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Gletschersturz an der Marmolata: Überlebender erzählt von dramatischen Momenten - „Der Berg regnete auf uns“

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Von: Patrick Mayer

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Beim Lawinen-Unglück an der Marmolata werden mindestens sieben Menschen getötet. Ein überlebender Bergsteiger schildert von den Sekunden beim Gletscherbruch in den Dolomiten.

München/Bozen - Das Lawinen-Unglück in den Dolomiten nach einem Gletscherbruch an der Marmolata versetzt den Norden Italiens in Schockstarre. Und das, während ganz Italien mit einer historischen Trockenheit und Dürre zu kämpfen hat, die mittlerweile in den Regionen Piemont, Lombardei, Emilia-Romagna, Venetien und Friaul-Julisch Venetien zum Ausnahmezustand geführt hat.

Die Marmolata liegt in den italienischen Alpen ziemlich genau an der Grenze zwischen Venetien und Südtirol. Hier, unweit der Großstadt Bozen (rund 110.000 Einwohner) am Brenner, kam es am Sonntag (3. Juli) zu einem verhängnisvollen Gletschersturz. Ein riesiges Stück des Gletschers brach nach Rekord-Temperaturen in der Gegend ab, Massen an Geröll, Eis und Schnee begruben mindestens zwei Seilschaften an Alpinisten unter sich.

Gletschersturz an der Marmolata: Lawinen-Unglück in den Dolomiten bestürzt Italien

Ein Sprecher der italienischen Bergrettung sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass zunächst unklar war, ob neben den Seilschaften noch einzelne Bergsteiger an den Unglücksstellen unterwegs waren. Das versuchen die Behörden fieberhaft herauszufinden. Bergretter aus den Regionen Venetien und Trentino-Südtirol wurden alarmiert und eilten zur Unglücksstelle.

Diese soll verschiedenen Berichten zufolge weiter instabil sein, was die Rettungs- und Bergungsarbeiten erschwert. An diesem Dienstag (5. Juli) überflogen Rettungskräfte das Gebiet mit Drohnen, um eigene Bergwachtler beim Einsatz nicht zu gefährden.

Gletscherbruch an der Marmolata: Junger Ingenieur überlebte Geröll-Lawine in den Dolomiten

Unterdessen schilderte ein Überlebender von den dramatischen Momenten des Gletscherbruchs in den Dolomiten. Der 27-jährige Riccardo Franchin, ein Ingenieur aus Barbarano Mossano in der Provinz Vicenza, überlebte das Unglück mit einem Lebertrauma sowie schweren Prellungen im Gesicht, an den Armen und Beinen. Der junge Mann wird im Krankenhaus Santa Chiara in Trento behandelt. Wie die italienische Zeitung Corriere del Veneto schreibt, gelten mehrere seiner Bergsteiger-Freunde noch als vermisst.

„Ich habe ein seltsames Geräusch gespürt und instinktiv den Kopf gehoben, um zu sehen, was über mir passiert“, erzählte Franchin der Tageszeitung La Stampa. Er sei so schnell er konnte weggerannt. „Der Berg regnete auf uns und ich versuchte zu fliehen“, sagte er demnach.

Gletschersturz an der Marmolata: Hier ereignete sich das Unglück in den Dolomiten.
Gletschersturz an der Marmolata: Hier ereignete sich das Unglück in den Dolomiten. © dpa

Lawinen-Unglück in den Dolomiten: Suche nach Vermissten an der Marmolata geht weiter

Es sei alles so plötzlich gekommen, „dass ich nicht einmal Zeit hatte, Schmerzen zu empfinden“, erzählte Franchin La Stampa. Und, dass er das Bewusstsein verloren habe. Als er aufgewacht sei, „fand ich mich auf meinen Beinen wieder und sah mich um. Nichts. Ich habe niemanden mehr gesehen“, erklärte er der Zeitung. Mindestens sieben Menschen verloren bei dem Unglück in Italien ihr Leben, acht Bergsteiger wurden teils schwer verletzt - darunter zwei Deutsche.

Indes ging die Suche nach noch fünf Vermissten am Dienstag unter Hochdruck weiter. Das Risiko ist dabei für die Bergretter groß. Laut TV-Sender Rai hat sich an der Bergflanke ein vertikaler und instabiler Block gebildet, der ebenfalls herunterbrechen könnte. Dennoch geben die Rettungskräfte die Hoffnung nicht auf, weitere Überlebende zu finden. (pm)

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