ISS: Kosmischer Lieferservice hat angedockt

Houston - Die Internationale Raumstation ISS hat seit Mittwochnachmittag einen Premierengast. Erstmals hat ein privates Raumschiff, das Lebensmittel und Kleidung liefert, regulär an ihr festgemacht.

Die Internationale Raumstation ISS hat seit Mittwochnachmittag einen Premierengast. Erstmals in der Geschichte hat mit dem US-Frachter „Dragon“ ein privates Raumschiff regulär an ihr festgemacht, teilte das NASA-Kontrollzentrum in Houston im Bundesstaat Texas mit. Um 15.03 Uhr deutscher Zeit sei das komplizierte Anlegemanöver abgeschlossen gewesen.

Nach zweieinhalbtägigem Flug war der Frachter gut 400 Kilometer über der Erde automatisch bis auf rund zehn Meter an die Unterseite der Station herangekommen. Da er über kein aktives Kopplungsaggregat wie der russische „Progress“- oder die europäischen ATV-Pendants verfügt, wurde er um 12.56 Uhr deutscher Zeit vom japanischen Astronauten Akahiko Hoshide mit einem Roboterarm „eingefangen“. Über zwei Stunden später setzte ISS-Kommandantin Sunita Williams (USA) den Acht-Tonnen-Koloss mit viel Fingerspitzengefühl an das amerikanische „Harmony“-Modul um und verankerte ihn dort.

Die Kapsel war am Montagmorgen mit 400 Kilogramm Nachschub an Bord vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida gestartet. Trotz Ausfalls eines der neun Triebwerke der Erststufe der Falcon 9-Rakete erreichte sie die vorausberechnete Umlaufbahn. SpaceX-Chef Elon Musk wertete das als Ausdruck der Zuverlässigkeit des Antriebssystems, das wie bei einem Flugzeug auch mit einem Triebwerk weniger weiter funktioniere. Der Raketenmotor war wegen eines Druckabfalls automatisch abgeschaltet worden. Um den Schubverlust auszugleichen, wurde die Brenndauer der ersten Stufe um 30 Sekunden verlängert. Experten fragen sich allerdings, wie die Sache bei einer Explosion des defekten Triebwerks ausgegangen wäre.

Rückkehr am 28. Oktober

Die ISS-Mannschaft entlädt in den nächsten Tagen die Lebensmittel, Kleidung, Ersatzteile, wissenschaftlichen Geräte und einen Gefrierschrank für die Aufbewahrung von Versuchsmustern. Danach verstaut das Trio, zu dem noch der Russe Juri Malentschenko gehört, rund 760 Kilogramm ausrangierte Technik und Forschungsergebnisse in der Kapsel, die am 28. Oktober wieder zur Erde zurückkehren soll. Damit verfügt die Station nach Einstellung des Shuttle-Programms im Sommer 2011 wieder über nennenswerte Rückführungskapazitäten. Die russischen, europäischen und japanischen Einweg-Frachter haben keinen Hitzeschild und verglühen nach getaner Arbeit.

Die Wasserung von „Dragan“ erfolgt im Pazifik vor der kalifornischen Küste. Bis 2016 sind zwölf Versorgungsflüge geplant. Die NASA zahlt SpaceX dafür 1,6 Milliarden Dollar.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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