen (arabischen) Gefangenen in Israel zurückzulassen. Zuvor hatte der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon die militanten Organisationen vor weiteren Entführungen gewarnt.

Nach der Ankunft der sterblichen Überreste von drei israelischen Soldaten fand am Donnerstagabend auf dem Flughafen von Tel Aviv eine militärische Ehrenzeremonie statt. Der ebenfalls ausgetauschte Geschäftsmann Elchanan Tennenboim, der nach Medienberichten im Rahmen krimineller Geschäfte in den Libanon gelockt wurd, wurde nach seiner Ankunft in Israel von seiner Familie und seinem Anwalt begrüßt.

Unweit von Scharons Amtssitz sprengte sich am Morgen ein 24- jähriger Palästinenser in einem Bus in die Luft. Außer dem Attentäter starben zehn Menschen. Mehr als 50 Fahrgäste und Passanten wurden verletzt. Wenig später bekannten sich die Al-Aksa-Brigaden, die zur Fatah-Organisation von Jassir Arafat gehören, zu dem Anschlag. In einer Videoaufzeichnung erklärte der Täter, seine Aktion sei ein Racheakt für die Tötung von neun Palästinensern in Gaza.

Die Vereinbarung zwischen Israel und der Hisbollah war unter monatelanger Vermittlung des Geheimdienstkoordinators im Kanzleramt, Ernst Uhrlau, zu Stande gekommen. Auf dem militärischen Teil des Flughafens Köln-Bonn hatten israelische Gesandte die Leichen der drei Soldaten sowie Tennenboim übernommen, die zuvor von der Hisbollah übergeben worden waren. Sie waren gegen in Köln gegen etwa 30 von Israel freigelassene Araber getauscht worden. Zudem entließ Israel mehr als 400 Palästinenser aus dem Gefängnis und übergab die Leichen von rund 60 getöteten Hisbollah-Kämpfern.

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